5. Kapitel

"Also, ich habe nachgedacht. Vielleicht können wir ja von hier drinnen an den Terminal kommen. Neben der Tür ist doch ein Auslaß zur Regulierung der Lichtzufuhr. Wenn wir die Deckplatte irgendwie abbekämen, könnte ich mich mal an den Schaltkreisen versuchen."
"Aber, was sollte uns das bringen," Lando sah ziemlich ratlos drein. "Es gibt doch ganz sicher keine Verbindung zwischen der Lichtzufuhr und dem Öffnungsmechanismus der Tür, oder?"
"Das nicht, aber vielleicht gelingt es mir ein Signal an R2D2 und C3P0 zu senden, das nur die beiden verstehen können."
"Ja, natürlich! Dann könnten die beiden uns hier raus helfen. - Nur, wie können wir sicher sein, daß ein solches Signal die beiden auch erreicht. Luke hatte ihnen doch geraten, sich in den Schmuggelverschlägen zu verstecken. Und wie ich C3P0 kenne, traut der sich da nicht eher raus, als das Luke es ihm befiehlt."
"Daran hatte ich gar nicht mehr gedacht. Hm, R2 wird es aber nicht lange in einem Versteck halten, wenn er weiß, daß Luke in Schwierigkeiten ist. Es reicht ja auch, wenn R2 dem Computer befiehlt, die Türen zu öffnen. 3P0 brauchen wir ja nicht unbedingt. Jetzt müssen wir nur noch überlegen, wie wir ein entsprechendes Zeichen an den Kleinen weitergeben."
Die drei überlegten eine ganze Weile und schließlich sprang Chewie auf und begann Lando und Jerom aufgeregt seinen Plan darzulegen.

"Sir, wir kommen jetzt in Reichweite der Andockstation Krelon 2."
Captain Morgan gab diese Meldung mit sichtlicher Erleichterung an Admiral Jareth weiter, der nun seinerseits Chaira eine entsprechende Mitteilung zukommen ließ. Die Sith-Kriegerin kannte als einzige an Bord den Sicherheitscode, um den Schildkorridor zur Station zu öffnen.
Morgan wartete ungeduldig auf den Augenblick, da die Mission beendet war und Jareth sich an Bord eines anderen Sternenzerstörers begab, um zum Hauptstützpunkt des Imperiums, nach Kalios z urückzukehren.
Kalios - Morgan knirschte unbewußt mit den Zähnen, als er an diesen Planeten dachte. Verglich man diesen abgelegenen und unbedeutenden Himmelskörper mit Palados, dem ehemaligen Zentrum des Imperiums, stach das unwürdige an der ganzen Situation erst richtig ins Auge.
Kalios war unwirtlich, kaum besiedelt und praktisch wertlos. Palados dagegen hatte reiche Mineralvorkommen, stets übermäßig gute Erträge in der Landwirtschaft und war ein beliebter Umschlagplatz für Händler aller Art gewesen. Imperial City könnte damals die vielen Besucher gar nicht alle fassen, deshalb war die Stadt ins unermeßliche gewachsen und erstreckte sich gänzlich über das gewaltige Tal des Merinos.
Und nun mußte sich das Imperium bemühen, überhaupt Besucher in sein Zentrum auf Kalios zu locken. Diese Besucher waren zu allem Übel nicht gerade das, was man respektable Bürger nannte. Kein Wunder, daß niemand mehr Respekt vor dem Imperium hatte.
Morgan warf noch einen fragenden Blick auf Jareth und verließ, nach dessen zustimmendem Nicken, beinahe fluchtartig die Brücke.

"Ich glaube, ich habe es geschafft. R2 müßte das Signal eben erreicht haben, es sei denn, ich hab mich irgendwie vertan."
"Wollen wir hoffen, daß es geklappt hat. Jetzt müssen wir nur noch etwas warten, und dann wissen wir Bescheid."
Chewie knurrte seine Zustimmung und die beiden anderen klopften ihm anerkennend auf die Schultern.
"Chewie, du bist doch der beste Techniker von uns dreien. Ohne deine Idee wären wir gar nicht erst auf so etwas Simples gekommen."
"Ja, an den Summer in der Türe habe ich gar nicht gedacht. Dabei ging der doch jedesmal los, wenn die Tür sich öffnete oder schloß."
"Jetzt brauchen wir nur noch einen Plan, damit jeder von uns genau weiß, was zu tun ist, wenn wir erst hier weg sind."
Sie wußten, von diesem Plan hinge alles ab, denn es war wichtig, aus der Zelle raus zu sein, bevor der Admiral ihre Verlegung nach Krelon befahl.

