4. Kapitel
Die in aller Hast nach Toron gesandte Flotte kreiste im Orbit des Planeten. Admiral Ackbar hatte es
für nötig gehalten, persönlich nach Toron zu kommen und befand sich auf der Brücke seines
Flaggschiffes, der 'Hopefull', und wartete darauf, daß seine Offiziere den Kurs der Imperialen
herausbekämen.
Ackbar war ziemlich verwirrt über die ganze Situation. Ein Imperialer Angriff mit vier
Sternenzerstörern auf einen wirtschaftlich und geologisch völlig uninteressanten Planeten; ein
offensichtlich fingierter Hilferuf, der zur Folge hatte, daß die besten Leute, welche die Neue
Republik zu bieten hatte, in eine Falle tappten, ohne auch nur Maßnahmen zur Gegenwehr ergreifen zu
können.
Noch einmal hörte Ackbar sich die Aufzeichnung vom letzten Funkverkehr an, der zwischen den Schiffen
der Entsatzflotte stattgefunden hatte. Warum hatte General Solo nicht selbst den Befehl zum Rückzug
gegeben und vor allem, weshalb war das Kommandoschiff nicht ebenfalls zur Lichtgeschwindigkeit
übergegangen? Laut dem Bericht des Commanders der X-Flügel Schwadron Gold hätte noch die Möglichkeit
dazu bestanden.
"Adjutant, ich möchte noch einmal mit Commander Antilles sprechen. Lassen Sie ihn bitte rufen."
Der Adjutant, ein Calamare wie Ackbar, entfernte sich mit einer leichten Verneigung, um dem Befehl
nachzukommen.
Wedge lag in einem der Ruheräume des Flaggschiffes auf einer einigermaßen bequemen Couch und
versuchte, sich von den Strapazen eines viermaligen Hyperraumfluges in einem X-Flügler zu erholen,
als das schiffsinterne Comlink neben der Couch sein persönliches Signal piepte und ihn aus seinem
Dämmerzustand holte. Zum vierten Mal heute!!
Langsam begann ihn das ganze zu nerven, aber er war nun einmal Soldat und mußte seinen Befehlen
nachkommen. Wedge rieb sich die vom Mangel an Schlaf geröteten Augen und machte sich auf den Weg zur
Brücke.
Auf halbem Weg kam ihm C'rall'i, der Adjutant Ackbars entgegen, wobei Wedge der verlegene
Gesichtsausdruck des Calamaren Balsam für die Seele war. Zumindest tat es ihnen wohl leid, ihn
ständig aus seiner wohlverdienten Ruhepause zu zerren.
"Commander, es tut mir schrecklich leid, aber Admiral Ackbar wünscht, Sie noch einmal zu sprechen."
Wedge schnitt eine Grimasse, als hätte er Zahnschmerzen, und antwortete: "Solange das Ganze nicht
zur Gewohnheit wird. Aber wissen Sie, C'rall'i, was ich nicht verstehe ist, was der Admiral
eigentlich noch von mir will."
"Ich fürchte, das weiß ich auch nicht, aber er macht sich große Sorgen um die Vermißten."
Wedge nickte düster und den Rest des Weges legten die beiden schweigend zurück.
Was auch immer dem Admiral Sorgen bereitete, ihm, Wedge, bereitete es vermutlich noch mehr. Es war
für ihn nicht einfach nur eine Gruppe Menschen verschwunden, die praktisch unentbehrlich für die
Neue Republik waren, sondern die er auch noch zu seinem engsten Freundeskreis zählte.
Während er noch so vor sich hingrübelte, hatte sie die Brücke erreicht und er stand wieder einmal
vor Ackbar, der ihm mit einem Kopfnicken bedeutete Platz zu nehmen.
'Also wieder einmal eine längere Unterredung. Bin gespannt, was jetzt noch alles kommt.'
Ackbar schien Wedges Gedanken erraten zu haben, denn er kam direkt auf den Punkt.
"Also, Commander Antilles. Ich weiß, Sie möchten sich endlich von den Strapazen erholen, aber leider
ist das zur Zeit unmöglich. - Ja, Captain?"
Während Ackbar sprach, hatte sich der Captain des Schiffes ihm genähert und sich respektvoll
geräuspert.
"Sir, wir haben den Sprungweg der Imperialen analysiert. Die Zielkoordinaten befinden sich irgendwo
im Borodan System."
"Im Borodan System? Das ist doch weitab von den Grenzen des einstigen Imperiums."
"Ja, Admiral. Aber der Computer hat nach dreimaliger Prüfung der Ergebnisse immer wieder dieses
Ziel angegeben. Sollen wir einen Verfolgerkurs setzen?"
"Nein, Captain, warten wir noch ein Weilchen damit. ..Es könnte eine Falle sein."
"Ja, Sir."
Der Captain ging zurück an seinen Platz, von welchem aus er alle taktischen Schirme leicht
überblicken konnte. Er vertraute auf das Urteilsvermögen Ackbars, verspürte jedoch das dringende
Bedürfnis, die Niederlage bei Toron sobald als möglich wieder auszugleichen.
Ackbar wandte seine Aufmerksamkeit wieder Wedge zu. Dieser blickte sehr nachdenklich auf seine
Hände.
