1. Kapitel
Die Dämmerung fiel rasch in der Wüste, und als der Gleiter schließlich das Gehöft erreicht hatte,
funkelten schon die ersten Sterne am Himmel.
Der Hof war eigentlich schon mehr ein Gut, und zu beiden Seiten des halb unterirdisch gelegenen
Hauptgebäudes erstreckten sich mehrere Wirtschaftsgebäude. Doch war er schon einige Jahre kein
landwirtschaftlicher Betrieb mehr, sondern diente mehr als eine Art Zufluchtsort vor den
Regierungsgeschäften. Schließlich war Leia Organa Solo ein Mitglied des Rates und somit dem
hektischen Trubel auf Wahilamar, dem neuen Zentrum der Republik, fast ständig ausgesetzt.
Und auch Han Solo hatte Verpflichtungen, denen er sich nicht entziehen konnte. Als General hatte
er regelmäßig auf Stützpunkten zu erscheinen und die Truppen zu kontrollieren.
Es gab noch immer keinen Frieden. Der Imperator war tot, aber ein Teil seines Imperiums bestand
noch immer und kämpfte einen sinnlosen Kampf. Immer wieder wurden Außenposten der Republik
angegriffen. Man wandte also genau die Taktik an, die dem Widerstand zum Sieg verholfen hatte.
Der Gegner sollte durch die Angriffe zermürbt und schließlich von Innen heraus zu Fall gebracht
werden, wie es schon mit der Alten Republik vor dem Imperium geschehen war.
Eine Türe an der Frontseite des Hauses öffnete sich, und ein Lichtstrahl fiel auf den noch immer
warmen Wüstenboden. Eine schemenhafte, nicht sehr groß gewachsene, aber trotzdem Respekt
einflößende Gestalt trat heraus und ging zum Gleiter.
"Nun Luke, wie sieht es aus, ist das Essen fertig?"
"Wir haben nur noch auf euch gewartet. Was hat euch aufgehalten?"
"Das erzähl ich Dir später. Jetzt möchte ich dir erst einmal meine beiden Freunde vorstellen."
Han und die anderen waren ausgestiegen, und nachdem sich Chewie mit einigem Ächzen ebenfalls aus
dem Gleiter geschält hatte, wandten sie sich zum Haus.
Als sie im Hellen standen, deutete Han auf Luke und sagte: ´Also, das hier ist Luke Skywalker, mein
Schwager, und das sind Thera Vernon und Jerom Karakal.«
Luke und Jerom gaben sich die Hand. Thera jedoch sah Luke nur an, denn sie spürte etwas, das Jerom
offenbar entgangen war.
'Ob er es ist? Ich muß unbedingt mit ihm sprechen.'
Auch Luke fühlte etwas, das ihn irritierte. Eine Präsenz, wie sie nur ein Jedi haben konnte, ging
von dieser Frau aus, die da vor ihm stand. Bevor sich jedoch einer dem anderen mitteilen konnte,
öffnete sich eine der vielen Türen, die vom Eingangszimmer aus in andere Teile des Hauses führten,
und Leia trat heraus. Die ganze Vorstellung wiederholte sich, und dann ging die Gruppe in den
Raum, den Leia eben verlassen hatte. Es war ein angenehm eingerichteter Wohnraum, der genügend
Sitzmöglichkeiten für alle bot. Ein Blick nach draußen war nicht möglich, da die Fenster erst
knapp unterhalb der Decke begannen. So gelangte tagsüber zwar Licht in den Raum, doch die große
Hitze wurde von den Isowänden abgehalten. Aber trotzdem war es keineswegs dunkel, dafür sorgten
einige Lampen, die ein angenehmes, warmes Licht verbreiteten.
"Nun was habt ihr denn die ganzen Jahre über erlebt? Ich kann mir nicht vorstellen, daß
es sehr geruhsam war."
"Ja das kann man sagen. Wir haben einige sehr ... interessante Persönlichkeiten getroffen."
Jerom sah zögernd zu Thera und sprach weiter, nachdem er ein zustimmendes Nicken erhalten hatte.
"Ich denke es ist am besten, wenn ich da anfange, wo wir uns getrennt haben."
Han hörte gespannt zu, und auch in Lukes relativ verschlossenem Gesicht zeigte sich nach und nach
immer mehr Interesse an Jeroms Erzählung.
"Tja, wo soll ich beginnen? Ihr wißt ja, wir hatten diese Imperialen Agenten im Nacken
sitzen. Also entfernten wir uns soweit wir nur konnten vom Hauptmachtbereich des Imperators.
Irgendwann sind wir dann in so einem gottverlassenen System gelandet, das nicht einmal in den
Sternenkarten verzeichnet ist. Ausgerechnet da machte der Antrieb der 'Hawk' schlapp und wir
mußten notlanden. Mitten in einem Urwald kamen wir runter! Ihr hättet sehen sollen, wie wir die
Baumkuppen abrasiert haben, dann wäre euch schlecht geworden. Ist mir beinahe auch, ich habe
mein Schiffchen schon in viele handliche Einzelteile zerlegt gesehen. Aber schließlich fanden wir
eine Lichtung, und da sind wir dann 'gelandet', wenn ich diese hochtrabende Formulierung verwenden
darf."
Zustimmendes Nicken und ein mitfühlendes Grinsen von Han faßte Jerom als Bestätigung auf und fuhr
fort.
"Naja, kaum daß wir aus dem Schiff raus sind, hören wir ein Knacken hinter uns. Ihr könnt
euch vorstellen, wie wir rumgefahren sind. So schnell hab ich noch nie einen Blaster schußbereit
gehabt! Aber es war glücklicherweise nicht nötig, irgend jemanden zu durchlöchern, denn der alte
Mann, der da auf die Lichtung getappert kam, war nur bedingt furchteinflößend. Und was glaubt ihr,
macht unsere liebe Thera? Sie geht hin, stellt sich vor, und hält einen gemütlichen Plausch, fünf
Minuten nachdem wir eine Bruchlandung hingelegt haben! Aber es war ganz gut so, glaube ich, denn
der Alte konnte ihrem Charme natürlich nicht lange widerstehen. Er sagte, sein Name sei Bahron,
und dann lud er uns zum Essen ein."
"Was du natürlich sofort angenommen hast, nicht wahr?" feixte Han. "Ich kenne dich doch. Wenn es
irgendwo etwas zu essen gibt, bist du der erste, der in der Schlange steht."
Jerom nahm den Spott mit einem gutmütigen Grinsen hin. Er war Späße dieser Art von Han gewöhnt,
ja, er hatte sie in den letzten Jahren richtiggehend vermißt.
"Genau. Ich sage, wenn mir jemand was zu essen anbietet, kann er nicht durch und durch
schlecht sein. Also, um es kurz zu machen. Wir hockten ungefähr zwei Wochen auf diesem Planeten
fest, als Bahron plötzlich behauptete, ein Jedi-Meister zu sein."
Luke zog eine Augenbraue hoch, schwieg aber. Das war eine interessante Behauptung, schließlich
hatte Yoda den Anspruch erhoben, der letzte Meister gewesen zu sein!
"Ich hab es eigentlich keine Minute wirklich geglaubt, ist ja auch klar. Schließlich gab es
offiziell keine Jedi mehr. Das sagte ich ihm zwar, doch Bahron zeigte sich davon nicht besonders
beeindruckt. Aber er bot uns seine Hilfe an. Er unterzog uns einer Art Prüfung, wie genau das vor
sich ging, weiß ich nicht mehr, aber es dauerte ein paar Tage. Dann meinte er, Thera habe genug
Machtpotential, um unterwiesen zu werden. Ich leider nicht, aber das sei nicht weiter schlimm,
nicht jeder könne berufen sein. Ich glaube, ich fühlte mich ziemlich verschaukelt, sonst hätte ich
nicht diesen dummen Streit mit Thera vom Zaun gebrochen. Wir haben uns ziemlich gemeine Sachen an
den Kopf geworfen, fürchte ich.
Also beendete ich die Reparatur an der 'Hawk' und machte mich aus
dem Staub. Wenn Thera so gerne Jedi werden wollte, dann bitte, aber ohne mich.» Jerom
kicherte. »Mein Güte, war ich damals sauer. Aber natürlich hab ich es nicht entsetzlich
lange ohne sie ausgehalten. Höchstens drei Jahre, oder so. Nach einigem Suchen fand ich sogar
diesen Planeten wieder. Er steht tatsächlich auf keiner Sternenkarte! Dieses Mal paßte ich besser
auf und legte eine feine Landung hin. Und ehe ich noch 'Jabba der Hutt' sagen konnte, tauchte
Bahron auf der Lichtung auf. Irgendwie hatte ich natürlich erwartet, auch Thera bei ihm zu finden.
Daher war meine Enttäuschung entsprechend groß, als er mir sagte, sie hätte einen Teil ihrer
Ausbildung abgeschlossen und würde nun irgendwo auf dem östlichen Kontinent des Planeten leben.
Glücklicherweise fanden die Schiffssensoren sie relativ schnell, ihre Matrix war ja noch
gespeichert. Aber sie hätte sich wirklich keinen ungemütlicheren Ort zum leben aussuchen können.
Ein einziger Sumpf, dieser Kontinent. Beinahe hätte es mich dann auch noch erwischt. Ich stapfte
nämlich nichtsahnend durch den Sumpf, als irgend so ein Viech auftauchte und sich in den Kopf
setzte, ich wäre seine nächste Mahlzeit. - Es war ein Glück für mich, daß Thera ein paar gute
Tricks kennt , sonst säße ich nicht hier. Von einem Augenblick auf den nächsten war sie da, und
das Sumpfmonster haute einfach ab."
"Ganz so einfach war es zwar nicht," Thera machte lachend eine abwehrende Handbewegung.
"aber immerhin war es ein effektvoller Auftritt, das mußt du zugeben."