"Bist du ganz sicher, Luke?"
"Ja, natürlich. Hast du es nicht gespürt? Diese Bewegung in der Macht muß Krelon sein."
"Ich wünschte es wäre nicht so, aber du hast recht, was sollte es anderes auch gewesen sein."
"Ja, die Angst der Mannschaft war deutlich zu fühlen, selbst jetzt, da unsere Kräfte noch eingeschränkt sind."
"Ich frage mich, was die jetzt, da wir angekommen sind, mit unseren Freunden machen werden."
"Sie werden ihnen, zumindest im Augenblick, noch nichts tun. Die Sith wissen genau, wo unsere Schwachstellen sitzen, das kannst du mir glauben."
"Ich hoffe nur, daß Lando nicht irgendwas verrücktes macht. Er ist über die Geschichte mit Laura nie ganz hinweggekommen. Ich traue ihm zu, daß er versucht, sie zu überreden sich von den Sith abzuwenden. Aber damit wird er nur in noch größere Schwierigkeiten kommen."
Während die beiden sich unterhielten, hatte Luke ihr Gefängnis immer wieder untersucht, aber er konnte nirgends etwas entdecken, das ihnen zur Flucht verhelfen könnte. Durch das tatenlose Warten waren sie beide ziemlich entnervt und so warteten sie geradezu begierig darauf, daß etwas geschähe.
Doch als sich jetzt Schritte auf dem Korridor näherten, wichen sie doch zurück, als könnten sie das Unvermeidliche dadurch aufhalten.
Luke nahm Theras Hand und drückte sie kurz, warf ihr einen aufmunternden Blick zu und straffte sich für jede mögliche Gelegenheit. Schließlich könnte die leiseste Unachtsamkeit der Wachen, ihnen eine Chance zur Flucht bieten.
Mit einem Zischen öffnete sich die Türe und zwei schwerbewaffnete Sturmtruppler betraten, gefolgt von einem Offizier, den Raum. Der Offizier wies mit einer Hand auf Luke und die beiden Soldaten bedeuteten ihm, zwischen sie zu treten und die Arme vorzustrecken. Dann legte er Luke Handschellen an und nach einem kurzen Blick auf Thera verließ er, gefolgt von den Soldaten und ihrem Gefangenen den Raum.
Während der ganzen Prozedur war kein Wort gefallen, aber kurz bevor die Türe sich schloß, erwachte Thera aus ihrer Erstarrung.
"Luke! Nein, Sie dürfen ihn nicht mitnehmen, Sie -"
Das erneute Zischen der Tür schnitt ihr das Wort ab und ließ keinen weiteren Protest zu.
Jetzt war es passiert. Sie hatten Luke und sie getrennt und vermutlich würde sie ihn nie wieder sehen, es sei denn, die Sith machten sie zu Ihresgleichen. Thera versuchte, sich zusammenzunehmen und sich zu entspannen, aber es gelang ihr nicht. Schließlich ging sie mit schleppenden Schritten zu ihrer Liege und warf sich dann mit einem Schluchzer darauf, sich ganz ihrer Verzweiflung überlassend.

"Dimson, wir gehen jetzt auf Normalgeschwindigkeit. Ab jetzt halten wir Funkstille, es wird nur im absoluten Notfall gesprochen, okay?"
"Aye, Sir."
Die beiden X-Flügler brachen plötzlich aus dem Hyperraum hervor, mitten hinein in das unwirtliche und praktisch unbewohnte Borodan System. Wedge nickte zufrieden. Er hatte den Kurs genau richtig berechnet. Sie waren weit hinter der Imperialen Flotte und würden bei den ganzen, durch einen Asteroidengürtel in nächster Nähe des Systems verursachten, atmosphärischen Störungen auch für die nächste Zeit nicht in Sensorreichweite kommen.
Aber trotzdem konnten sie die Bewegungen der Flotte relativ genau verfolgen und so versuchen, hinter das Geheimnis des Borodan Systems zu kommen. Wedge und Dimson gingen auf Parallelflug und schalteten die Langstreckensensoren ein. Jetzt hatten sie nur noch eines zu tun und das war, sich auf eine lange Wartezeit einzurichten.