"Nun, Commander, was denken Sie."
Wedge sah auf, räusperte sich und breitete dann seine Überlegungen vor Ackbar aus.
"Nun, Sir, für mich sieht es so aus, als sei der Angriff auf Toron nur eine Art von
Ablenkungsmanöver gewesen. Den Imperialen ging es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes. Sie mußten
damit rechnen, daß wir unsere besten Leute schicken würden, da Toron erst vor kurzem seinen Beitritt
zur Republik erklärt hat. Es könnte sich um eine undichte Stelle in unserem Nachrichtendienst
handeln, oder sie haben irgendwie unseren internen Funkverkehr abgehört. Nehmen wir also an, daß
sie wußten, wen wir schicken. Dann war alles eine wohlvorbereitete Falle. Von Han, eh, General Solo
meine ich, weiß ich, daß sowohl auf Luke Skywalker schon einzelne Anschläge verübt wurden, als
auch auf dessen Schwester, die Rätin Leia Organa Solo.
Die Gruppe war in Begleitung von Gouverneur Calrissian, der ja eine ziemlich einflußreiche
Persönlichkeit in der Republik ist. Zwei weitere, vom Imperium auf die Liste der Staatsfeinde
gesetzte, alte Freunde von General Solo waren ebenfalls mit dabei.
Zudem ist Thera Vernon auch noch ein Mitglied der Jedi-Ritter. Um diese Leute in die Hände zu
bekommen, würde das Imperium so ziemlich jedes Risiko auf sich nehmen. Man hat nicht jeden Tag die
Chance eine lebende Legende in seine Gewalt zu bekommen."
"Das ist mir alles wohlbekannt, aber Commander, was ich persönlich merkwürdig finde ist, daß General
Solo nicht selbst den Rückzugsbefehl gegeben hat."
"Admiral Ackbar, für mich ist Han Solo über jeden Zweifel erhaben."
"Hm, Sie kennen ihn ja etwas besser als ich, aber immerhin hat er ja eine ziemlich bewegte V
ergangenheit hinter sich. Darin stimmen Sie mir doch zu?"
"Ja, Admiral, aber trotzallem, Han ist ehrbar geworden. Er würde nie etwas tun, das der Republik
Schaden zufügen würde. - Ich habe einen Plan. Wenn Sie keine Einwände haben, werde ich der
Imperialen Flotte folgen, um herauszubekommen, was die vorhaben."
"Allein? Commander Antilles, das erscheint mir aber doch ziemlich riskant."
"Ich nehme das Risiko gerne auf mich. Es geht um meine Freunde, und natürlich um die Sicherheit der
Republik."
Admiral Ackbar sah Wedge durchdringend an und dieser begann sich etwas unbehaglich unter den
wachsamen Augen des Admirals zu fühlen. Aber trotz dieses Unbehagens gelang es Wedge, den Blick des
Admirals zu erwidern, keine geringe Leistung, denn unter dem Blick des Admirals waren schon viele
butterweich geworden.
Es lag keine Härte, oder Kälte in diesem Blick, aber eine unbestimmte Kraft, die es äußerst schwer
machte, ihm standzuhalten. Schließlich räusperte sich der Admiral und erhob sich.
"Nun, ehem, Commander Antilles, Sie haben meine Erlaubnis, mit zwei Jägern die Verfolgung
aufzunehmen. Nein, nein, kein Widerwort bitte. Ich bestehe darauf, das Sie in Begleitung fliegen.
Und jetzt versuchen Sie noch ein wenig Ruhe zu finden. Ihre Jäger werden in fünf Stunden bereit
stehen."
Wedge wollte protestieren, daß zu viel Zeit verstreichen würde und die Imperialen dadurch einen
großen Vorsprung bekommen würden, aber der Admiral hatte sich bereits an seinen Captain gewandt und
es war klar, daß er die Unterhaltung für beendet ansah. Also stand Wedge zögernd auf und verließ
dann, schon weniger zögerlich, die Brücke.
Sobald er den Ruheraum erreicht hatte, warf er sich auf das Sofa und schloß die Augen. Aber statt
sofort wieder einzuschlafen, kreisten seine Gedanken um Ackbar und dessen Zweifel an Han. Das
bereitete ihm ziemliche Kopfschmerzen, denn einerseits bewunderte er Ackbars Menschenkenntnis und
andererseits glaubte er fest an Hans Treue zur Republik und seinen Freunden.
Schließlich gewann aber doch die Müdigkeit die Oberhand und Wedge fiel in einen unruhigen, von
Alpträumen geplagten Schlummer.
Wieder erklang das Geräusch schwerer Stiefel auf dem Gang und Lando hob den Kopf in Erwartung der
Dinge, die auf ihn zukämen. Die Türe seines Gefängnisses glitt beiseite und zwei Sturmtruppler und
ein Offizier betraten den Raum. Es war der Commander von vorhin, doch jetzt zeigte er keinen Hauch
von Nervosität, sondern musterte Lando nur mit einem abschätzenden Blick und sagte dann: "Kommen
Sie mit."
Aber Lando machte keinerlei Anstalten aufzustehen, woraufhin ihn die beiden Soldaten unsanft unter
den Armen packten und von seinem Sitz hochzogen.