"Ja, effektvoll könnte man das durchaus nennen. Zumindest war ich noch an einem Stück und
konnte mich entsprechend freuen, sie wiederzusehen. - Ehrlich gesagt, ich war nicht sicher gewesen,
ob sie mich überhaupt sehen wollte, aber daß sie mir das Leben gerettet hat, nahm ich mal als
gutes Zeichen auf. Um es kurz zu machen: wir versöhnten uns und verließen diesen ungemein
interessanten Planeten. Schließlich hatte Thera einen Auftrag bekommen, nämlich andere Jedi zu
finden, und das taten wir dann eben. Zumindest suchten wir, aber als wir nach einigen Monaten nach
Tatooine kamen, in der Hoffnung einen von euch hier zu treffen, war das nicht direkt lohnend.
Später erfuhren wir, daß ihr euch der Rebellion angeschlossen hattet. Also nahmen wir nach
dem Tod des Imperators Kontakt mit ein paar alten Freunden auf, die noch gute Verbindungen hatten.
Endlich bekamen wir den Tip, es auf Tailon zu versuchen, Lando Calrissian wäre dort Gouverneur.
Das hielten wir zwar für einen Scherz, aber es war unser einziger Anhaltspunkt. Tja, Lando war
dort, und nachdem er sah, in welch traurigem Zustand wir und unser Schiff uns befanden, buchte er
für Thera und mich die Passagen an Bord der 'Traiton'.
Hoffentlich läßt er bloß die Finger von der 'Hawk'. Wie ich ihn kenne versucht er sie zu
modifizieren und danach kenne ich mich auf meinem eigenen Schiff nicht mehr aus!" Jeroms
schmerzlich verzogenes Gesicht ließ Han laut auflachen. Er kannte Lando und seine Schwäche für
Basteleien an alten Frachtschiffen. Wenn Thera und Jerom Glück hatten, würde er wenigstens die
Farbe nicht ändern.
"Lach du nur, Han! Ich wüßte nur gern, ob du auch noch lachen würdest, wenn Lando den
'Falcon' in die Finger kriegen würde!"
Das versetzte Hans Heiterkeitsausbruch einen Dämpfer. Aber die alten Spötteleien zwischen ihnen
ließ beide in Erinnerungen schwelgen, und nach kurzer Zeit waren sie in ein Gespräch über
technische Verbesserungen, Flugmanöver und ähnliches vertieft.
Schließlich meinte Leia, nachdem Chewie schon mehrmals besorgt in Richtung Küche gelinst hatte:
"Ich denke, wir essen jetzt aber erst einmal. Später können wir auch noch darüber nachdenken,
was es mit dem Angriff in Mos Eisley auf sich hatte. Han hat mir nämlich davon erzählt, und ich
wüßte gern genaueres."
Ihr Vorschlag wurde mit allgemeiner Zustimmung angenommen. Während des Essens sprachen alle über
die alten Zeiten, und Thera und Jerom erfuhren ein wenig von dem, was Han und Lando nach ihrer
Trennung alles erlebt hatten. Danach gingen sie wieder in den Wohnraum und kamen auf ernstere
Themen zu sprechen. Besonders wichtig waren ihnen natürlich die mysteriösen Schüsse am Raumhafen,
daher zerbrachen sie sich gehörig die Köpfe darüber, ohne jedoch zu einem befriedigenden Ergebnis
zu kommen.
Währenddessen landete auf einem düsteren Planeten, viele Lichtjahre von Tatooine entfernt, ein
Shuttle. Der Pilot schaltete die Armaturen ab und beeilte sich dann aus dem Raumschiff zu kommen,
um seinem Herrn Bericht zu erstatten. Seine Schritte führten ihn zu einem gigantischen Berg, in
dessen Wand irgendein urzeitliches Volk einen Eingang geschlagen hatte. Die schwarze Öffnung
klaffte wie das Maul eines unbeschreiblichen Ungeheuers, und nur einer der alten Baumeister der
Tempelanlage hatte wohl die wahre Bedeutung dieses Ortes gekannt, die über die Jahrtausende in
Vergessenheit geraten war.
Der Pilot erschauerte, wie jedesmal, wenn er den Tempelbezirk der Sith betrat. Obwohl selbst ein
Sith-Krieger, flößte ihm die Aura des Bösen hier im Zentrum der schwarzen Macht stets unsagbare
Furcht ein. Durch schier endlose Gänge und Korridore, von eifrigen Händen in den schwarzen Felsen
geschlagen, erreichte er schließlich den Thronsaal des obersten Lords der Sith.
Gewaltige Säulen trugen eine Decke, auf der das ganze Gewicht des Berges zu lasten schien, und
eine beklemmende Stille beherrschte den gesamten Raum. Selbst die vielen Lampen konnten die
Dunkelheit nicht zurückhalten. Sie kroch wie ein lebendiges Wesen aus den unzähligen Winkeln und
streckte ihre langen Finger nach allen Seiten aus. In der Mitte dieses düsteren Saales saß, auf
einem Thron aus dem schwarzen Gestein des Berges, der oberste Lord der Sith. Seine grausamen
Gesichtszüge schienen wie aus Stein gemeißelt, und seine unerbittlichen Augen hatten eine seltsame
Färbung, die sie im Licht der Lampen glühen ließ. Sein Gewand schien alles Licht zu verschlucken
und er trug ein Amulett aus Sithrit.
Der Pilot hatte sich seinem Herrn zögernd genähert und fühlte nun, wie die Aura der Macht stärker
wurde und sich um den Thron zu konzentrieren schien.
"Was hast du zu berichten, Sklave?"
Die Stimme seines Meisters, die so tief war wie einer der bodenlosen Schächte des Tempels, ließ
den Sith zusammenfahren. Er mußte seinen ganzen Mut aufraffen, um sprechen zu können, denn er
wußte, daß seine Nachricht nicht gnädig aufgenommen werden würde.
"Mein Lord, der , eh, Auftrag, ehm .., er war ein ..Fehlschlag, aber..-"
"Schweig!"
Ein kurzer Augenblick der Stille folgte, der dem Piloten vorkam wie eine Ewigkeit. Dann erhob sich
der Schwarze Lord von seinem Thron, wobei seine Hände die steinernen Lehnen fest umklammert
hielten. Seine Stimme hallte durch den Tempel, als sein Zorn sich auf seinen Diener richtete.
"Du hast versagt! Ich habe dir gesagt, der Feind muß sterben, bevor er uns entdeckt! Deine
Unfähigkeit widert mich an! Geh mir aus den Augen und bereite dich auf deinen Tod vor!"
Der Bote zitterte am ganzen Körper, doch im Angesicht des Todes erwuchs ein ungeahnter Mut in
ihm.
"Mein Lord, ich .. ich bitte Euch, gebt mir noch eine Chance. Ich werde Euch nicht mehr
enttäuschen."
Der Lord schien kurz zu überlegen und antwortete dann: "Nun gut. Du sollst deine letzte Chance
erhalten. - Doch ich warne dich, enttäuschst du mich erneut, stirbst du."
Der Attentäter verneigte sich tief und verließ dann hastig den Tempel, um seinem Herren so schnell
als möglich zu entgehen.
"Eines ist doch wohl klar, irgend jemand will einen oder mehrere von uns um die Ecke bringen, und
ich finde, wir sollten alle mal die Karten auf den Tisch legen. Es ist gut möglich, daß einer von
uns mehr weiß als die anderen."
Während Jerom sprach, hatte er die Anwesenden der Reihe nach kritisch angesehen, und jetzt
räusperte sich Han.
"Nun, es ist tatsächlich so, daß wir hier Bescheid wissen", er wies auf Leia, Luke und Chewie.
"Genauer gesagt, es ist nicht das erste Mal, daß wir hier Ärger hatten. Auf Luke sind schon zwei
ähnliche Anschläge verübt worden. Zum Glück ohne Erfolg. Ich hatte euch nur noch nichts davon
gesagt, weil ich es für besser hielt zu warten. Jetzt sehe ich ein, daß dies ein Fehler war."
Jerom sah den Freund erwartungsvoll an, doch Han schwieg. Statt dessen hub Luke zu sprechen
an: "Es ist wohl am besten, wenn ich etwas klar stelle. Diese ganze Sache hier hat nichts mit
irgendwelchen Strauchdieben zu tun, die eine Gelegenheit suchen, um sich an Han oder mir oder euch
beiden, Thera und Jerom, zu rächen. Ich glaube viel eher, daß es mit dem Imperium zu tun hat.
Immerhin haben wir ständig Ärger mit den Imperialen. Aus dem, was ich eben gehört habe, würde ich
schließen, daß der Heckenschütze Mitglied einer Imperialen Sondereinheit war. Vielleicht gehörte
er der Kaiserlichen Leibgarde oder einem Spezialkommando der Sturmtruppen an. Zumindest ist er
sehr gefährlich, und wir dürfen ihn nicht unterschätzen."
"Ich denke, Luke hat recht. Das einzige, was wir tun können ist abzuwarten und die Augen
aufzuhalten."
Die anderen stimmten Han zu und erklärten dann das unerfreuliche Thema für abgehakt. Thera und
besonders Jerom waren interessiert zu hören, was denn genau alles in der langen Zeit seit dem
letzten Zusammentreffen mit Han, Lando und Chewie passiert war. Als Han mit Unterstützung von
Chewie zu erzählen begann, stand Luke plötzlich auf und verließ eilig den Raum. Er hatte etwas
gespürt, das ein Gefühl von Gefahr in ihm hervorrief.
Der Wüstenboden war noch warm von der Hitze des Tages. Zuerst hörte man noch das leise Knirschen
von Sand zwischen Stein und Stiefel, aber als die Steine dem Sand Platz machten, verriet nichts
mehr Lukes Anwesenheit. Er war erst einige hundert Meter in die Wüste vorgedrungen, als plötzlich
ein schwarzer Schatten seinen Weg kreuzte. Ein Lichtschwert flammte rot auf und zuckte in Lukes
Richtung. Es war ein Glück für ihn, daß er sein Lichtschwert beim Hinausgehen gewohnheitsmäßig
umgebunden hatte, denn dem Hieb hätte er nicht ohne Verletzung ausweichen können. So aber fing er
die Attacke ab und ging dann in Verteidigungsstellung.
