Diese Geschichte ist eine reine Fanpublikation und dient keinen kommerziellen Zwecken.
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»Fragt mich nicht, warum mir das damals eingefallen ist, ich weiß es nicht mehr. Entstanden ist die
Geschichte Ende 93/Anfang 94, als die ersten Romane und Comics die Saga weiter spannen und ihr neues
Leben einhauchten. Heute sind die Regeln der Jedi ja wesentlich strenger festgelegt als damals...«
Christel Scheja, 29.05.1994
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Christel Scheja
Die Einsamkeit eines Jedi
Eine Star Wars Fanfiction von Christel Scheja
Feuerschein flackerte aus der Senke zu ihnen hinauf. Nur hin und wieder hallten noch Entladungen von
den schroffen Felsen wider, die das schmale Tal von einem Horizont zum anderen begrenzten.
Der Gestank von verbranntem Plastik und glühendem Metall vermischte sich mit dem herben Geruch des
Windes, der von den Höhen hinunterwehte und die ersten, für Selvadon so typischen
Staubnebel-Schwaden mit sich brachte.
Luke Skywalker beugte sich vor und lugte vorsichtig über den Rand des Felsens. Seine geschulten
Sinne und die Macht verrieten ihm, wo sich die Imperialen aufhielten, die sich ebenso wie sie nach
dem plötzlichen Einbruch der Dunkelheit verkrochen hatten. Die fast undurchdringliche Finsternis der
selvadonischen Nacht und das aufkommende Unwetter verhinderten eine Fortsetzung des Kampfes, ja
selbst den Scan nach Lebensformen, wie ihm Ilyan D'Maar versichert hatte.
Eine dunkle Hand legte sich neben die Seine. Luke spürte einen warmen Körper neben sich rutschen und
der Kopf einer Frau kam in sein Sichtfeld. Ilyan D'Maar, die Anführerin des hiesigen Untergrundes
hatte die schützende Kapuze von ihrem schwarzen Kraushaar gezogen um die Lage zu sondieren. Die
Stichflammen einer weiteren Explosion spiegelte sich in ihren braunen Augen wieder.
Dann hielt sie eine Hand prüfend hoch, wedelte einen Augenblick mit ihr hin und her und führte sie
zum Mund, um an der Haut zu lecken.
Luke war einen Augenblick geneigt gewesen, sie zu warnen, doch dann ließ er es. Ilyan war eine
Eingeborene dieses Planeten und wußte ihr Verhalten selber abzuschätzen. Zudem war die schlanke,
fast zarte Schönheit nicht so jung, wie sie aussah. Auch wenn er nicht genau abschätzen konnte, wie
alt sie wirklich war, so verriet ihre persönliche Ausstrahlung doch die Erfahrung und Weisheit
vieler Jahrzehnte. Zudem hatte sie eine fast erwachsene Tochter, Cedil, der er ebenfalls begegnet
war, und deren Aura noch erstaunlicher war.
»Wir sollten uns besser in die kleine Höhle zurückziehen, denn der Nebel ist heute sehr stark
und ein Sturm wird aufkommen«, sagte sie nun mit heiserer, rauchiger Stimme. »Dank den
Winden, daß er kommt. Vielleicht brauchen wir morgen nicht einmal mehr zu kämpfen!«
Sie drehte sich um und kroch durch den niedrigen Spalt in den Hohlraum, in dem sie bereits ihre
Rucksäche untergebracht hatten. Luke folgte ihr wortlos, nachdem er noch einen Blick nach unten
geworfen hatte. Drinnen spendete eine kleine Lampe Licht.
»Warum nehmen sie an, daß wir uns nicht mehr mit ihnen auseinandersetzen müssen?« fragte
er dann neugierig und kramte einen Konzentratriegel hervor. Ilyan lehnte ab, als er ihr einen
anderen anbot und lehnte sich müde mit dem Rücken gegen die unebene Wand. Sie musterte ihn
nachdenklich.