Nachdem sich Gradys Anspannung etwas gelöst hatte, war er in einen unruhigen Schlaf gefallen.
Leia betrachtete den jungen Mann und fragte sich unwillkürlich, ob ihre eigenen Kinder später einmal in einer Zeit des Friedens, oder des Krieges aufwachsen würden. Ihre eigene Kindheit war geprägt gewesen vom Leben als Adoptivtochter des Vizekönigs von Alderaan und so war sie schon früh mit den Wirren und der Korruption innerhalb der Imperialen Regierung in Berührung gekommen. Sie hatte stets versucht, dem Beispiel Bail Organas zu folgen und die wirklichen Interessen ihres Heimatplaneten im Senat zu vertreten.
Schon früh hatte ihr Adoptivvater sie zu Senatssitzungen mitgenommen und so ihren Blick für das Wesentliche geschärft.
So war es nicht weiter verwunderlich gewesen, daß sie schließlich in der Allianz eine wichtige Rolle einnahm und als Kurier tätig war. Unter dem Schutz der Diplomatie gelang es ihr eine große Anzahl Systeme zur Teilnahme an der Rebellion gegen das Imperium zu bewegen.
Nach der Zerstörung Alderaans hatte sie ihre gesamte Energie darauf verwandt, die Allianz zusammenzuhalten und Mon Mothma, Admiral Ackbar und General Crix Madine zu unterstützen. Aber ihr war auch nicht entgangen, daß es der Rebellion erst nach der Teilnahme Lukes und Hans gelungen war, wirklich wichtige Erfolge zu erzielen. Tatsächlich waren es ja auch die beiden gewesen, die den ersten Todesstern zerstörten. Ohne sie würde die Neue Republik vermutlich nicht einmal existieren.
Es konnte keine zufällige Verkettung von Umständen sein, wie Han es immer darstellte wenn Leia darauf zu sprechen kam. Nein, es war die Macht gewesen, die sie alle lenkte und ihnen beistand.
Han war die Nachdenklichkeit seiner Frau nicht entgangen und wollte gerade etwas sagen, als er bemerkte, wie Leia erstarrte.
"Was ist? Stimmt etwas nicht?"
Leia nickte und sagte: "Es ist etwas mit Luke passiert. Ich konnte etwas fühlen, es schien von Thera auszugehen. Es war... Verzweiflung. Oh, Han, ich wünschte, ich wäre nicht so hilflos und könnte etwas tun."
Han ergriff Leias Hand und hielt sie fest. Leia sah ihn dankbar an, versuchte aber gleichzeitig, irgendeine Regung ihres Bruders zu erspüren.
"Ich bin sicher, Luke ist in Ordnung. Du würdest es doch wissen, wenn irgend etwas wäre, nicht wahr? Schließlich war es auf Endor doch auch so."
"Ja, aber das war etwas völlig anderes. Hier werden unsere Jedi-Kräfte durch irgend etwas blockiert. Luke ist vielleicht stark genug, um das zu überwinden, aber meine Jedi-Ausbildung hat gerade erst begonnen..."
Han hörte die Bitterkeit in Leias Stimme und fragte sich, ob er ihre Ambitionen Jedi-Ritter zu w erden, bis jetzt nicht unterschätzt hatte. Irgendwie war ihm der Gedanke, daß seine Frau über die gleichen Fähigkeiten wie Luke verfügte, fern gewesen. Für ihn war Leia die geborene Diplomatin, aber er konnte sie sich nicht mit einem Laserschwert bewaffnet, im Kampf gegen die Sith vorstellen. Und wenn er sich es eingestand, behagte ihm diese Vorstellung auch ganz und gar nicht.
Leia hatte ihren Mann genau beobachtet und sie ahnte, welche Gedanken ihn beschäftigten. Aber sie entschloß sich, ihn nicht darauf anzusprechen, sondern sich darauf zu konzentrieren, ihre eigenen, durcheinander geratenen Gedanken und Gefühle in den Griff zu bekommen.
Han bemerkte seinerseits, daß Leia ihn durchschaut hatte und räusperte sich. Dann stand er auf und begann wieder auf und ab zu gehen.
Doch er hatte kaum mit seiner Wanderung begonnen, als Han plötzlich etwas auf dem Gang hörte: es waren die leisen Schritte mehrerer Personen, die vermeiden wollten, Aufmerksamkeit zu erregen. Sofort war jede Faser seines Körpers gespannt.
Han bedeutete Leia, sich hinter ihn zu stellen und machte sich kampfbereit. Doch als es einige Zeit dauerte, bis die Türe sich öffnete, stieg eine wilde Hoffnung in ihm auf: vielleicht war dort draußen jemand, der sie befreien wollte. Vielleicht war es sogar Luke!
Ein Blick auf Leia sagte ihm, daß auch sie mit dieser Möglichkeit rechnete. Mit einem leisen Zischen glitt die Türe zur Seite und es sollte sich zeigen, ob ihre Hoffnungen gerechtfertigt waren.