Sein Gegenüber nahm die entsprechende Angriffsstellung ein, und dann umkreisten sich die Gegner in
fließenden Bewegungen. Die von den Lichtschwertern erzeugten Energiefelder beleuchteten die beiden
Kombattanten und tauchten die Szenerie in ein gespenstisches Licht. Für einen entfernten
Beobachter hätte der Kampf wie eine Entladung elektrischer Energie gewirkt.
Wie Tänzer umkreisten sich Luke und sein Gegner, bis dieser dann einen plötzlichen Ausfall machte,
den Luke aber geschickt parierte, seinerseits angriff und den anderen in eine mißliche Lage
brachte. Hinter ihm konnte Luke nämlich einen Felsen sehen, der seinem Gegenüber zwar den Rücken
deckte, es ihm aber auch unmöglich machte, Lukes Hieben weiter nach hinten auszuweichen. So blieb
ihm nichts anderes übrig, als sich mit einem gewaltigen Sprung auf dem Felsen für kurze Zeit in
Sicherheit zubringen, was in der Dunkelheit keineswegs einfach war. Luke ließ sich nicht aus der
Fassung bringen, sondern stand seinem Gegner in nichts nach. Der merkte nun, daß er es mit einem
sehr erfahrenen und gewandten Kämpfer zu tun hatte, und drängte aggressiv nach vorne, mit der
Absicht, den Jedi aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Doch Luke merkte, was der Krieger vorhatte, und wich ihm elegant aus, so daß dieser sich mit
seinem eigenen Schwung vom Felsen katapultierte. Mit einem Salto kam er sicher auf die Füße, sein
überraschtes Keuchen zeigte jedoch, daß er mit einer solchen Reaktion seines Gegners nicht
gerechnet hatte. Luke sprang hinunter auf den Boden, und im Licht des aufgehenden Mondes
umkreisten sich die beiden Kämpfer wieder in ihrem tödlichen Tanz.
Der Kampf ging ohne einen Wortwechsel vonstatten und hätte vermutlich noch endlos gedauert, da die
beiden Gegner sich fast in nichts nachstanden. Dann jedoch fand das Duell ein jähes Ende, als
Lukes Gegner sich mit dem Fuß in einem unter dem Sand verborgenen Stein verfing und stolperte.
Luke nutzte den Augenblick und machte eine Finte, auf die der andere auch prompt hereinfiel.
Mit einem einzigen Hieb trennte Lukes Lichtschwert ihm die Hand vom Körper, was ihn hilflos machte.
Daß er offentlich große Schmerzen hatte, hielt den Krieger jedoch nicht davon ab, mit der anderen
Hand nach Lukes Beinen zu greifen, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Erst als die Spitze
des Lichtschwertes sich bedrohlich nah an seiner Kehle befand, gab er auf.
Luke packte ihn mit der Linken am Umhang und zog den nun in sich zusammengesunkenen Mann zu sich
hoch.
"Warum haben Sie mich angegriffen, und wer sind Sie?"
Der andere war jedoch nicht sehr kooperativ, sondern starrte ins Leere. Da Luke nicht die ganze
Nacht in der Wüste verbringen wollte, stellte er die Frage noch einmal, jetzt jedoch verbunden mit
einem massiven Einsatz der Macht. Und nun hatte er Erfolg, obwohl der Befragte sichtlich bemüht
war, sich der Gedankenmanipulation zu entziehen.
"Ich bin Shandor. Ich habe den Auftrag, den Jedi und die Frau zu töten."
"Wer gab Ihnen den Auftrag?"
"Ich bin ein Diener des Obersten Lords der Sith. Mein Herr befahl mir, den Feind zu töten, bevor
er uns entdeckt."
Kaum hatte Shandor ausgesprochen, begann die Luft vor ihnen zu flimmern, und ein Schatten,
schwarz vor dem Dunkel der Nacht, erschien. Der Sith-Krieger begann jämmerlich zu zittern, als die
Stimme seines Herrn ertönte: "Du hast mich heute zum letzten Mal enttäuscht. Ich habe dir noch
eine Chance gegeben, aber anstatt sie zu nützen und den Feind zu töten, hast du ihm von uns
erzählt. Du wirst keine Gelegenheit mehr haben, uns zu schaden, denn du wirst dem Tod
überantwortet."
Nach diesen Worten verschwand der Schatten, und Luke blieb mit Shandor allein zurück. Dieser sah
sich mit Panik in den Augen um, aber gleichzeitig lag ein Ausdruck von Resignation in seinem
Blick, als habe er erkannt, daß es keinen Ausweg für ihn gäbe. Er wandte sich an Luke und wollte
eben sprechen, als er sich plötzlich zusammenkrümmte. Das Urteil seines Herren wurde vollstreckt.
Selbst Luke spürte eine tödliche Bedrohung, wie eine kalte Hand, die nach seinem Herzen griff.
Wie stark Shandor empfinden mußte, was er selbst nur ahnen konnte, wollte er gar nicht erst
erfahren. Doch obwohl der Sith sich in Agonie wand, schien er gewillt, seinen Herrn an die Jedi zu
verraten, denn mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Krächzen war, sagte er: "Du kannst ihn
vernichten...er weiß, ..daß du ..stark geworden bist. Geh .. nach Krelon, .. dort wirst du ..
ihn finden.."
Die abgehackten Sätze Shandors wurden immer leiser. Schließlich erstarb seine Stimme. Luke schaute
betroffen auf den Toten hinunter und fragte sich, ob er die Wahrheit gesagt hatte.
'Er lag im Sterben, und dann pflegt man eigentlich nicht zu lügen. Aber wenn es nun eine Falle
ist? - Krelon. Ich habe noch nie von einem solchen Planeten gehört.'
Eine Hand legte sich plötzlich auf seine Schulter. Luke fuhr erschreckt zusammen. Jede Faser
seines Körpers war angespannt und kampfbereit.
"Heh, ich bin's, du wirst doch den Mann deiner Schwester noch erkennen, oder?"
"Tu das nie wieder, Han, versprich mir das."
Luke hatte sich gerade noch zurückhalten können, sein Schwert zu zünden, und konnte ein Zittern in
der Stimme nicht vermeiden.
"Was ist denn passiert? Du bist ja völlig nervös. Und wer ist die tote Leiche da?"
"Er hatte den Auftrag, mich zu töten," erwiderte Luke ruhig. "Mich und - noch jemanden. Aber er
hat versagt und wurde von seinem Herrn dafür bestraft."
Han ließ sich in den Sand sinken und sah Luke verwirrt an.
"Das verstehe ich nicht. Wen sollte er denn noch töten, und in wessen Auftrag handelte er? - Ich
schätze, du mußt mir da einiges erklären, Luke."
"Dazu ist jetzt keine Zeit. Wir müssen erst einmal den hier begraben und dann können wir reden.
Aber versprich mir eins -"
"Kommt auf das Versprechen an."
Luke sah Han ernst an, dann meinte er mit Nachdruck in der Stimme: "Kein Wort zu Leia und den
anderen, von dem was hier passiert ist. Es würde sie zu sehr aufregen."
"Das kann ich dir nicht versprechen. Du weißt doch, das Leia und ich keine Geheimnisse voreinander
haben. Und sie wird etwas merken, das tut sie immer. - Aber du hast recht, wir begraben erst einmal
deinen gesprächigen Freund hier."
Sie schaufelten den Sand mit ihren Händen beiseite und schafften so eine flache Grube, in die sie
den Krieger legten. Han wollte gerade den Sand zurückschauen, als Luke etwas auffiel.
"Halt! Warte einen Moment!"
Han hielt überrascht inne. Erstaunt sah er zu, wie Luke den Umhang des Kriegers beiseite zog. Dabei
fiel ihm etwas Bemerkenswertes auf. Der Tote trug fast die selbe Kleidung wie Luke: eine schwarze
Hose und darüber ein Hemd und eine kurze Tunika in der gleichen Farbe. Luke war jedoch an etwas
anderem als der Kleidung des Toten interessiert. Er hatte während des Kampfes etwas Silbernes an
der Brust seines Gegners aufblitzen sehen, und als er nun den Umhang beiseite zog, wurde ein
Medaillon sichtbar, das aus einem silbrig glänzenden Metall bestand. Er nahm es vorsichtig ab und
betrachtete es.
"Sithrit."
"Was?"
"Sithrit, eine Legierung, die härter als alle anderen bekannten Metalle ist. Mit diesem Medaillon
könnte man ohne weiteres ein Loch in einen Sternenzerstörer schneiden. Vorausgesetzt natürlich,
man hat die Kraft dazu. Es ist sehr kostbar und nur auf einigen wenigen Planeten zu finden. Ich
habe in den Archiven von Tailon darüber gelesen. Für gewöhnlich wird es nicht für Schmuckstück
verwendet. Aber dieses Medaillon ist etwas ganz besonderes. Ich fühle, daß eine große Kraft in
ihm konzentriert wurde. Am besten nehme ich es mit nach Hause. Wir sollten nicht länger als
nötig hier draußen bleiben."
Han nickte zustimmend. Gemeinsam bedeckten sie den Toten mit einer dicken Schicht Sand. Dann
legten sie noch genügend Steine darüber, um ihn vor den Leichenfledderern der Wüste zu schützen.
Luke sah noch einmal stumm auf das einsame Grab, dann wandte er sich ruckartig um und ging in
Richtung Gehöft. Han sah unbehaglich von Luke zu dem Grab und wieder zurück, dann folgte er dem
Freund schweigend.
"So, nun erwarte ich einige Antworten von dir, Luke." Han sah erwartungsvoll auf den ihm
Gegenübersitzenden. Die beiden hatten sich in einen zur Werkstatt für Luke umgebauten Raum des
Gehöftes begeben, um ungestört reden zu können. Außerdem wollte Luke das Medaillon noch einmal
genauer in Augenschein nehmen, und im Haus hätte er nicht die Möglichkeit gehabt, das in aller
Ruhe zu tun.