"Okay, ist ja schon gut. Ich komme freiwillig mit. Nur keine Grobheiten, bitte."
Während er mit gesenktem Kopf hinter dem Offizier herging, wobei ihn die beiden Soldaten sorgsam
beobachteten, versuchte Lando sich einzureden, daß man ihn zum Verhör bringen würde. Irgendein
Unbekannte würde ihm vermutlich eine Menge von unnötigen Fragen stellen, die er nicht zu
beantworten gedachte. Zumindest hoffte er das. Er wußte, wenn man ihn zu Chaira brachte, würde er
zusammenbrechen.
Er begann über seine und die Lage der anderen nachzudenken und irgendwie gelang es ihm, sich
vollends darauf zu konzentrieren. Zuerst, allein in der Zelle, war er ihm höchsten Grade verzweifelt
gewesen. Dann hatte er begonnen über die veränderte Situation nachzudenken und das hatte ihn zu dem
Schluß gebracht, daß man sie nur getrennt hatte, um Luke und Thera an der Flucht zu hindern.
Chaira benutzte sie als Druckmittel, damit sie in aller Ruhe ihre Pläne, welcher Art auch immer
diese waren, ausführen konnte. Es mußte ihnen gelingen zu fliehen, nur so hatte die beiden Jedi eine
Chance.
Lando sah sich nun aufmerksam um und versuchte sich einzuprägen, welchen Weg man ihn entlang
brachte. Aber er merkte bald, daß dieses Unterfangen sinnlos war, die Korridore glichen sich wie ein
Ei dem anderen. Es war fast unmöglich, irgendwelche Unterscheidungsmerkmale festzustellen. Sie
würden vermutlich ohnehin nicht mehr lange an Bord des Zerstörers sein und wenn sie erst einmal auf
Krelon wären, stünden ihre Chancen zu entkommen mehr als schlecht.
'Ich könnte versuchen, allein zu fliehen und die Flotte zu alarmieren, aber ich weiß ja nicht einmal
wo wir im Augenblick sind. Geschweige denn, daß ich die Position Krelons kenne.'
In einer Zelle, irgendwo im weitläufigen Gefängnistrakt, hatte Han seine ruhelose Wanderung wieder
aufgenommen. Leia sah ihm eine Weile schweigend zu, dann sagte sie: "Han, ich mache mir Sorgen."
"Ach, du mußt dir keine Sorgen machen. Ich bin sicher, Luke geht es gut." Han hatte leichthin
gesprochen, doch seine Frau schüttelte verneinend den Kopf.
"Nein, du verstehst nicht. Ich mache mir keine Sorgen um Luke oder Thera, zumindest zur Zeit nicht.
Ich mache mir vielmehr Sorgen um Dich. Und auch um Lando, Jerom und Chewie."
Han hob seine rechte Augenbraue und sah seine Frau fragend an.
"Ich meine, nun, es ist doch so, wenn diese Chaira früher einmal zu euch gehört hat, so ist das
lange vorbei. Sie wird sich vermutlich nie mehr von der dunklen Seite der Macht lösen können. Und
da sie aus irgendeinem Grund ziemlich wütend auf euch zu sein scheint, kann ich mir vorstellen, daß
sie sich rächen wird, in dem sie euch zu Sklaven des Sith-Lords macht, oder noch schlimmeres. Wenn
das geschehen sollte, wird euer Geist gebrochen sein und ihr wäret für immer verloren."
Während Leia sprach, hatte Han sie ruhig und liebevoll angesehen und nachdem sie nun geendet hatte,
nahm er sie ohne weitere Worte in die Arme. 'Wie damals auf Endor,' schoß es ihm durch den Kopf.
Ein dunkler Raum, irgendwo, weitab von den anderen Zellen des Zerstörers. Die Wachen hatten Lando
einfach in den Raum hineingestoßen und sich dann ohne jedes weitere Wort entfernt. Langsam gewöhnten
sich seine Augen an das Dämmerlicht und er konnte vereinzelte Umrisse ausmachen. Er wollte sich
gerade einwenig umsehen, als eine plötzlich wahrgenommene Bewegung ihn erstarren ließ.
Seine Kehle war mit einem Mal wie ausgedörrt und sein Magen krampfte sich zusammen. Da war sie also,
die entscheidende Begegnung.
Sie würde ihn vermutlich töten, nicht sofort, aber es schien unausweichlich. Es sei denn, nun, er
mußte es versuchen. Luke hatte seinen Vater auch gerettet, zumindest hatte Han so etwas erzählt.
Vielleicht gelang ihm ja das gleiche bei Chaira. Sie mußte ihm ganz einfach nur zuhören!
"Nun, hier habe ich also den berühmten Lando Calrissian, Gouverneur von Tailon, ehemals
Administrator von Bespin und, natürlich, ehemaliger Schmuggler und Glücksritter. Eine wahrhaft
eindrucksvolle Karriere. Schade ist nur, daß sie auf der falschen Seite ablief. Aber wer weiß, nicht
wahr, Lando?"
Die merkwürdige Sanftheit in ihrer Stimme ließ Lando stutzen. Er hatte mit offenem Haß, einem
Angriff aus dem Dunkel oder ähnlichem gerechnet, nicht aber mit einer Aufzählung der Stationen
seiner Laufbahn!