»Ich bin mit den Nebeln und Stürmen aufgewachsen und kenne ihre Wirkung. Wir sind hier in der
Asjand-Wüste, in der sie am stärksten sind. Der Nebel...«, sie machte eine bedeutungschwere
Pause, »verklebt die Lungenbläschen, wenn man eine zu hohe Konzentration einatmet. Wir werden
den Eingang bald mit dem Notzelt verhängen müssen und wenn es hart auf hart kommt, die Atemmasken
aufsetzten. Der Sturm aber treibt die Sandpartikel mit einer solchen Geschwindigkeit heran, daß sie
Kleidung, selbst dickes Leder mühelos durchschlagen und durch ihre Reibung in Brand setzen. Ich
habe vor Jahren einmal verkohlte Leichen gesehen...«, sie verstummte, »schlimmer als
durch Blaster verbrannt. Ich werde es nie vergessen...«
Ein melancholischer Anblick zeigte sich auf ihrem Gesicht, als sie hinzufügte. »Es waren
Freunde und einer meiner Brüder, die auf Befehl von Gouverneur Rekkard dort ausgesetzt wurden.«
Luke spürte ihren aufkommenden Schmerz und beschloß sie abzulenken, indem er noch einmal ihre Lage
überdachte. Vor zwei Wochen war er als Vertreter der Allianz nach Selvadon gekommen, da die
Verantwortlichen endlich eine Botschaft des Untergrundes und Ilyans erreicht hatte. Seit mehr als
einem Jahrzehnt kämpften tapfere Männer und Frauen gegen die imperiale Besatzungsmacht, die die
früheren Regierungen abgelöst hatten und die Rohstoffe des Planeten rücksichtlos abbaute. Selvadon
besaß wichtige chemische Grundstoffe, die es sonst kaum in diesen Mengen gab.
Ilyan, die offziell sogar im Beamtenapparat der Besatzer arbeitete, hatte Luke und seine Begleiter
selber eingeschleust und in die derzeitige Situation eingeführt, die erste Erfolge für den
Untergrund aufgewiesen hatte. Gerade heute waren sie auf dem Weg zum wichtigsten Minenkomplex des
Nordkontinentes gewesen. Luke bewunderte die, seiner Heimat so ähnliche Wüste. Dann hatten sich
jedoch Verfolger auf ihre Spur gesetzt und sie in diesem Tal gestellt.
Ilyan war nicht von seiner Seite gewichen, sie schien noch nicht einmal von seiner Kampftechnik
überrascht gewesen zu sein. Das erbitterte Gefecht hatte zwar ihren Gleiter gekostet, aber auch die
Imperialen waren nicht ohne schwerwiegende Verluste davongekommen.
»Kann es möglich sein, daß unser Plan verraten wurde?« fragte Luke unvermittelt und sah
Ilyan an. Diese schreckte aus ihrem Grübeln auf und zog zuerst eine Augenbraue hoch. Dann nickte sie
bedächtig. »Das ist nicht auszuschließen« antwortete sie mit belegter Stimme und lauschte.
Draußen war Wind aufgekommen, wie nun auch Luke vernehmen konnte. Ilyan kroch an ihm vorbei und
zerrte an dem kleinen Notzelt, um es mit Keilen an Vorsprüngen zu befestigen. Er kam an ihre Seite.
»Wer könnte es gewesen sein?« fragte er, während er Ilyan zur Hand ging. Ihre Aura
verriet Zorn auf jemanden.
»Ich bin mir nicht sicher, aber ich habe eine Vermutung«, zischte sie und schlug fester
als nötig gegen den Keil, der knirschend in den weichen Stein fuhr. Dabei drehte sie sich ein wenig
zur Seite und stieß dabei gegen Luke.
»Pakred!« Das klang eher wie ein Fluch. »Ich kann es nur vermuten, aber nicht
beweisen.« Sie schüttelte sich. »Doch ich will mich jetzt nicht mit ihm beschäftigen. -
Was spürt ihr draußen, junger Jedi?« wechselte sie ihrerseits abrupt das Thema.
Er musterte sie erstaunt. Ilyan schien die einzige Selvadonierin zu sein, die die Jedi nicht nur aus
Legenden kannte, und seine Fähigkeiten richtig einzuschätzen wußte.
Er atmete tief ein, und tastete nach draußen, spürte Ärger, Unwohlsein und nun auch Angst.
Dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Rebellenführerin, die gemächlich die Werkzeuge
in ihren Rucksack zurücklegte und einen von den mürben Keksen verspeiste, der die Hauptnahrung ihres
Volkes zu sein schien. Sie lächelte und lehnte sich wieder gegen die Wand.