Als Han ihn jetzt so erwartungsvoll ansah, mußte er trotz der Ahnung von tödlicher Gefahr, die ihn
immer wieder beschlich, seit er dem ersten Attentat nur mit Mühe entgangen war, unwillkürlich
lächeln. Ihm kamen Zweifel, ob es richtig war, Han alles zu erzählen, aber dann erschien es ihm
besser.
"Also gut, was willst du wissen?"
"Nun, fangen wir doch einfach bei Bespin an. Lando sagte mir damals, daß Leia und ich als Köder
dienten für die Falle, die Vader dir gestellt hatte. Aber warum hat er dir eine Falle gestellt?"
"Das ist eine ziemlich lange Geschichte. Aber wenn du sie wirklich hören willst -"
"Natürlich, wir haben Zeit. Also fang an."
"Zuerst einmal muß ich dir etwas über den Imperator und Darth Vader erzählen. Du weißt vermutlich,
daß der Imperator vorher ein Mitglied des Senats auf Alderaan war. Er hieß Palpatine und war bei
seinen Kollegen im Senat nicht sonderlich beliebt. Er war auf dubiosen Wegen in die Politik
gelangt und es hieß, daß der Reichtum seiner Familie ziemlichen Einfluß auf seine Wahl zum Senator
hatte. Irgendwann hat seine grenzenlose Machtgier ihn dann über die Stränge schlagen lassen, denn
es wurde der Antrag gestellt, ihn von seinem Amt zu suspendieren, und zwar auf unbestimmte Zeit.
Daraufhin machte er mit Hilfe gekaufter Militärs einen Putschversuch, der auch gelang und ihn an
die Spitze der Regierung stellte. Er ließ sich von seinen 'Getreuen' zum Kaiser ausrufen und hatte
von da ab die völlige Kontrolle über die Galaxis.
Es war sein grenzenloser Haß auf die Jedi, die in der Alten Republik der Garant für
Frieden und Ordnung waren, der zu ihrer fast vollständigen Ausrottung führte. Nur noch einige
wenige schafften es zu überleben, wie der Jedi-Ritter, den Thera und Jerom, trafen und auch wie
Obi-Wan Kenobi, ehemals General während der Klon-Kriege, und Yoda, der mich zum Jedi ausbildete.
Obi-Wan - er war es der Darth Vader schuf, ohne es zu wollen, versteht sich. Er hatte während der
Klon-Kriege einen jungen Jagdpiloten kennengelernt, bei dem die Macht sehr stark ausgeprägt war.
Er beschloß, ihn zum Jedi auszubilden, doch die Ausbildung war noch nicht beendet, als der Mann
der Meinung war, dem Imperator gegenübertreten zu können. Dies jedoch war ein Irrtum, und er
verfiel der Dunklen Seite der Macht. - Aus Anakin Skywalker wurde Darth Vader."
Hier hielt Luke inne und sah Han prüfend an. Dieser glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Das
Scheusal Vader sollte ein Skywalker sein? Als Han Lukes traurigen Gesichtsausdruck bemerkte, den
dieser bei der Nennung des Namens Anakin Skywalker bekommen hatte, wußte er, daß dies noch nicht
alles war. Und er hatte beinahe Angst die Wahrheit zu erfahren.
Luke seufzte, dann fuhr er fort: "Ja, aus Anakin Skywalker - meinem Vater."
"Das kann ich nicht glauben, Luke."
Hans Stimme war zu einem Flüstern geworden, und das Entsetzen stand ihm ins Gesicht geschrieben.
"Es ist aber so, Han. Er war mein Vater. Ben versuchte später, ihn zur Umkehr zubewegen, doch es
war bereits zu spät, der Einfluß des Imperators war zu stark. Die beiden kämpften, und mein Vater
stürzte in eine Grube mit glühendem Eisen. Als er sich da heraus gearbeitet hatte, war das Böse in
ihm unwiderruflich eingebrannt. Er half dem Imperator bei der Vernichtung der Jedi-Ritter und
wurde seine Rechte Hand. Nach der Vernichtung des ersten Todessterns wußte Vader, daß ich
existierte und tat alles um mich in die Hände des Imperators zu spielen, bevor ich für beide zu
einer Gefahr würde.
Während du, Leia und Chewie auf Bespin wart, wurde ich von Yoda unterwiesen. Ihr mußtet
leiden, damit ich euch zur Hilfe kommen würde und gefangengenommen werden könnte. Als Vader dich
einfrieren ließ, da tat er es nur, um die Anlage für mich zu testen, nicht etwa um es Boba Fett
einfacher zu machen, dich mitzunehmen. Ich hoffe du kannst mir verzeihen, daß ich dir solche
Unannehmlichkeiten verursacht habe."
Han zuckte mit den Schultern: "Es war ziemlich schlimm, aber schließlich verdanke ich dir ja,
wieder heil aus der Sache rausgekommen zu sein. Also, Schwamm drüber. Und jetzt erzähl weiter."
Luke zögerte wieder bevor er weitersprach, aber schließlich müßte Han eingeweiht werden, und so
fuhr er fort: "Du erinnerst dich, daß ich, als wir Endor anflogen, sagte, Vader sei auf dem
Kommandoschiff, nicht wahr?"
"Ja, damals sagte ich dir, daß du dir zu viele Gedanken darüber machtest."
"Ja, aber ich hatte recht. Vader war tatsächlich auf dem Kommandoschiff. Nur weil er meine Nähe
spürte, hat er uns passieren lassen. Verstehst du? Er wußte, daß ich mich freiwillig stellen
würde, um euch zu retten. Und genau das habe ich auch getan. Eine erneute Konfrontation war
unvermeidlich. Beim erstenmal hatte er mir gesagt, wer er wirklich war, und er wußte, daß ich
zurückkommen würde. Bevor ich ging, erzählte ich Leia alles, um ihr klar zu machen, das sie die
einzige Hoffnung für die Allianz wäre, falls ich nicht zurückkäme.
Vader brachte mich zum Imperator auf den Todesstern, und ich war gezwungen, die
Raumschlacht zu beobachten, nachdem der Imperator mir eröffnet hatte, daß es sich um eine Falle
handelte. Er provozierte mich zu einem Duell mit Vader, und beinahe hätte das Böse Macht über mich
gewonnen. Dann hätte ich Vaders Platz eingenommen - und glaube mir, es wäre alles noch schlimmer
geworden. Aber es gelang mir, ihm zu widerstehen. Daraufhin versuchte er mich zu töten, doch mein
Vater half mir, indem er den Imperator in den Schacht des Hauptreaktors warf. Er, nicht ich, hat
das Ende des Imperiums herbeigeführt. Aber das konnte ich niemandem anvertrauen. Du kannst dir
sicherlich vorstellen, was unsere Verbündeten mit mir gemacht hätten, wenn sie die Wahrheit über
mich und Vader herausgefunden hätten. Bevor mein Vater dann starb, hat er der Dunklen Seite der
Macht abgeschworen und war gerettet. Danach floh ich vom Todesstern und flog nach Endor. Das war
eigentlich alles."
"Das nennen Sie alles?"
Han und Luke drehten sich überrascht zur Türe. Sie hatten gar nicht bemerkt, daß Thera schon eine
ganze Weile dort gestanden und zugehört hatte.
"Sie haben alles gehört?"
"Fast alles, und ich muß zu meiner Verteidigung sagen, daß es nicht in meiner Absicht lag, Sie zu
belauschen. Ich wollte noch ein wenig frische Luft schnappen und Leia bat mich, mich nach ihnen
umzusehen. Als ich hier drinnen Licht sah, kam ich ins Haus und hörte Ihre Stimme. Daraufhin blieb
ich und hörte zu. Sie sind der Jedi, von dem Bahron sprach, nicht wahr?"
"Ja, Sie haben recht, und ich muß mich entschuldigen, daß ich noch nicht mit ihnen sprach. Aber da
Sie jetzt hier sind, nutze ich die Gelegenheit, um Ihnen etwas zu zeigen."
Luke deutete auf das Medaillon, das die ganze Zeit auf dem niedrigen Tischchen zwischen ihm und
Han gelegen hatte. Thera kam näher und sah ungläubig auf den Anhänger.
"Das ist ein Medaillon aus Sithrit. Nur die Angehörigen der Sith-Krieger tragen eines. Bahron hat
mir eines beschrieben, er sah es bei einem Kämpfer während der Klon-Kriege. Es trägt das Siegel
des ersten Sith Lords und dient den Sith angeblich zur Verständigung untereinander. Woher haben
Sie es?"
"Ich fand es bei einem Sith, der mich vorhin in der Wüste angriff. Es war derselbe, der auch für
den Anschlag heute Nachmittag verantwortlich war."
"Also die Sith. Ich hätte es mir beinahe denken können, nachdem Bahron mich vor einer dunklen
Gefahr warnte. Was werden wir also jetzt unternehmen?"
"Wir?? Sie werden nichts unternehmen, sondern hier bleiben und auf Leia aufpassen. Sie ist genauso
in Gefahr wie wir. Der Sith-Lord will alle vernichten, die in der Macht geschult sind, das dürfen
wir nicht vergessen."
"Heh, Moment mal. Hab ich da nicht auch noch ein Wörtchen mitzureden? Schließlich ist Leia meine
Frau."
"Nein Han, es ist besser du wirst nicht auch noch in diese Sache mithineingezogen. Du wärst dem
ganzen nicht gewachsen."
Han glaubte sich verhört zu haben.
"Ich? Dem ganzen nicht gewachsen? Sag mal, ist das ein Anflug von Größenwahn? Ich habe schon das
All durchkreuzt, als du noch ein harmloser kleiner Bauernjunge auf Tatooine warst und über
Rübenfelder gejagt bist! Mir passiert so leicht nichts! Und außerdem, du sagtest Vader war dein
Vater. Aber Leia ist deine Schwester und damit war er auch ihr Vater. Wenn dieser Schwarze Lord
Rache will, dann ist Leia hier genauso in Gefahr wie an jedem anderen Ort des Universums. Wir
werden also mit dir gehen und auf dich aufpassen."