Das verwirrte ihn zutiefst. - Und genau daraus zog Chaira ihren Vorteil.
"Nun, Lando, hast du nichts dazu zu sagen?"
"Nein, ich will nur wissen, weshalb ich hergebracht wurde."
"Ganz einfach, deine Fähigkeiten sind für meinen Herrn von Interesse. Du hast die Möglichkeit, dich
uns anzuschließen."
Lando glaubte, sich verhört zu haben. Hatte sie ihm wirklich gerade angeboten, die Seiten zu
wechseln?
"Vor einigen Jahren wäre ich vielleicht noch auf diesen Vorschlag eingegangen, aber jetzt habe ich
nur eine Antwort, und die heißt Nein!"
"Ganz wie du willst, aber du solltest es dir noch einmal überlegen."
"Was denn überlegen? Das Imperium stirbt jeden Tag ein Stück mehr. Eure 'Sache' ist so gut wie
verloren."
"Das Imperium? Ist das die Grenze deiner Vorstellungskraft? Ohne uns hätte das Imperium gar nicht
existieren können. Der Imperator wäre ohne die Unterstützung der Sith niemals an die Macht
gelangt. - Und auch Du hättest keine solche Karriere ohne meinen Schutz machen können!"
"Was soll das heißen! Alles, was ich geleistet habe, war -"
"Was glaubst du denn, weshalb damals auf Tatooine niemand von Jabbas Leuten Verdacht geschöpft hat,
als ihr eure 'Rettungsaktion' für Han Solo ausgeführt habt."
"Das war alles Lukes Plan, nicht der deinige."
"Oh, natürlich, Luke Skywalker. Er war uns sehr nützlich."
"Was redest du denn da? Luke hat das für Han getan und nicht für euch. Oder willst du damit etwa
andeuten, er würde zu euch gehören?"
"Bis jetzt leider noch nicht, aber das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie der Vater,
so der Sohn, nicht wahr?"
Lando mußte sich sehr zusammenreißen, um nicht auf Chaira loszugehen, als diese etwas so
ungeheuerliches behauptete.
"Das ist eine ganz gemeine Lüge. Luke würde niemals zu euch gehören. Er haßt die Sith!"
"Er haßt uns? Bist du dir da ganz sicher?"
Lando nickte und Chaira zeigte ein verschlagenes Lächeln, das ihm schier das Blut in den Adern
gefrieren ließ.
"Ausgezeichnet, ganz ausgezeichnet. Haß ist wirklich ein gutes Mittel, um die dunkle Seite der Macht
in ihm anzusprechen. Es wäre viel schwerer ihn zu uns zu bekehren, wenn er zum Beispiel Mitleid für
uns empfände. Aber Haß, das gefällt mir sehr gut."
Wieder stieg die Verzweiflung in Lando hoch und er machte einen letzten Versuch, Chaira zu
überzeugen.
"So versteh doch, der Schwarze Lord benutzt dich doch nur. Genauso, wie er den Imperator und Lukes
Vater benutzt hat!"
"Du hast großes Glück, daß dies hier kein offizielles Verhör ist, sonst würde ich meinem Herrn von
deinem Versuch, mich zum Verrat an ihm zu bewegen, berichten."
"Es gab eine Zeit, da hättest du keinen Herrn über dir geduldet. - Laura, was ist nur mit dir
geschehen? Hast du denn alles vergessen? Ich glaubte, daß du mich einmal geliebt hast, aber jetzt
erkenne ich dich nicht mehr. - Zerstöre mir bitte nicht auch noch die Erinnerung an damals, sie ist
das einzige, was mir geblieben ist."
Lando sah Chaira offen an, aber die Kälte in ihrem Blick ließ ihn erschauern. Genausogut hätte er
versuchen können, einen Eisblock zum Schmelzen zu bringen. Schließlich wandte er sich ab und senkte
verzweifelt den Kopf.
Das Schweigen lag wie ein klammes Tuch über dem Raum, als Chaira schließlich das Wort ergriff, bevor
sie die Wachen rief.
"Ich habe dich geliebt, aber es ist zu spät."
Sie betätigte einen Schalter und sagte: "Wachen, bringt Gouverneur Calrissian in seine Zelle."
Die Wachen betraten den Raum und nahmen Lando zwischen sich. Ihm wurden keine Fesseln angelegt, aber
das war auch gar nicht nötig. Zu sehr hatte Chaira ihn getroffen, als das Lando an einen
Fluchtversuch gedacht hätte. Er warf noch einen kurzen Blick auf Chaira, dann verließ er mit den
Soldaten den Raum.
Als die Türe sich wieder geschlossen hatte, lehnte Chaira sich mit einem tiefen Atemzug in ihrem
Sessel zurück. Dann schloß sie die Augen und versenkte sich tief in sich selbst.
"Es ist mir egal, was du von mir denkst, Luke, aber ich ertrage es nicht, hier eingesperrt zu sein.
Die Ungewißheit, was mit uns und den anderen geschehen wird, das ist einfach zuviel."