»Sie beginnen ihre Lage zu ahnen«, erwiderte Luke knapp und wechselte dann abrupt das
Thema. »Sie scheinen einiges über die Jedi und die Macht zu wissen, das habe ich schon früher
bemerkt. Wie kommt das?«
Ilyan legte den Keks zur Seite. »In glücklicheren Zeiten besuchten dann und wann Angehörige
des Ordens unseren Planeten, da es hier auch kleine Vorkommen der Kristalle gibt, die man zur
Konstruktion von Lichtsäbeln benötigt. Zugegebenerweise haben wir sie preiswerter als andere
abgegeben, und da mein Vater einer der Händler war, der sie unter der Hand anbot, habe ich öfters
mit diesen ehrenhaften Männern und Frauen sprechen können. Das war vor den Klone-Kriegen.«
Luke beschlich ein seltsames Gefühl. Wie alt war diese Frau? Und besaß sie vielleicht auch die
Fähigkeit, die Macht zu erkennen und zu nutzen?
Wieder schien sie seine Frage vorauszuahnen: »Ich bin fast zweihundert Jahre alt, was für
Angehörige meines Volkes die Hälfte ihrer natürlichen Lebensspanne ist. Doch ich kann sie
beruhigen... oder enttäuschen, je nach dem sie wollen. Ich weiß von der Macht, aber sie ist mir
verschlossen. Doch vor langer Zeit war ich für einige Monate mit einem anderen jungen Jedi zusammen,
der mir viel über sie erzählte, wenn wir nicht gerade...« Ihr süffisantes Lächeln ergänzte
die Worte, bevor sie wieder ernst wurde. »Ist es wahr, daß die Jedi in der Zeit des Imperiums
gejagt und allesamt vernichtet wurden, wie gemunkelt wurde?«
»So weit ich weiß, ja.«
»Dann seit ihr der letzte der Jedi...« sinnierte sie.
»Mit Sicherheit gibt es noch andere, die die Fähigkeit besitzen, die Macht einzusetzen...«
Luke dachte an seine Schwester Leia. »Sobald sich die Wogen nach der Vernichtung des zweiten
Todessterns und dem Tod des Imperators geglättet haben, werde ich mich auf die Suche nach
entsprechend begabten Menschen und Nicht-Humanoiden machen...« Er seufzte, als er an die
schwere Aufgabe dachte, die vor ihm lag. Würde er ihr gewachsen sein, oder ebensolches Unheil
anrichten wie Obi Wan Kenobi, der Darth Vader "geschaffen" hatte? Würde er die Kraft haben, seinen
Schülern, selbst seiner Schwester den richtigen Weg zu zeigen, fort von der dunklen Seite der Macht?
»Ihr müßt einsam sein...« fühlte Ilyan mit ihm.
»Ich habe gute Freunde und eine Schwester an meiner Seite«, entfuhr es Luke unwillkürlich.
Die Unterhaltung lief in eine Richtung, die ihm nicht gefiel, die zu persönlich wurde.
»Jener junge Jedi... mein Geliebter... erzählte mir von der Einsamkeit eines Jedi. Die Macht
entrückt ihn selbst von seinen besten, treuesten Freunden. Weil er etwas Besonderes ist, weil er
Dinge mit der Kraft seines Willens bewirken kann, erwacht die Urfurcht vor dem Übernatürlichen, die
selbst der Verstand nicht unterdrücken kann« sprach sie weiter und zerbröselte den Keks in
kleine Krümel.
Luke schluckte. Sie traf den Punkt, als ahne sie es genau. Zwischen dem unbeschwerten,
lebenslustigen Farmerburschen von Tatooine, dessen größter Traum es gewesen war, die Raumakademie zu
besuchen, um später als tollkühner Pilot berühmt zu werden, und dem letzten der Jedi lagen Welten.
Er beneidete Han Solo, seinen Freund, der sich um Verantwortung nicht geschert hatte, bis er in die
Allianz eingebunden worden war. Auch Han mochte sich verändert haben, aber er war immer noch frei
und trug keine Bürde, wie Luke es tat. Wenn, dann konnte Han sie freiwillig auf sich nehmen.
Und Leia? Obgleich sie sein Potential teilte, vermochte sie das mit seiner Verantwortung nicht.
Selbst seine Schwester konnte ihn nicht so verstehen, wie er es hoffte. Sie stand noch am Anfang
ihrer Entwicklung, und Luke wußte, daß sie niemals eine Jedi sein würde. Zu sehr hatte Leia ihr
früheres Leben als Diplomatin geprägt. Ja, er war allein, einsam, und er fragte sich, wann diese
Isolation enden würde.
Wann immer er Han und Leia beobachtete, fragte er sich, ob er jemals wieder solche Liebe empfinden
konnte, wie sie sie teilten. Er empfand Neid, wenn auch seine stürmischen Gefühle für Leia zu
geschwisterlicher Zuneigung geworden waren. Als Farmersbursche von Tatooine hätte er um ihre Liebe
gekämpft, aber nun war alles anders. Würde er jemals eine eigene Gefährtin und Kinder haben?