Luke lächelte müde und gab Han dann eine Antwort, die dieser lange nicht vergessen konnte: "Oh
Han, du weißt gar nicht, wie leicht verletzbar du bist. Und du hast überhaupt keine Vorstellung
davon, mit wem wir es zu tun haben. Verstehst du denn nicht? Der Imperator war schon sehr stark,
aber er war nur eine Marionette in den Händen des Sith-Lord. Was, glaubst du wird passieren, wenn
er dich in die Hände bekommt? Du bist leicht wütend und genau das ist dein schwacher Punkt. Du
hast sehr starke Gefühle, egal, ob du Wut, Zorn, Aggression oder Liebe, Freundschaft oder Trauer
verspürst. Diese Emotionen würden dich zu einer Wachspuppe in den Händen des Sith-Lord machen.
Du würdest der dunklen Macht verfallen und nie wieder davon los kommen. Der Sith-Krieger vorhin
mußte sterben, weil er seinen Herrn nicht zufriedengestellt hat. Er wurde allein durch den Willen
seines Herrn getötet, durch nichts anderes. Ich will nicht, daß du genauso endest wie er. Das ist
auch der Grund, weshalb ich dir all diese Sachen bisher immer verschwiegen habe. Vor Leia konnte
ich es nicht geheimhalten, da sie es früher oder später selbst herausgefunden hätte. Die Gefahr
kann ich leider nicht mehr von ihr fernhalten, daher mußt du mir versprechen, besonders gut auf
sie zu achten, während ich fort bin. - Versprich mir das, Han."
Han nickte mühsam, ganz so als seien plötzlich aller Elan und alle Kraft aus ihm gewichen.
Luke sah ihn prüfend an und warf einen Blick zu Thera, die sich ebenfalls gesetzt hatte. Dann
stand er auf und griff nach dem Medaillon um es sich genauer anzusehen. Als er es in die Hand
genommen hatte, begann sich eine seltsame Kälte in ihm auszubreiten. Er verspürte das unheimliche
Gefühl von absoluter Macht von sich Besitz ergreifen. Er nahm nichts mehr war außer dem Medaillon.
Einer gleißenden Scheibe, die einem Auge gleich, in seine innersten Tiefen zu sehen schien. Ein
leise, aber eindringliche Stimme begann zu flüstern 'Ich biete dir diese Macht, ergreife sie,
benutze sie, werde einer von uns! Was kümmert dich dieses Gewürm, das in den Galaxien
herumkriecht. Du könntest mit der Macht, die ich dir biete, mit mir das Universum beherrschen.
Also, zögere nicht, sondern ergreife sie.'
Han und Thera sahen Luke erschrocken an. Als er das Medaillon in die Hand genommen hatte, war eine
Veränderung mit ihm vorgegangen, die höchst unheimlich war. Luke schien irgendwie gewachsen zu
sein, und das sanfte Schwarz seiner Kleidung war einem bedrohlichen, alles Licht verschluckenden
gewichen. Aber das schlimmste war Lukes Gesicht. Es spiegelte den Kampf, den er gegen die
verführende Stimme des Lords führte, deutlich wieder. Und Han verstand, weshalb Luke sich solche
Sorgen machte.
Plötzlich verzerrte sich Lukes Gesicht vor Schmerz, und mit einer gewaltigen Kraftanstrengung
schleuderte er das Medaillon von sich. Als er taumelte, eilte Han dem Freund zur Hilfe und fing
ihn auf. Sein Gesicht war grau vor Erschöpfung geworden und sein ganzer Körper schweißgebadet. Der
grausame Zug um den Mund und das kalte Glitzern in den Augen aber waren gewichen und auch seine
Kleidung hatte wieder ihre normale Färbung.
"Heh, alles in Ordnung? Mann, hast du uns einen Schrecken eingejagt. Geht's wieder?"
Luke nickte schwach und ging dann auf wackeligen Beinen zu einem der Sessel. Sobald er saß,
blickte er Thera und Han an und sagte dann mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Flüstern war:
"Versteht ihr jetzt, weshalb ich das allein erledigen muß?"
Thera schaute zu Han und sagte dann: "Ich denke, es ist am besten, wir bringen ihn ins Haus. Er
braucht jetzt Ruhe, immerhin hat er gerade gegen den Schwarzen Lord gekämpft."
Die beiden faßten Luke unter den Armen, jeder an einer Seite, und gingen dann ins Hauptgebäude.
Kurz bevor sie dort ankamen, öffnete sich die Türe, und Leia kam herausgestürzt.
"Luke, was ist passiert? - Han, was ist los?"
"Ich erzähl es dir gleich, wir müssen Luke jetzt erst in sein Zimmer bringen. Thera sagt, er
braucht Ruhe."
"Aber -"
"Kein aber. Es ist wirklich besser. Also gedulde dich noch ein paar Minuten."
Die vier gingen ins Haus, und Luke wurde in seinem Zimmer vorsichtig hingelegt. Die Erschöpfung
hatte ihn schließlich doch übermannt, und er war halb bewußtlos, halb schlafend auf sein Bett
gelegt worden. Leia zog einen Stuhl heran und setzte sich. Als sie Luke betrachtete, fiel ihr auf,
um wieviel älter er aussah als sie. Dabei waren sie doch Zwillinge!
"Ich will jetzt wissen, was passiert ist. Luke ist völlig erschöpft. Das hat doch sicher einen
Grund."
Han setzte sich auf den übriggebliebenen Stuhl, warf Thera einen Blick zu und nahm dann Leias
Hand. Thera verließ geräuschlos das Zimmer und ging in den Wohnraum, in dem Jerom und Chewie saßen
und eine Partie Dejarik spielten. Gerade schien Jerom ein besonders guter Zug gelungen zu sein,
denn Chewie schnaubte ärgerlich als er die Holofiguren vor ihm betrachtete.
Als er Theras Anwesenheit spürte, drehte Jerom sich zu ihr herum und sah überrascht wie ernst sie
blickte.
"Was ist passiert? Du siehst aus wie jemand, dem ein Bantha auf den Zeh getreten ist."
"Es gibt Ärger, Jerom. Luke hatte Schwierigkeiten mit einem Sith-Krieger, der ihn in der Wüste
angegriffen hat."
"Ist es ernst? Wie geht es ihm?"
"Nun, den Kampf hatte er gut überstanden, aber das Medaillon des Kriegers hätte ihn beinahe
umgebracht."
"Das Medaillon?"
"Erinnerst du dich nicht mehr an das Medaillon das Meister Bahron mir beschrieben hatte? Genauso
eines trug der Krieger heute auch und Luke nahm es an sich, um es genauer zu untersuchen. Was wir
beide nicht ahnten war, daß der Schwarze Lord über dieses Medaillon eine Verbindung zu Luke
herstellen würde. Um ein Haar hätte Luke den Kampf gegen ihm verloren. Was er jetzt braucht ist
etwas Ruhe. Dann wird es ihm wieder besser gehen."
Jerom war erleichtert, denn obwohl er Luke und Leia gerade erst ein paar Stunden kannte, fühlte er
sich doch freundschaftlich mit ihnen verbunden. Was ihn ärgerte war die Tatsache, daß sie gehofft
hatten, ein wenig Ruhe zu finden und jetzt augenscheinlich in noch größeren Schwierigkeiten
steckten als vorher.
Als Luke erwachte war es Nacht. Er fühlte sich entsetzlich müde und konnte die Augen kaum offen
halten. Die Erschöpfung hatte ihn in einen bleiernen Schlaf fallen lassen, der keine Erquickung
brachte. Augenblicklich fiel ihm alles wieder ein, und trotz der großen Müdigkeit setzte er sich
auf. Die Bewegung weckte Leia, welche die ganze Zeit über neben Lukes Bett gesessen hatte.
"Wie fühlst du dich? Hier trink einen Schluck, dann geht es dir besser."
Luke wehrte ab: "Ich bin doch nicht krank, also mach nicht so ein Theater um mich. Außerdem fühle
ich mich gut, ich bin nur einwenig müde, das ist alles."
Leia war entrüstet: "Das glaube ich einfach nicht. Du könntest tot sein, weißt du das? Han hat mir
erzählt was passiert ist, also versuch nicht, mir etwas vorzumachen."
Luke mußte lächeln aber das schien Leia nur noch mehr aufzuregen.
"Du brauchst gar nicht zu lachen, ich meine es bitter ernst."
"Ich weiß. Es tut mir leid. Aber ich will dich nur beschützen, verstehst du das nicht?"
"Ist das wieder mal eine deiner gut geplanten Rettungsaktionen?"
"So könnte man es nennen. Und noch etwas, ich werde für einige Zeit von Tatooine verschwinden, es
wäre mir lieb wenn du dafür sorgst, daß Han mir nicht folgt."
"Ich soll dafür sorgen? Hast du eigentlich noch gar nicht daran gedacht, daß ich dir vielleicht
folgen könnte?"
"Leia, nein. Du mußt hierbleiben. Es ist zu gefährlich und außerdem -"
"Und außerdem was? Denkst du, du könntest mich zurückhalten, wenn Thera auch mitgeht? Denn genau
das hat sie vor."
"Ja, ich weiß, aber da kann ich nichts machen. Thera kann auf sich selbst aufpassen. Sie ist in
ihrer Ausbildung schon weit fortgeschritten, während du noch einiges vor dir hast."
"Das ist nicht fair. Ich kann genauso gut auf mich aufpassen wie Thera. Wie soll ich dir denn
helfen, wenn du mich ständig daran hinderst."
"Leia, versteh' doch, wenn dir etwas zustößt, sind die Jedi unwiderruflich verloren. Du mußt an
die Zukunft denken. Deine Kinder werden durch dich die Macht in sich tragen. Sie könnten die
Jedi-Ritter der Zukunft sein. Aber wenn du stirbst, weil ich es nicht verhindert habe dann -"
"Luke du redest so, als wüßtest du, daß du den Kampf gegen den Sith-Lord nicht überleben wirst.
Das ist doch Unsinn." Sie schaute ihren Bruder verärgert an. Aber er schien bereits einen Plan zu
haben, von dem er nicht abrücken würde, ganz gleich, wie viele Argumente ihr noch einfielen.