Als Luke den Raum verließ, der ihm und Thera als Zelle diente, hatte er ein Gefühl, als würde ein Nebelschleier sich auf ihn senken. Offenbar war das unbekannte Kraftfeld, das ihn seiner Kräfte beraubte, außerhalb des Raumes noch stärker, um eine Flucht unmöglich zu machen. Die Wachen waren dennoch aufmerksam und scheinbar ängstlich darauf bedacht, keinerlei Fehler zu machend. Es war ganz offensichtlich, daß sie unter dem Einfluß Krelons standen und außerdem in ständiger Furcht vor dem Admiral leben.
Luke hatte ähnliche Reaktionen auf dem Todesstern des Imperators erlebt, wo seine Soldaten dem direkten Einfluß der dunklen Seite der Macht ausgesetzt waren.
Luke merkte, daß seine Gedanken abzuschweifen begannen und bemühte sich, seine Konzentration auf das Bevorstehende zu richten. Instinktiv wußte er, daß man ihn zu Chaira brachte und so war er nicht allzu überrascht, als sich die Türe des Raumes, vor dem sie stehengeblieben waren, öffnete und die Sith-Kriegerin heraustrat. Wortlos schritt sie voran und führte ihren Gefangenen zu einem Turbolift.
Die Soldaten und Luke betraten nach ihr die Kabine und der Lift setzte sich in Bewegung. Schon nach kurzer Zeit hatten sie offenbar ihr Ziel erreicht. Doch Luke hatte nicht erwartet, sich auf der Brücke wiederzufinden.
Admiral Jareth wandte den Kopf und verzog ärgerlich das Gesicht, als er sah, wer soeben seine Brücke betreten hatte.
Ohne zu Zögern trat Chaira zu ihm und sagte: "Admiral, ich hoffe Sie sind sich darüber im Klaren, daß jede Verzögerung unserer Landung auf Krelon den Gefangenen die Chance zur Flucht vergrößert."

Der Admiral straffte sich und erwiderte: "Darf ich Sie dann auch daran erinnern, daß die Verzögerung von Ihren eigenen Leuten auf Krelon verursacht wird? Die Sicherheitsbestimmungen -"
"Ihre Entschuldigungen interessieren mich nicht, Admiral. Vielleicht interessiert es Sie aber, daß es den Gefangenen in Zelle 43 gelungen ist, mit einem ihrer Androiden Kontakt aufzunehmen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich frei auf diesem Schiff bewegen können. Was also gedenken Sie deswegen zu unternehmen?"
Luke versuchte, die Unterhaltung zwischen Chaira und dem Admiral zu verfolgen, konnte jedoch nicht allzuviel verstehen. Aber die Mimik Jareths war recht aufschlußreich und irgendwie ahnte Luke, daß die augenscheinliche Wut des Admirals durch eine Tat seiner Freunde verursacht wurde. Er hoffte, daß es ihnen gelungen war, zu fliehen. Damit hätten er und Thera endlich eine Möglichkeit Widerstand zu leisten, ohne sie in Gefahr zu bringen.