Eine seiner Visionen hatte ihm nur Nichten und Neffen gezeigt, und ein bitterer Geschmack war
geblieben.
Er war ein Jedi, aber auch ein denkender und fühlender Mensch!
Dann blickte er Ilyan an. »Warum bringen sie gerade jetzt die Sprache auf dieses Thema?«
fragte er mit vibrierender Stimme, die seine Erregung nicht verbergen konnte.
Die Rebellenanführerin seufzte. »Es kam mir einfach in den Sinn, doch wenn es sie betroffen
macht, können wir auch schweigen und versuchen zu schlafen.« Ihre Augen glommen dunkel.
»Ich weiß wirklich nicht, was das sollte.«
Sie verbarg etwas vor ihm, doch Luke scheute sich die Macht dafür eigennützig anzuwenden und es mit
ihr aus Ilyan herauszubekommen. Das gehörte zu den Mitteln der dunklen Seite, die er mehr als alles
verabscheute, nachdem er ihre Manifestation im Imperator erlebt hatte. So versuchte er es über einen
anderen Weg.
»Sie lebten einmal mit einem Jedi zusammen?«
»Ja. Er war so alt wie sie jetzt, ein fröhlicher und zugleich mutiger Mann, fast schon
leichtsinnig und von seinen Fähigkeiten eingenommen. Aber dann gab es auch Tage, an denen er sich
zurückzog und grübelte. Immer dann habe ich mit ihm gesprochen und solche Dinge erfahren.
Bei den Winden, ich liebte ihn! Ich liebte ihn mehr als mein Leben, aber er wandte sich nachdem wir
alles ausgekostet hatten, wieder seiner Berufung zu und verließ meinen Planeten, meine Heimat, ohne
mich mitzunehmen. So habe ich ihm verschwiegen, daß ich ein Kind von ihm erwartete.« Ihre
Stimme war voll unterdrückten Zornes.
Luke schwieg betreten. Was sollte er darauf antworten, gab es überhaupt eine Möglichkeit. »Ich
verstehe...« sagte er nur.
»Nein...« antwortete sie. »Das tun sie nicht, ebensowenig wie er. Sie werden es
niemals! Deshalb sollten wir jetzt damit aufhören... auch wenn ich damit angefangen habe«
unterbrach sie schroff und starrte auf die Plane vor dem Eingang, die von Böen hin und her bewegt
wurde, während draußen der Sturm zu heulen begann. Luke zuckte mit den Schultern, während kalte
Schauder über seinen Rücken liefen. Mit einer Behauptung hatte Ilyan recht gehabt, sie würden morgen
keine Gegner mehr haben.
»Ihre Tochter Cedil?« fragte er dann vorsichtig an.
»Ja, Cedil, die ihnen die Kleidung verschafft hat. Sie ist nach den Maßstäben meines Volkes
noch nicht ganz erwachsen und kann sich daher freier bewegen als ich.« antwortete Ilyan müde.
»Vielleicht hat sie etwas von ihm geerbt, vielleicht auch nicht...« Sie seufzte laut.
»Morgen müssen wir sehen, wie wir von hier fortkommen, und dann brauchen wir all unsere
Kräfte.«
Luke nickte, als er erkannte, daß sie keine Unterhaltung mehr mit ihm führen wollte, und suchte sich
wie sie eine bequeme Lage, um auszuruhen. Seine Gedanken waren jedoch bei dem jungen Mädchen, dem
halben Kind, das ihm den Overall und den Überwurf gebracht hatte. Deshalb war sie ihm also so
vertraut vorgekommen, deshalb hatte er die ungewöhnliche Kraft ihrer Aura gespürt.
Er lächelte, als er die Augen schloß.
Ilyan brauchte ihm gar nicht den Namen ihres Jedi-Geliebten zu verraten, er wußte ihn. Seine
Gefühle hatten ihn nicht getäuscht, einen verwandten Geist zu spüren, wenn auch diese Bindung nicht
im Blute bestand. Wenn es soweit war, würde sie seine Schülerin sein, Kampfgefährtin, und vielleicht
sogar die Frau, die seine Bürde freudig mit ihm teilte, wenn er die Tochter Obi Wan Kenobis richtig
einschätzte, und sie einen Teil des Wesens ihres Vaters geerbt hatte. Er schwor sich, sollte es
jemals dazu kommen, Ilyan nicht ein zweites Mal zu enttäuschen, indem er die Pflicht über die Liebe
stellte...