"Nein, Leia. Ich muß ganz einfach auch mit meinem Tod rechnen. Denn selbst wenn ich ihn besiege,
wer weiß, ob ich nicht genauso werden muß wie er, um das erreichen zu können."
"Luke! Daran darfst du nicht einmal denken. Niemals!! Hörst du? Niemals!!"
"Dann bedränge mich nicht weiter, daß du mich begleiten willst."
"Aber du selbst hast doch noch während deiner Ausbildung gegen, ... gegen Vader gekämpft um uns zu
retten."
"Ja, nur scheinst du vergessen zu haben, welchen Preis ich für meinen Fehler zu zahlen hatte."
Leia schwieg betreten. Sie hatte immer versucht den Verlust, den Luke bei diesem Kampf erlitten
hatte, zu verdrängen. Damals hatte Luke nicht nur seine rechte Hand verloren, sondern auch den
Glauben daran, daß sein Vater sich nicht von der dunklen Seite der Macht hatte verführen lassen,
und deshalb vom Imperator und seinem finsteren Handlanger Vader vernichtet wurde. Von Vader, der
ihm während des Kampfes auf Bespin eröffnete, sein Vater zu sein.
Aber dieses Mal war Leia entschlossen, sich nicht von Luke beeinflussen zu lassen. Sie schaute
ihren Bruder an und sagte fest und bestimmt: "Also, du und Thera, ihr scheint zu glauben, alles
allein schaffen zu können, aber ich weiß, daß es diesmal nicht so einfach ist. Daher werden Han
und ich und auch Jerom und Chewie, falls die beiden wollen, euch begleiten um diesen Planeten
Krelon zu suchen."
Luke war verblüfft und sprachlos, aber dann amüsierte es ihn doch, daß seine Schwester versuchte,
ihn mit der Macht zu manipulieren. Aber er wußte auch, daß es ihr sehr ernst war und sie sich
große Sorgen um ihn machte. Das Dumme war nur, daß er sich ebenso große Sorgen um sie machte.
"Hör zu. Du hast im Schlaf gesprochen Luke. Du sagtest etwas von Träumen, die dich quälen. Jetzt
sage ich dir etwas. Ich hatte auch solche Alpträume, dunkle Visionen, in denen immer etwas
Schreckliches mit uns allen passiert."
"Ja, diese Träume, es ist wie du sagst. Und sie sind nur schwer zu entschlüsseln. Aber ich denke,
wir werden die Antwort darauf hier nicht finden. Es gibt nur einen Ort im ganzen Universum, an dem
sie zu finden ist. Ich werde nach Krelon gehen müssen, um herauszufinden, was es damit auf sich
hat. Und zwar allein!"
Leia warf ihrem Bruder einen 'Na warte, das werden wir ja noch sehen' Blick zu, dann verließ sie
schmollend den Raum.
"Mein Lord, ich bitte Euch, gebt mir den Auftrag. Shandor hat kläglich versagt, und genauso wird
es Garon ergehen. Dessen bin ich mir gewiß!"
"Wie kannst du dir dessen sicher sein? Liefere mir den Beweis."
"Nun, seht ihn euch doch an. Er mag zwar ein ausdauernder Kämpfer sein, aber ihm mangelt es an
Intelligenz. Mit roher Gewalt werden wir Skywalker niemals in unsere Gewalt bekommen. Er und seine
beiden Jedi Kumpane besitzen leider eine Menge Intelligenz, sie werden zwei und zwei längst
zusammengezählt haben und sich auf den Weg nach Krelon machen. Und wenn sie uns erst gefunden
haben... - Ich sage euch, Garon wird den gleichen Fehler machen wie Shandor und sich auf sein
Geschick und seine Kraft im Kampf verlassen. Was Ihr braucht ist jemand der zuerst denkt, bevor er
handelt. Ich bitte Euch noch einmal, mir den Auftrag zu überlassen, unser Problem zu lösen."
Die Kriegerin sah ihren Meister demütig, aber erwartungsvoll an. Natürlich würde der Tölpel Garon
versagen, und dann. Nun, dann wäre sie am Zug.
"Das sind kühne Worte, meine liebe Chaira. Ich hoffe du hast mehr Erfolg als dein Vorgänger. Es
wäre bedauerlich eine so bemerkenswerte Kämpferin wie dich zu verlieren."
"Ich danke Euch mein Lord. Gebt mir etwas Zeit, um einen geeigneten Plan auszuarbeiten. Vielleicht
schickt ihr Garon als Ablenkung nach Tatooine?"
"Eine gute Idee, wahrhaftig. Du bist mir sehr nützlich. Aber denk daran, ich muß Skywalker lebend
haben. Er ist der gefährlichste unserer Gegner. Er hat schon sehr viel Macht erreicht, beinahe
zuviel für meinen Geschmack. Es ist kein Wunder, daß der Imperator ihn nicht eliminieren konnte.
Nun geh'!"
Die Kriegerin verneigte sich vor ihrem Herrn und verließ den Tempel der Sith. Hätte Luke sehen
können, was Chaira nun sah, so wären ihm Zweifel am Gelingen seines Unternehmens gekommen. Auf
einer von dunklen Bäumen umgebenen Lichtung unweit des Tempels stand ein Schiff. Nicht irgendein
Schiff, sondern ein Imperiales, um genauer zu sein, das Shuttle eines Sternenzerstörers. - Und
ein geübtes Auge hätte, mit ein wenig Anstrengung diesen Zerstörer im Orbit des Planeten sehen
können.
Sobald Chaira an Bord gegangen war, hob das Shuttle ab und flog dem Mutterschiff entgegen. Dort
betrat die Sith-Kriegerin ohne weiteres den eigens für sie eingerichteten Meditationsraum und
versenkte sich tief in ihr Bewußtsein, um dort einen Plan Gestalt annehmen zu lassen. Plötzlich
jedoch fühlte sie etwas, daß sie zutiefst verwirrte...
Luke fuhr zusammen, als er plötzlich bemerkte, daß er ein anderes Bewußtsein spürte. Er hatte sich
in Trance versetzt, um Kraft zu schöpfen, aber durch den Kampf, den er gegen die Macht des
Medaillons geführt hatte, schien sich etwas in ihm verändert zu haben. Er fühlte eine seltsame
Stärke in sich und erinnerte sich daran, genau das gefühlt zu haben, als die schwarze Macht
versucht hatte, von ihm Besitz zu ergreifen.
Er schüttelte benommen den Kopf und konnte wieder klar denken. Es war immer noch Nacht, aber es
würde nicht mehr lange dauern bis zum Morgengrauen. Es blieb ihm nicht mehr viel Zeit, um
unbemerkt das Gut zu verlassen.
'Du bist wirklich ein Dummkopf, vertrödelst kostbare Zeit.'
Luke stand auf und schlüpfte in die bereitgelegten Sachen. Dann gürtete er sein Lichtschwert um,
die einzige Waffe, die er mitnehmen würde.
Die Türe glitt geräuschlos zur Seite und ebenso geräuschlos verließ Luke sein Zimmer. Offenbar
jedoch nicht geräuschlos genug, denn als er gerade an der Tür zu Theras Zimmer vorbei wollte,
öffnete sich diese und Thera trat heraus. Luke entfuhr ein sehr überrascht klingendes "Nanu!"
dann hatte er sich gefaßt.
"Was haben Sie vor?" wisperte Thera.
"Nun, äh, ich wollte gerade -"
"Gerade verschwinden, nicht wahr? Aber nicht ohne mich. Los, gehen wir."
"Aber -"
"Kein aber. Wollen Sie das ganze Haus aufwecken?"
Luke sah ein, daß sie recht hatte und die beiden schlichen aus dem Haus. Sie wandten sich zu einem
der Nebengebäude, das als Unterstand für die Landgleiter genutzt wurde. Dort machte Luke Halt und
versuchte Thera noch einmal zum Dableiben zu überreden.
"Hören Sie, es wird sehr gefährlich, sind Sie sicher, daß Sie das auf sich nehmen wollen? Bleiben
Sie hier, es ist besser so."
Aber Thera ließ sich nicht überreden. Sie hatte sich schon vor langem entschlossen, gegen die
Schwarzen Lords zu kämpfen, und nun bot sich ihr endlich die Gelegenheit, das zu tun. Luke merkte,
daß seine Überredungsversuche auf keinen fruchtbaren Boden fielen, und wies auf einen mit einer
Plane zugedeckten Landgleiter.
"Den habe ich schon nach dem ersten Anschlag klar gemacht. Wir müssen uns auf den Weg machen. Sind
wir erst mal hier weg, ist die Gefahr für die anderen geringer."
Luke zog die Plane weg, so daß sie einsteigen konnten, und startete dann den Gleiter, der übrigens
große Ähnlichkeit mit seinem altem 'Himmelhüpfer' hatte.
Als sie einige hundert Meter vom Gehöft entfernt waren, drückte Luke ein paar Knöpfe und legte
einen weiteren Hebel um, so daß der Gleiter mit großer Geschwindigkeit in die Nacht davonschoß.
"Hoffentlich hat keiner den Lärm beim Starten mitbekommen!"
Thera mußte fast schreien um gegen den enormen Fahrtwind anzukommen.
"Es wäre nicht gut, wenn sie uns folgten, aber das Risiko mußte ich eingehen. Je eher wir hier weg
sind, desto besser für sie. - Das Gebiet das wir durchqueren müssen, ist nicht ganz ungefährlich."
"Tusken?"
"Vermutlich und bestimmt eine ganze Schar."
"Es ist ewig her, daß ich einen von ihnen gesehen habe."
"Seien Sie froh. Sie sind in den letzten Jahren noch wilder und gefährlicher geworden. Durch die
vermehrte Kultivierung des Planeten sind ihre Territorien geschrumpft. Heutzutage meidet man ihre
Gebiete möglichst ganz."
Sie flogen einige Zeit schweigend, doch schließlich machte Thera eine Entdeckung, die sie wieder
das Wort ergreifen ließ.