Grady fühlte, wie er unsanft an der Schulter gerüttelt wurde und entschloß sich, langsam aufzuwachen. Er setzte sich auf, gähnte ausgiebig und sah dann verschlafen in die Runde.
Irgendwie hatte er den Eindruck, daß sich plötzlich drei Personen mehr im Raum zu befinden schienen. Er blinzelte ungläubig, denn das konnte natürlich nicht stimmen. Aber auch als er sich über die Augen rieb, stellte er nichts anderes fest. Besonders beunruhigend fand er die Tatsache, daß er einen Wookiee zusehen glaubte!
"Es hat den Anschein, als sei unser junger Freund noch nicht so ganz wach. Offenbar ist der Imperiale Dienst doch anstrengender, als ich dachte."
Ex-Fähnrich Grady versuchte Humor in der Stimme des Sprechers festzustellen, allerdings war er sich nicht sicher, ob ein Mann mit einem so grimmigen Gesichtsausdruck überhaupt dazu fähig war.
"Keine Angst, Junge. Ich fresse Sie schon nicht auf. - Aber ich glaube Chewie hat schon wieder Hunger -"
"Jerom, ich fände es netter, wenn du M'aral, ich darf doch M'aral sagen, nicht ärgern würdest," Leia sah Jerom streng an. "Er hat sich gerade erst mit Admiral Jareth angelegt. Das verdient doch wirklich etwas Anerkennung, oder?"
Chewie knurrte seine Zustimmung, Lando grinste breit und Han nickte ebenfalls. Jerom wandte sich in gespielter Zerknirschung an Grady: "Ich hoffe, Sie können mir verzeihen. Ich verspreche auch ein artiger Junge zu sein, und Sie nie wieder mit Chewbacca zu bedrohen."
Grady war immer noch viel zu erschrocken, um auch nur einen Ton herauszubekommen. Er starrte Jerom und die anderen nur ungläubig an. Es war ihm immer noch unbegreiflich, wie sie in die Zelle hineingekommen waren.
Leia entschloß sich, der Verwirrung des Jungen ein Ende zu bereiten und sagte: "Ich glaube, wir sollten ihm unseren Plan erklären, dann wird er alles etwas besser verstehen. Denkt ihr nicht auch?"

Commander Perkins gähnte gelangweilt. Seit etwa einer Stunde war er gezwungen sich die Tiraden Captain Morgans anzuhören und mußte auch noch interessiert wirken. Einfach furchtbar dieser Mann. Keine Ahnung von Rhetorik und was für einen furchtbaren corellanischen Akzent er hatte.
Perkins fühlte sich fast persönlich beleidigt. Er war Lingorianer und sein Volk hatte die Kunst der gewählten Rede seit Jahrtausenden gepflegt. Der Imperator selbst hatte ihn gelobt für seinen hervorragenden Stil und Geschmack in der Auswahl seiner Reden. Und jetzt das! Es reichte, ja wirklich, es war genug für seinen Geschmack.
Perkins warf einen raschen Blick in die Runde und stellte fest, daß die anderen Zuhörer, die sich in der Offizierslounge um ihren Captain geschart hatten, wie gebannt an seinen Lippen hingen, als er zu einer erneuten Schilderung des Kampfes von Tylar ausholte.
Der Commander schlich zur Tür und es gelang ihm, unbemerkt von den anderen Anwesenden, die Lounge zu verlassen. Er eilte die Korridore bis zu seinem Quartier und als er es betreten hatte, lehnte er sich mit einem Seufzer der Erleichterung an die Türe.
Nach einigen Sekunden hatte er sich soweit erholt, daß er sich bis zu seinem Sessel unter dem Fenster begeben konnte. Die letzte halbe Stunde war besonders schlimm gewesen und sein Nervenkostüm war beträchtlich angegriffen.
Eine Bewegung ließ ihn zusammenfahren, aber dann hörte er die vertraute, blecherne Stimme seines persönlichen Androiden R3, einem Versuchsprototypen, der vom Imperium niemals in Serie gegeben wurde. Und das nicht ganz zu Unrecht, wenn man sich diesen einen betrachtete. Er war von etwa menschlicher Größe und aus einem schwarz eloxierten Metall gefertigt, welches extreme Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse aufwies.
Leider war das auch schon sein ganzer Vorzug. R3 war das jämmerlicher Ergebnis eines fehlgeschlagenen Experiments und der Rest seines verbeulten und deformierten Äußeren entsprach voll und ganz dem Hauptcharakteristikum seiner Programmierung, welches aus jeglichem Widersetzen gegen die gängigen ethischen Normen bestand.
Und genau aus diesem Grund war er der perfekte Partner für Commander Perkins, der ihn in der Schrottanlage eines Versuchslabors auf Kalios fand und kurzerhand mitnahm und wieder zusammensetzten ließ.
"Commander, haben Sie Befehle für mich?"
Perkins überlegte kurz, zog in Erwägung R3 auf Morgan anzusetzen, verwarf dann diesen Gedanken aber und sagte: "Nein, du kannst dich für heute abschalten, ich sage dir Bescheid, wenn die Aktion "Dämmerung" beginnt. Im Augenblick ist es etwas ungünstig. Dieser Admiral Jareth ist leider sehr mißtrauisch und wenn wir zu früh starten, könnte das den ganzen Plan gefährden."
"Ja, Commander. Dürfte ich den Vorschlag machen, das Problem zu beseitigen?"
"Nein, R3, auf gar keinen Fall!"
Für einen Moment klang Perkins' Stimme schrill, was zeigte, wie sehr er aus der Fassung gebracht war. Von Zeit zu Zeit bekam er eine Gänsehaut, wenn er seinen Androiden so leichthin von 'beseitigen' sprechen hörte. Er hatte einmal erlebt, wie sich dieses 'Beseitigen' abspielte...
Er schüttelte sich und schickte R3 aus dem Raum. Es wurde Zeit, daß Perkins sich überlegte, was mit dem Androiden zu geschehen habe, wenn die Aktion erfolgreich verlaufen würde.