Sie waren jetzt seit fast zwei Tagen, zumindest nahmen sie das an, an Bord des Zerstörers und noch
immer hatten sie, außer dem Fähnrich, der ihnen das Essen brachte, noch niemanden gesehen.
Auch Luke wurde es langsam unbehaglich. Er hatte schon einige Male vergeblich versucht, mit Leia
Kontakt aufzunehmen, aber außer der Tatsache, daß sie noch am Leben und in relativer Sicherheit war,
hatte er nichts erfahren können. Einzig innerhalb der Zelle konnten Luke und Thera sich der Macht
bedienen. Ein mentales Kraftfeld schien alles abzublocken, das in die Zelle hinein- oder aus ihr
herausströmen könnte.
Thera konnte nicht mehr ruhig sitzenbleiben und begann nervös hin und her zu gehen. Luke betrachtete
sie nachdenklich.
'Es ist einfach zuviel für sie gewesen. Erst die lange Suche, dann die beiden Anschläge und jetzt
das hier. Sie ist ja seit Jahren nicht mehr richtig zur Ruhe gekommen.'
Schließlich gab Luke sich einen Ruck und griff nach Theras Hand, als sie das nächste Mal an ihm
vorüberging.
"Komm mal her, Thera. - So, setz dich hier hin, ja genau mir gegenüber."
Thera kam seiner Aufforderung zögernd nach und Luke fuhr fort: "Also, ich denke deine Nervosität tut
uns beiden keinen großen Gefallen. Wir müssen etwas dagegen unternehmen. - Schließe deine Augen und
reich mir deine andere Hand."
Luke setzte sich ihr gegenüber auf den Boden und nahm nun ihre andere Hand. Dann schloß er die Augen
und begann sich zu konzentrieren. Sofort spürte er Theras Unruhe noch stärker, als zuvor.
Er machte sich frei davon und versenkte sich tief in sein Unterbewußtsein. Er suchte nach einem Ort,
der für ihn immer ein Quell der Ruhe gewesen war. Endlich tauchte dieser Ort aus den Nebeln der Zeit
vor ihm auf.
Wieder ging er den vertrauten Weg durch den Sumpf. Eine eigentümliche und beruhigende Schwere hing
in der Luft. Unter seinen Stiefeln gluckste es und die Abdrücke füllten sich mit Wasser. Irgendwo
schrie ein Vogel und flirrende Insekten schwebten über den Sumpflöchern.
Dann verzogen sich die Nebelschwaden und er sah Yodas Haus vor sich. Rauch stieg aus dem Schornstein
auf und die Fenster sandten ein warmes, gelbes Licht hinaus in die Nacht, ihm entgegen. Und dann,
gerade als er das Haus erreicht hatte, öffnete sich die Türe und die bucklige Gestalt seines
einstigen Lehrers und Mentors trat heraus.
"Gewartet habe ich schon lange auf euch, ja, lange gewartet."
Während Yoda sprach, wurde Luke sich der zweiten Präsenz neben ihm bewußt. Endlich hatte auch Thera
den Weg zu Yoda gefunden. Gemeinsam betraten sie das Haus und die Türe verschloß es vor den
lauernden Schatten der Nacht...
Es dauerte ziemlich lange, bis Thera die Augen wieder aufschlug.
Sie sah auf Luke, der so ruhig und ausgeglichen wirkte, als schliefe er. Sein sonst so ernster
Gesichtsausdruck war einer unbestimmten Heiterkeit gewichen und Thera dachte 'Jetzt sieht er so
jung aus, wie er es vermutlich ist.'
Luke spürte bedauernd, wie er sich von Yoda entfernte und wußte, sein Lehrer war wieder an den Ort
zurückgekehrt, an dem alle Jedi nach ihrem Tod eins mit der Macht werden.
Er atmete tief durch und schlug dann langsam die Augen auf.
Das erste, was er sah, war Theras etwas ungläubiger Gesichtsausdruck und er fragte lachend: "He, w
as ist los?"
"Nichts, ich bin nur, eh, etwas verwirrt. Ich wußte nicht, das ein Jedi so etwas kann."
"Naja, wir sind ja nicht ohne Grund etwas besonderes."
"Ja, das weiß ich, aber es gibt ganz offenbar einiges, über das ich noch nicht Bescheid weiß."
"Nun, ehem, offengestanden, das hier habe ich auch noch niemals zuvor ausprobiert. Yoda sagte mir
damals, daß es für einen Jedi mehr als nur eine Möglichkeit gibt, wenn er sich von irgendeiner
großen Erschöpfung erholen will. Und du schienst mir so eine Ruhepause nötig zu haben."
Thera nickte zustimmend und ging dann zu einem der Ruhebetten.
"Ich werde jetzt wohl endlich mal wieder richtig schlafen können, ohne jedesmal hoch zu schrecken.
Jerom wurde davon auch immer furchtbar nervös."
"Hm, äh, was ich dich schon länger mal fragen wollte, ehem, sind du und Jerom, ich meine, seid ihr -"
"Zusammen? Verheiratet? - Nein, um Himmelswillen, ich heirate doch keinen Weltraumrumtreiber wie
Jerom. Wir sind Geschäftspartner. Jedem von und gehört ein Anteil am Schiff, das ist alles."