"Luke, drehen Sie sich nicht um, aber ich glaube wir werden verfolgt. Da ist seit einiger Zeit
eine Staubwolke rechts hinter uns. Aber noch ziemlich weit weg."
"Kein Problem, wenn es Tusken sind, wir haben ihr Gebiet gleich hinter uns."
"Wenn es Tusken sind?"
"Das hoffe ich, aber ich fürchte, wir werden noch eine Menge Ärger bekommen."
Plötzlich geschah etwas, das Lukes Vermutung bestätigte. Es war keine sichtbare Veränderung,
sondern eher eine Art Kraftfeld. Allerdings keines das durch Elektrizität erzeugt wurde. Der
Gleiter wurde langsamer, obwohl Luke bemüht war weiter zu beschleunigen, und kam schließlich zum
Stillstand. Die beiden Insassen sahen sich kurz an, dann nickte Thera, und sie beeilten sich aus
dem Gleiter zu kommen. Gerade als die beiden loslaufen wollten, ließ ein Schrei sie innehalten.
"Was war das? Ein Tier?"
"Nein, kein Tier. Sehen Sie, dort."
Luke wies in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Die Staubwolke war näher herangekommen, und
jetzt konnte man erkennen, daß es sich keineswegs um Tusken, sondern eine Gruppe von Gleitern
handelte, die über den Wüstensand brauste. Ein Entkommen war völlig unmöglich, und so entschlossen
sich Luke und Thera, sich zum Kampf zu stellen. Und es war keine Sekunde zu früh geschehen, daß sie
sich in Kampfhaltung Rücken an Rücken gestellt, und ihre Lichtschwerter gezündet hatten. Wie eine
schwarze Flut ergossen sich die furchterregenden Kämpfer des Schwarzen Lords aus den
herangekommenen Gleitern und umringten die beiden Jedi.
"Es ist nicht zu fassen, ich hätte mehr Intelligenz bei einem Jedi vermutet."
Luke wandte den Kopf in die Richtung aus der die Stimme kam, und für eine Sekunde sank ihm der Mut,
denn der Sprecher war ein wahrer Hüne von Mann und von Kopf bis Fuß in lichtschluckendes Schwarz
gekleidet. Doch nicht nur die äußere Erscheinung des Mannes ließ ihn erschauern, es war diese
abgrundtiefe Verachtung in seiner Stimme, die ihn zögern ließ.
"Wer sind Sie und was soll dieser Humbug hier?" Er bemühte sich, ruhig und sachlich zu klingen, aber
angesichts der schieren Übermacht ihrer Gegner fiel ihm das nicht leicht.
"Oh, daß sollten Sie doch eigentlich wissen, Luke Skywalker. Der Sohn des 'Großen' Anakin Skywalker.
Oder sollte ich vielleicht besser sagen, Darth Vaders Sohn? Sie hätten sich ihrem Vater und der
Dunklen Seite der Macht ergeben sollen, als Sie noch die Chance dazu hatten. Nun ist es leider zu
spät. Schade. - Tötet sie!"
Die letzten beiden Worte waren an die Kämpfer gerichtet, die nun auf die beiden Jedi zurückten.
"Luke, es sind Zu viele! Das schaffen wir nicht."
"Ich weiß, Thera. Aber wir dürfen nicht so einfach aufgeben."
Luke war sich der Gefahr, in der sie schwebten wohl bewußt, aber er wollte sich nicht seiner Angst
ergeben. Die Spannung wurde unerträglich, doch dann ging alles sehr schnell. Die Krieger griffen an,
alle gleichzeitig, in der Hoffnung, allein durch ihre große Zahl die Gegner zu erdrücken. Luke und
Thera handelten ohne nachzudenken, rein intuitiv, ihre Lichtschwerter fuhren durch die Reihen der
Angreifer und rissen große Lücken. Doch auf einen von ihnen kamen fast zwanzig Sith, und so
schwanden ihre ohnehin schon geringen Chancen mit jeder Sekunde des Kampfes.
Als alles verloren schien, wandte sich die Situation plötzlich zu ihren Gunsten. Ein triumphierender
Schrei gellte durch die Wüstenluft und Laserstrahlen zuckten durch die aufkommende Dämmerung. Drei
Gleiter waren plötzlich aufgetaucht und feuerten in die Reihen der schwarzen Krieger. Thera nutzte
die Gelegenheit und stürmte auf den Anführer der Sith zu. Luke sah es und rief ihr zu: "Wenn wir ihn
töten, erfahren wir nicht, wem wir den Angriff zu verdanken haben!"
Das sie es beide längst wußten verschwieg er, um den Sith in Sicherheit zu wiegen. Thera ahnte das
und nickte zum Zeichen des Einverständnisses, woraufhin Luke ihr half, den Gegner in die Enge zu
treiben. Hinter ihm kamen die Gleiter heran, von rechts und links Luke und Thera, so daß er nur
eine Flucht nach vorn hätte wagen können. Ein warnender Blick Lukes machte ihm aber klar, daß dieser
das auf gar keinen Fall zulassen würde.
Dennoch zeigte er sich nicht besonders kooperativ, wie Thera in seinen kalt glitzernden Augen las.
Bevor es zu einem weiteren Kampf kam, sprang eine Gestalt aus einem der Gleiter und stürzte sich
auf den Anführer.
"Jerom, nein! Warte!"
Theras Aufschrei bewahrte Jerom vor dem sicheren Tod, denn als der Krieger sich von einem weiteren
Angreifer bedrängt sah, zog er aus den Falten seines Capes eine kleine, silbrig glänzende Kugel und
hielt sie hoch, wobei er einen darauf angebrachten Schalter verschob. Luke sah das ebenfalls und
riß Thera und Jerom mit sich zu Boden, was keine Sekunde zu früh geschah, denn der Sith-Krieger
hatte die Thermalbombe gezündet, um seine Gegner mit sich in den Tod zu ziehen.
Die Explosion erschütterte alles und ein gleißendes Licht blendete alle, bevor eine große Staubwolke
sich mitleidig um alles hüllte. Nach einigen Sekunden hob Luke vorsichtig den Kopf, blinzelte um
die Augen vom Staub zu befreien und richtete sich auf, nachdem er sich kurz umgeschaut hatte. Von
den Angreifern war keine Spur mehr zu sehen, nur die vier Gleiter der Farm waren übrig geblieben,
als hätte die Explosion alles andere ausgelöscht. Luke war klar, daß dies nicht der letzte Angriff
auf Thera und ihn sein würde. So lange nicht, bis sie endlich Krelon gefunden und den Obersten Lord
der Sith gestellt hatten.
Die anderen konnten Thera und Luke schließlich davon überzeugen, zurück zur Farm zu kommen und
gemeinsam nach Krelon und dem Schwarzen Lord zu suchen.
Als dieser von dem Scheitern Garons erfuhr, war er nicht sonderlich überrascht, da Chaira ihm das ja
sozusagen prophezeit hatte. Nun wartete er ungeduldig auf den von ihr versprochenen Erfolg ihres
Planes. Denn falls sie es auch nicht schaffen würde Skywalker zu bezwingen und ihm als Gefangenen zu
schicken, würde dieser von sich aus nach Krelon kommen um gegen ihn, den Obersten Lord der Sith zu
kämpfen. Und das dieser Kampf nicht leicht sein würde ahnte er, da er in Skywalker seinen
gefährlichsten Gegner erkannt hatte.
Luke indessen war bemüht, möglichst wenig an den bevorstehenden Zweikampf zu denken. Er und die
anderen machten sich auf den Weg nach Mos Eisley, um den 'Millenium Falcon' startklar zu machen und
die letzten Vorbereitungen zu Abflug zu treffen. Er und Thera sollten die Expedition anführen, Han
und Chewie sowie Jerom kamen als Piloten, Leia und die beiden bewährten Droiden R2D2 und C3P0 für
eine genügende medizinische und technische Versorgung mit.
Zwar hätten Han und Luke es lieber gesehen, wenn Leia auf Tatooine geblieben wäre, aber nachdem sie
ihnen versichert hatte notfalls als blinder Passagier zu folgen, waren sie überredet, sie
mitzunehmen. Außerdem war auch noch Lando Calrissian mit von der Partie. Er hatte sich erkundigt,
ob Thera und Jerom auch gut angekommen waren, und da hatte Han ihm direkt gesagt, daß ein Abenteuer
zu bestehen war. Und obwohl er Verpflichtungen als Gouverneur hatte, war er bereit gewesen mit
seinem Schiff, der 'Eagle', zu ihnen zu stoßen, um die Gruppe komplett zu machen.
"Wo werden wir Lando treffen? Tailon selbst wäre vermutlich zu weit für uns, oder?"
"Weshalb fragst du?"
"Nun, die Archive auf Tailon sind äußerst umfangreich, und vielleicht können wir da Informationen
über Krelon finden, obwohl die Chance ziemlich gering ist."
"Also da kann ich dich beruhigen, wir werden auf jeden Fall nach Tailon fliegen. Lando hat das
selbst vorgeschlagen."
"Oh gut. Dann haben Thera und ich genug Zeit um einen Plan auszuarbeiten. - Han, noch etwas. Sobald
wir auf Krelon gelandet sind, werden Thera und ich alleine weiter machen. Ich möchte nicht, daß ihr
unseretwegen in Gefahr geratet."
"Das Thema hatten wir doch schon. Auf gar keinen Fall lassen wir euch alleine. Darum verlang auch
bitte kein Versprechen von mir, das ich sowieso nicht halten werde!"
"Was wirst du sowieso nicht halten?"
Die letzten, von Han ziemlich laut gesprochenen Worte, hatten Leia, die gerade zu den beiden g
etreten war, aufhorchen lassen.
"Nichts, eh, Luke und ich, eh, wir haben nur gerade den Flugplan besprochen und dabei hatten wir
eine kleine Meinungsverschiedenheit."
"Na, wenn das alles war, dann können wir ja jetzt eigentlich starten, oder nicht? Chewie und Jerom
haben die Maschinen schon mal warm laufen lassen."
"Ja, laßt uns an Bord gehen, bevor die anderen auf dumme Gedanken kommen und ohne uns abhauen."