Der Schwarze Lord saß völlig in Gedanken versunken auf seinen Thron, umgeben von den Schatten, die jetzt, da alle Lichter gedämpft waren, fast bis zum Zentrum des Raumes vorgedrungen waren. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern, bis Skywalker endlich in seiner Gewalt war. Und dann wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis man ihn für die dunkle Seite der Macht gewinnen könnte. Denn die Saat des Bösen war in seiner Familie einmal aufgegangen, warum also nicht ein zweites Mal? - Bald ...

Luke sah sich aufmerksam um. Vielleicht konnte er auf der Brücke irgend etwas Nützliches entdecken! Chaira hatte ihre Unterredung mit dem Admiral beendet und bedeutete den beiden Wachen, Luke zu ihr zu bringen.
Als er sie beobachtete, fiel Luke auf, wie fremd Chairas Bewegungen und ihre Körpersprache waren. Es haftete allem etwas Katzenhaftes an, was bei Jareth wohl mehr als nur ein leichtes Unbehagen verursachte. Daß die beiden nicht gerade freundschaftlich zueinander standen, war schließlich nicht zu übersehen. Es war bekannt, daß der Imperator nicht-humanoide Wesen in seiner Umgebung nur schwer dulden konnte, und diese ablehnende Haltung hatten auch seine Führungsoffiziere übernommen. Chaira war sich dessen ebenso bewußt wie Luke, und obwohl sie versuchte, sich einen Anschein von Gelassenheit zu geben, war ein aggressiver Unterton in allem, was sie sagte, sobald Jareth anwesend war.
Als Luke vor den Admiral gebracht wurde, konnte er die Sith-Kriegerin fast verstehen. Auch er fühlte ein gewisses Maß an Wut in sich aufsteigen, wenn er das hochmütige Gesicht seines Gegenübers ansah, doch noch konnte er diese Wut in ihre Schranken verweisen. Er mußte unbedingt einen Weg finden, die anderen zu befreien und aus dem Einflußbereich des Schwarzen Lords zu bringen. Ansonsten wußte er nicht, was mit Leia oder Han passieren würde, denn eines war sicher: auch wenn sie über große innere Stärke verfügten, waren sie dennoch nicht in der Lage, der Dunklen Seite der Macht lange zu widerstehen. Genauso wie er sich seiner selbst auch nicht völlig sicher sein konnte ...
Der Admiral betrachtete seinen Gefangenen mit eindeutig geringschätziger Miene, und das Wort "Rebellenabschaum" schien ihm schon auf der Zunge zu liegen, doch er hielt sich zurück. Offenbar war der Einfluß Chairas doch stärker, als Luke zuerst gedacht hatte. Vielleicht konnte er das zu seinem Vorteil nutzen ...