Luke grinste verlegen und wies dann auf das Ruhebett.
"Du solltest dich hinlegen, ich passe schon solange auf."
Thera nickte und legte sich dann mit einem Seufzer hin und hatte kaum die Decke über sich gebreitet,
als sie auch schon in tiefen, traumlosen Schlaf fiel.
"Sir, wachen Sie auf."
Wedge hob abwehrend die Hände und murmelte etwas unverständliches, dann drehte er sich um. Aber sein
Flügelmann, Lieutnant Dimson, ließ sich nicht beirren.
"Sir, wachen Sie auf. Es ist Zeit, die Jäger stehen bereit."
Dimson rüttelte Wedge an der Schulter und nach einigen Versuchen gelang es ihm, seinen Commander
wachzurütteln. Wedge gähnte ausgiebig und rieb sich immer noch schlaftrunken die Augen.
"Wie spät ist es?"
"Ziemlich spät. Ich habe schon seit einer Viertelstunde versucht, Sie zu wecken. Es wird Zeit für
uns, sonst holen wir die Imperialen nie ein!"
Jetzt war Wedge mit einem Schlag wach. Er sprang auf, griff nach seiner Jacke und eilte mit
weitausgreifenden Schritten zum Aufzug. Während sie zum Hangardeck fuhren, ließ er sich einen
genauen Bericht geben. Allerdings gab es nicht sonderlich viel zu berichten, die Situation war
unverändert.
Die beiden Jäger waren schon startbereit und Admiral Ackbar wartete auf die beiden Piloten.
"Also gut, Commander Antilles, wir haben den Verfolgerkurs in ihre Bordcomputer eingegeben und die
R2 - Einheiten entsprechend konfiguriert. - Ich wünsche Ihnen beiden viel Glück und möge die Macht
mit Ihnen sein."
Wedge nickte kurz und ging dann zu seinem Jäger, während Lieutnant Dimson sich noch einmal kurz im
Hangardeck umsah und dann ebenfalls zu seinem Schiff trat.
Sobald die Piloten Platz genommen hatten, wurden von den R2 - Einheiten die Konverter gezündet und
kurze Zeit später verließen die beiden Jäger das Hangardeck mit Kurs auf das Borodan System.
Admiral Ackbar hatte sich wieder auf die Brücke begeben und sah nun nachdenklich aus dem
Beobachtungsfenster.
"Sir, die beiden Jäger sind soeben zur Lichtgeschwindigkeit übergegangen."
"Danke, Captain. Geben Sie mir laufend Bericht über die Lage. Das wäre jetzt alles."
Ackbar entschied, daß es nicht von Nutzen wäre, wenn er jetzt über Dinge nachgrübeln würde, die nun
einmal nicht zu ändern seien und wandte sich wieder den Problemen Torons zu. Währenddessen waren
Wedge und Dimson der Imperialen Flotte auf der Spur.
Wieder wurde Lando einen langen Gang entlang geführt, aber als er aufsah, stellte er fest, daß man
ihn nicht in seine alte Zelle zurückbrachte. Endlich blieben die Wachen mit ihrem Gefangenen vor
einer der vielen Türen stehen und nach dem einer der Männer eine Zahlenkombination in das Türschloß
eingegeben hatte, öffnete sich die Türe.
Lando wurde unsanft in den dahinter liegenden Raum gestoßen und hätten ihn nicht zwei starke,
pelzige Hände aufgefangen, wäre er hart zu Boden gestürzt. Er sah auf und plötzlich wandelte sich
seine Niedergeschlagenheit in Freude.
"Chewie, Jerom. Bin ich froh euch beide zu sehen."
"Ja und wir erst. Wir fürchteten das Schlimmste als man uns trennte. - Geht es dir gut?"
Jerom sah den Freund mit einem Mal recht sorgenvoll an und auch Chewie zeigte Besorgnis.
"Es geht mir gut, wirklich. Alles in Ordnung."
Es gelang Lando ein unbeschwertes Gesicht zu machen und für den Moment konnte er die Bedenken seiner
Freunde zerstreuen. Jerom dachte einen Augenblick nach, dann sagte er: "Wir müssen versuchen, hier
raus zu kommen. Solange die uns haben, können Luke und Thera nichts unternehmen."
"Ja, der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Aber wie finden wir heraus, wo Han und Leia
gefangengehalten werden?"
"Wenn ich an einen Terminal rankäme -"
"Warte mal, Terminal? Wie wäre es, wenn wir versuchen R2D2 herzubekommen. Er könnte dieses
dämliche Schloß da draußen in zwei Sekunden knacken und dann die anderen in Null-Komma-Nichts
finden."
"Ja, das wäre nicht schlecht, nur, wie kommen wir an R2 ran?"
Landos anfänglicher Enthusiasmus war etwas gebremst, aber trotzallem wollte er an diesem Plan
festhalten. Vielleicht ergab sich ja irgendeine Möglichkeit. Die drei begannen über das Problem
nachzudenken.
Zur gleichen Zeit machten sich Han und Leia ähnliche Gedanken. Denn auch sie waren überzeugt, daß
sie nur als Gefangene für die Sith von Nutzen waren. Sobald sie frei wären, könnten Luke und Thera
versuchen, zu entkommen.