Han beeilte sich, auf seinen Platz im Cockpit zu kommen und verdrängte einen nicht sehr zufriedenen
Jerom auf den Posten des Beobachters, da Chewie der Co-Pilot war und es vermutlich auch immer b
leiben würde.
Die anderen machten es sich, so gut es eben ging, in dem relativ kleinen Passagierteil des Schiffes
bequem. Zusammen mit C3P0 und Thera ging Leia noch einmal die Checkliste durch. Der Flug würde nicht
gerade ein Spaziergang werde, also mußten sie genügend vorbereitet sein. Währenddessen hing Luke
seinen eigenen Gedanken nach.
'Also wieder einmal unterwegs. Genau wie damals mit Ben. Hier habe ich meine erste Übungsstunde mit
einem Lichtschwert hinter mich gebracht. Es ist so lange her.'
Aber er konnte sich nicht lange der Vergangenheit widmen, denn seine Gedanken drehten sich immer
wieder um den einen Punkt, um Krelon. Es mußte einfach zu vieles beachtet werden. Immer wieder mußte
er sich einen Grundsatz der Jedi ins Gedächtnis rufen - Handle nie aus der Emotion heraus, wäge
deinen Taten genau ab und rechne mit allem das möglich oder, scheinbar, unmöglich ist. - Schon oft
hatte Luke über diesen Satz nachdenken müssen, aber nie sah er sich weniger in der Lage, alles zu
beachten, als zur Zeit. Thera spürte diese Zweifel mehr als deutlich, und auch Leia war die Unrast
Lukes nicht entgangen, doch wie sie ihm helfen konnten, wußten beide nicht.
Seit Tagen hielt sich die Gruppe nun schon auf Tailon auf. Luke und die anderen suchten ohne
Unterlaß in den alten Archiven nach dem kleinsten Fetzen Information über Krelon. Doch ihre Suche
war bisher erfolglos gewesen und begann außerdem ihre Nerven so aufzureiben, daß sie schon über
Kleinigkeiten immer öfter in Streit gerieten.
Luke spürte, daß diese Uneinigkeiten und Streitereien die Gruppe zu spalten drohten. Thera, Leia und
er selbst waren entschlossen weiterzusuchen, und Jerom schloß sich Thera zuliebe dieser Entscheidung
an. Aber die anderen fanden jedes weitere Suchen sinnlos. Besonders Han hätte es gerne gesehen wenn
sie nach Tatooine zurückgekehrt wären.
Doch bevor es zum offenen Bruch kam, hatte die Gruppe eine entscheidenden Begegnung.
Luke setzte seine Untersuchungen in den Archiven fort und erweiterte ständig den Suchbereich.
Irgendwo mußte es doch eine Information über Krelon geben!
Eines Tages, es war fast einen Monat nach ihrer Ankunft auf Tailon, kam Luke in einen Bereich der
Archive, den wohl seit sehr langer Zeit niemand mehr betreten hatte. Eine zentimeterdicke
Staubschicht bedeckte Boden und Regale, und bei jedem Schritt wirbelte eine Wolke des feinen Staubes
auf, der die Atemwege reizte. Die Beleuchtung war reparationsbedürftig und spendete nur ein trübes,
in kurzen Abständen immer wieder flackerndes Licht. Eine eigentümliche Stille lag über allem, und
das ungeheure Wissen, das über die Jahrhunderte hinweg angesammelt worden war, wirkte wie ein
lebendiges, atmendes Wesen, das unsichtbar durch die Korridore streifte, unablässig auf der Suche
nach neuen Fragen und Antworten.
Ehrfürchtig, und vor Staunen stumm, setzte Luke zögernd seinen Weg fort. Die Schatten tanzten im
flackernden Licht der defekten Lampen ihren gespenstischen Tanz und hier und da knisterte es
geheimnisvoll. Ab und zu konnte man winzige Abdrücke im Staub erkennen, von ebenso winzigen
Lebewesen hinterlassen.
Während er die hohen Regale abschritt, fühlte Luke ganz plötzlich, daß er hier, und nur hier, die
Antwort finden würde, die er suchte. Er konzentrierte sich und klammerte sich an diesen winzigen
Hoffnungsstrahl, als er die leise Stimme seines einstigen Lehrers und Freundes - Obi-Wan Kenobi -
hörte: "Luke, laß dich von deinem Gefühl und der Macht leiten. Du bist auf dem richtigen Weg - nun
gehe ihn auch zuende."
"Ben? Ben, was meinst du damit 'der richtige Weg'? Welches ist denn der richtige Weg?"
"Du darfst nicht versagen Luke. Dies wird deine schwerste Prüfung. Die Dunkle Seite der Macht wird
versuchen, dich in ihren Bann zu ziehen. Du mußt widerstehen, sonst bedeutet das den Untergang. Die
schwarze Macht wächst mit jedem Tag, und ihrer Handlanger sind viele. Sieh dich vor..."
Die letzten Worte waren immer leiser geworden und zuletzt lag nur noch ein Wispern in der Luft.
Aber Luke wußte jetzt, was er zu tun hatte.
Er drehte sich um und begann zu laufen, immer schneller und schneller durch die endlos langen
Korridore und Gänge, bis er auf die anderen traf. Leia kam ihm schon aufgeregt entgegen und
sagte: "Luke, du wirst es vermutlich nicht glauben, aber wir haben gerade Obi Wan gesehen. Er stand
auf einmal da und sprach zu uns, ganz so als lebte er noch. Wie kann das sein?"
"Das ist die Macht, Leia. Sie ermöglicht es den Toten, die in ihr verbunden sind, von Zeit zu Zeit
zu uns zu sprechen, wenn wir ihrer Hilfe und ihres Rates bedürfen. Ich selbst sah ihn diesmal
nicht, aber seine Stimme war da. Wir müssen sofort aufbrechen, denn die Zeit wird knapp."
Thera stimmte ihm zu: "Ja, es wird langsam eng. Am besten decken wir uns mit neuem Proviant ein und
machen, daß wir hier wegkommen."
"Aber - das geht doch nicht. Wir wissen doch immer noch nicht den Kurs."
Hans Einwand verfehlte seine Wirkung nicht. Alle, außer Luke, blickten enttäuscht drein, dieser
jedoch sagte mit großer Bestimmtheit: "Ich kenne den Kurs."
Thera verstand sofort was Luke meinte und pflichtete ihm bei: "Ja, natürlich, und ich kenne ihn
auch," zu Han und Lando gewandt fuhr sie fort, "wenn wir uns von unseren Gefühlen und der Macht
leiten lassen, finden wir den Weg nach Krelon eher, als wenn wir hier nutzlos Zeit auf der Suche
nach irgendwelchen Sternenkarten vertrödeln."
Ganz konnten die beiden Piloten und auch Jerom und Chewie ihre Skepsis nicht verbergen. Sie
entschieden sich jedoch, den beiden Jedi nicht zu widersprechen, sondern den Abflug vorzubereiten.
Doch noch bevor sie starten konnten, kam ein offizieller Subraumruf für die Rätin Leia Organa Solo.
"Hochgeschätzte Rätin Organa. Hier spricht Ratsmitglied Tīrall. Leider muß ich Sie während Ihres
wohlverdienten Urlaubes stören, aber eine Sitzung von allerhöchster Priorität erfordert Ihre
sofortige Anwesenheit."
Han verzog das Gesicht und sah seine Frau gequält an. Diese konnte nur entschuldigend mit den
Schultern zucken und wandte sich dann an den Sprecher: "Rat Tīrall, ich bin untröstlich, aber eine
Sache von äußerster Wichtigkeit erfordert meine Anwesenheit an anderer Stelle.
Diese Angelegenheit kann sich als überlebenswichtig für die Neue Republik erweisen. Es läßt sich
doch sicherlich eine geeignete Vertretung für mich finden?"
"Aber Rätin Organa Solo! Eine Vertretung ist... so gut wie ausgeschlossen! Ihre Anwesenheit wird von
höchster Stelle erwartet."
"Gebn Sie mir bitte etwas Bedenkzeit."
"Natürlich, aber ich muß darauf hinweisen, daß Ihre Anwesenheit ungeheuer wichtig ist. Der Rat baut
auf Ihr diplomatisches Geschick."
Leia drehte sich vom Mikro weg zu den anderen hin.
"Nun, eh, ich, es tut mir furchtbar leid, aber ihr seht, daß ich meinen Dienst wieder aufnehmen muß."
Sie warf einen vorsichtigen Blick in die Runde, als sie leise weitersprach: "Von höchster Stelle,
das kann eigentlich nur Mon Mothma sein, und ich kann und will sie nicht enttäuschen. Es scheint
wirklich sehr wichtig zu sein."
"Es könnte doch eine Falle sein, oder was meinst du, Luke? Ich meine, die würden sie doch nicht so
einfach aus dem Urlaub rausholen wegen irgendeiner Sitzung." Han sprach drängend und sah den Freund
bittend an. Wenigstens er mußte ihm doch zustimmen. Luke jedoch schüttelte entschieden den Kopf.
"Nein Han, du weißt, daß es wirklich Rat Tīrall ist, du kennst ihn doch. Leia sollte unverzüglich
nach Wahilamar aufbrechen, am besten mit dir, und an der Sitzung teilnehmen. Und nimm die anderen
auch mit, ich werde allein nach Krelon gehen."
Sofort hub lauter Protest an, aber die Stimme aus dem Lautsprecher brachte sie schnell zum
Schweigen: "Entschuldigt bitte, Rätin, aber ich brauche Ihre Antwort."
"In Ordnung, sagen Sie Mon Mothma, daß ich und meine Begleiter sofort aufbrechen und Wahilamar in
Kürze erreichen werden."
"Vielen Dank, Rätin Leia Organa Solo. Es lebe die Neue Republik!"
Als die Stimme verklungen war, kam nur noch statisches Rauschen aus dem Lautsprecher, bis Leia ihn
resigniert abstellte. Dann drehte sie sich um und sagte mit einem bitteren Lächeln: "Der Alltag hat
uns wieder."