Aber Leia machte sich noch andere Sorgen. Wenn sie entkämen, dann würden die Sith keinen Grund mehr
haben, sie am Leben zu lassen. Als sie aber zu Han davon sprach, zuckte dieser nur gleichmütig mit
den Schultern und meinte: "Na und? Die müssen uns erst einmal kriegen, bevor sie uns umbringen,
Süße. Wir sind doch schon öfter aus solchen Zwickmühlen entkommen. Warum also nicht auch dieses Mal?"
"Das kann ich dir sagen. Wir haben es hier nicht nur mit Imperialen zu tun, sondern mit
Sith-Kriegern. Chaira ist nicht die einzige an Bord, das fühle ich."
"Ach, egal. Wir schaffen das schon. - Und wenn auch nur, um Luke und Thera einen kleinen Vorsprung
zu verschaffen."
Leia seufzte und lehnte sich gegen die Wand. Doch ganz plötzlich spürte sie etwas. Eine Veränderung
war eingetreten. Es war nichts sichtbares, körperliches, aber es machte ihr Angst.
Sie schlang die Arme um den Körper und als sie sich an der Wand entlang zu Boden gleiten ließ,
entfuhr ihr ein leises Wimmern. Das machte Han, der mit dem Rücken zu ihr gesessen hatte,
aufmerksam. Mit einem Satz war er bei ihr und nahm sie in die Arme.
"Was ist denn los? Leia, sag doch, was ist?"
Aber Leia war aufeinmal starr vor Angst. Sie wußte jetzt was geschehen war.
"Krelon", flüsterte sie. "Das ist Krelon, Han. Wir sind da."
Han machte eine hilflose Geste. Er hatte keine Ahnung, was passiert war, denn obwohl auch ihm mit
einem Male nicht mehr ganz wohl in seiner Haut war, so verspürte er doch nicht dieses namenlose
Entsetzen wie Leia.
Alle an Bord des Sternenzerstörers begannen sich unbehaglich zu fühlen, je näher sie in Reichweite
des Planeten kamen. Die 'Phantom' hatte ihr Ziel erreicht und bereitete sich darauf vor, in den
Orbit des düsteren Planeten einzuschwenken, der jetzt die Sichtfenster des Schiffes zur Gänze
ausfüllte. Krelon sandte seine dunkle Aura weit hinaus in All.
Captain Morgan fühlte sich nicht besonders gut. Seit der Hauptadmiral sich an Bord der 'Phantom'
befand, war ihm zunehmend das Kommando über sein Schiff entglitten. Er zog es vor, während des
größten Teils der Reise unsichtbar zu bleiben und hatte sich in sein Quartier verkrochen.
Als einer der wenigen 'alten Hasen' die nach der Schlacht um Endor noch Dienst in der Imperialen
Armee taten, erfüllte ihn die Gegenwart der Sith-Kriegerin immer mit einem Gemisch aus Furcht und
Abscheu. Er war kein Freund von hinterhältigen Attacken und eine offene Schlacht war ihm allemal
lieber, als das Versteckspiel, zu dem die Truppen in den letzten Jahren immer häufiger gezwungen
waren.
Glücklicherweise war ihre Reise nun zu Ende und sobald der Admiral und die Sith mit ihren Gefangenen
von Bord gegangen waren, würde er den schnellsten Kurs weit weit fort von diesem unheimlichen
Planeten setzen lassen. Aber leider war es noch nicht so weit.
Admiral Jareth hatte ihn auf die Brücke befohlen, um an einem der Fähnriche ein Exempel zu
statuieren. Im Grunde tat der Fähnrich Morgan sogar leid. Jareth war ein Mann, der leider nur zu
schnell in Wut geriet und wer dann gerade in der Nähe war, mußte darunter leiden.
Morgan verspürte ein Kratzen an seinem Hals und fuhr mit dem Zeigefinger zwischen den, seiner
Meinung nach, viel zu engen Kragen seiner Uniformjacke und verschaffte sich einwenig Luft.
"Captain Morgan, dies ist Fähnrich Grady. Er hat mehrmals die Disziplin an Bord dieses Schiffes in
Frage gestellt und ich verlange von ihnen, daß er seine gerechte Bestrafung dafür erhält."
Morgan besah sich den Angeschuldigten und räusperte sich leicht. Grady stand wie ein Häufchen Elend
vor seinen Vorgesetzten und wagte kaum, den Blick zu heben.
Wieder räusperte sich Morgan und erst nachdem Jareth ihm einen ziemlich ungeduldigen Blick
zugeworfen hatte, entschloß er sich der Aufforderung des Admirals nachzukommen.
"Hehm, Fähnrich Grady, Sie haben die Anschuldigung des Admiral gehört. Haben Sie etwas dazu zu
bemerken?"
Die Frage war eigentlich nur formell und keiner erwartete eine Antwort darauf, aber hier sah Grady
seine Chance gekommen, seinem vorzeitigen Abschied bei der Imperialen Armee einwenig nachzuhelfen.
Seine Befangenheit machte Trotz Platz und mit einem herausfordernden Blick auf Jareth sagte er:
"Ja, ich habe allerdings etwas zu sagen. Zunächsteinmal sind diese Anschuldigungen völlig lächerlich
und aus der Luft gegriffen. Ich habe nur Befehle eines ranghöheren Offiziers ausgeführt und wenn
Sie das bezweifeln, dann fragen Sie doch Sturmführer Argon. Außerdem protestiere ich entschieden
gegen eine solche Behandlung wie sie hier seit der Ankunft der Flotte üblich ist. Ich bin nicht
freiwillig ein Fähnrich der Imperialen Flotte geworden und so können Sie auch nicht erwarten, daß
ich mit großer Begeisterung meinen Dienst tue."
Während Grady sprach, hatte der Gesichtsausdruck Jareths bemerkenswerte Veränderungen durchgemacht.
Von Erstaunen über Unglauben bis hin zu Zorn war so ziemlich alles vertreten. Jetzt donnerte er
los: "Sie, Kerl, was erlauben Sie sich eigentlich. Sie unverschämter und infamer Lügner. - Wache!
Führt diesen Burschen ab und steckt ihn zu den anderen Rebellen in die Zelle. Er wird nach Krelon
gebracht, wie die anderen."
Eigentlich hatte Captain Morgan vorgehabt, etwas zu Gradys Verteidigung zu sagen, aber bei diesem
Wutausbruch des Admirals verzichtete er und beschränkte sich auf ein aufmunterndes Lächeln für den
Fähnrich. Denn genaugenommen hatte der Junge ihm und den anderen Offizieren aus der Seele gesprochen.
Grady fügte sich in sein Schicksal und setzte sich auch nicht zur Wehr, als seine beiden Wachen ihn
grob in die Zelle zu Han und Leia stießen. Insgeheim hatte er schon gehofft, daß Jareth die
Gefangenen aus der Republik meinte, als er von Rebellen sprach.
Grady rappelte sich auf und strich seine Uniform glatt, dann räusperte er sich und wandte sich zu
seinen Mitgefangenen um. Han beäugte ihn kritisch und das Mißtrauen in seinen Augen war nicht zu
übersehen. Auch Leia wußte nicht, was sie von der Sache zu halten hatte.
Schließlich raffte sich Grady dazu auf, sich vorzustellen.
"Ich bin, eh, war Fähnrich Grady. Ich meine, ich heiße M'aral Grady."
Er zögerte kurz, dann fuhr er fort "Sie fragen sich wahrscheinlich, weshalb ich hier bin. Das ist
leicht zu erklären, ich bin dem Admiral einmal zu oft in die Quere gekommen. Er ist ein sehr
aufbrausender Mann und außerdem rachsüchtig wie ein Borellanischer Moffa."
Eigentlich genügte Han diese Erklärung nicht, aber er hatte eine gewisse Fröhlichkeit bei Grady
bemerkt, als dieser von sich als einem ehemaligen Fähnrich sprach, und wurde neugierig.
"Nun, weshalb sind Sie dann nicht aus der Flotte ausgeschieden? Immerhin schien Ihnen der Dienst
nicht viel Freude zubereiten."
"Ja, das ist richtig", Gradys Miene verdüstere sich, als er fortfuhr. "Wir wurden auch nicht
gefragt, ob wir der Flotte beitreten wollten. Sie haben uns vor die Wahl gestellt, entweder als
'Freiwillige' zur Armee zu gehen, oder aber die Konsequenzen zu tragen."
"Und diese Konsequenzen, wie sollten die aussehen?"
"Die Imperialen hätten Tanaab zerstört."
"Tanaab? Das ist doch ein Planet im Szularion System, oder?"
"Ja, Tanaab und Toron liegen nicht weit voneinander entfernt. Aber leider ist meine Heimat noch
weiter am Rande des Systems als Toron. Deshalb hatten die Imperialen auch keine Skrupel unseren
Planeten zu überfallen."
"Die haben was getan?"
"Sie habe uns überfallen. Einige Male sogar."
"Aber weshalb wurde Wahilamar denn nicht verständigt?"
"Sehen Sie, Tanaab ist nur ein kleiner, unbedeutender Planet. Die Siedler hatten einfach Angst, also
habe sie getan, was die Imperialen verlangten."
Han schien dazu noch etwas bemerken zu wollen, aber Leia warf ihm einen warnenden Blick zu, die
Sache nicht zu übertreiben und so schwieg er. Grady erkannte, daß er in Leia eine Verbündete
gewonnen hatte und lächelte ihr dankbar zu.
"Kommen Sie, setzen Sie sich. Und dann erzählen Sie alles ausführlich, obwohl ich bezweifle, daß wir
genügend Zeit haben."
Grady sah sie überrascht an und fragte: "Sie wissen, wo wir sind?"
"Ja, ich habe es gespürt."
Gradys hellbraune Augen weiteten sich vor Ehrfurcht und Erstaunen.
"Dann sind Sie auch ein Jedi-Ritter?"
Han warf seine Frau einen warnenden Blick zu, aber diese deutete ein Lächeln an und sagte: "Naja,
es dauert wohl noch ein Weilchen bis ich soweit bin. Aber Krelon habe ich ganz deutlich gespürt."
Die Erinnerung an dieses unheimliche Gefühl der Angst, ließ Leia unwillkürlich erschauern.