Wedge und Dimson waren außerhalb der Sensorenreichweite der Imperialen und beobachteten die Aktivitäten der Flotte, welche die Orbitalstation des Planeten, dessen Existenz bis vor kurzer Zeit noch eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Galaxis gewesen war, in einen eifrigen Bienenstock verwandelte. Die Sternenzerstörer hatten angedockt und wurden von Shuttles umschwärmt, die ständig zwischen Planetenoberfläche und Station pendelten.
Schließlich hatten die beiden Piloten genug gesehen, und nachdem sie die Position des Planeten in die Bordcomputer ihrer Jäger eingegeben hatten, traten sie den Rückzug an. Admiral Ackbar mußte schnellstens eine Flotte zu diesem Imperialen Posten entsenden!

R3 gab ein mißbilligendes Schnarren von sich, dann machte er sich auf den Weg zurück. Der Commander wäre ganz sicher besser beraten, hätte er ihn bei sich behalten, davon war R3 überzeugt. Aber er mußte ihm nun einmal gehorchen, oder etwa nicht?
Langsam machten sich leise Zweifel in dem Androiden breit, ob Perkins die Lage auch richtig beurteilte. Seit Monaten planten sie bereits an dieser Operation, und bisher hatten sie noch keinen Fußbreit an Boden gewonnen. Zwar konnte der Commander dank seiner rednerischen Begabung schon einige Mitstreiter um sich scharen, aber für einen Putsch reichte es einfach noch nicht. Auch ihr Informant auf Wahilamar, einem durchaus zuverlässigen und effektiven Mitglied ihrer Gruppe, war es nicht gelungen, brauchbare Informationen über die Rebellion, d.h. ihrer Sache Förderliches, in Erfahrung zu bringen. Doch sie waren des Wartens müde und trotz diverser Probleme schien endlich der große Moment gekommen. Sobald Admiral Jareth die 'Phantom' verließ, würde die Aktion 'Dämmerung' beginnen.
Den Namen hatte Perkins sich überlegt, um zu verdeutlichen, daß die Abenddämmerung für das alte Imperium und die Morgendämmerung für die Neue Ordnung angebrochen sei. Der Androide fand den Namen zwar etwas zu blumig, aber in diesem Punkt war der Commander äußerst unnachgiebig gewesen.
Han sah rasch auf den Gang und bedeutete den anderen dann, ihm zu folgen. Schnell und leise schlichen sie aus dem Zellenraum. R2 versiegelte die Türe hinter ihnen, so daß ihre Flucht mit etwas Glück noch etwas länger geheimgehalten werden konnte.
Die Soldaten hatten ihnen natürlich ihre Waffen abgenommen, und sowohl Han als auch Jerom und Lando waren sich schnell einig gewesen, daß sie ohne Waffen nicht weit kommen würden. Chewie hatte zwar noch die Munition für seinen Blitzwerfer, doch auch diesen hatte man ihm nicht gelassen. Das hatte ihn ziemlich wütend gemacht!
Sie bewegten sich mit äußerster Vorsicht, schließlich waren sie nicht alleine auf dem Schiff. Es war erstaunlich, daß es ihnen überhaupt gelungen war, die Zelle zu verlassen. Leia sah sich immer wieder um, und sie hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Auch die anderen warfen unruhige Blicke umher.
Es war einfach zu leicht gewesen.
Grady, der sich natürlich am besten auf dem Schiff auskannte, führte sie, schien aber manchmal nicht ganz sicher über den Weg zu sein. In seinem Kopf wirbelten die Gedanken wild umher, und er hatte ziemliche Mühe, sich zu konzentrieren. Seit die Jedi an Bord gebracht wurden, hatte er Schwierigkeiten klar zu denken. Er nahm sich vor, Leia zu fragen. Vielleicht wußte sie, woran das lag.
Der Gang gabelte sich einige Male, und jedesmal nahmen sie die linke Abzweigung. In einem Sternenzerstörer konnte man sich leicht verirren, und es war sogar schon vorgekommen, daß ein Fähnrich aus Gradys Gruppe zwei volle Tage umhergeirrt war, ohne sein Quartier zu finden. Die Nervosität der anderen machte es ihm nicht leichter, zumal er sich immer noch nicht sicher war, ob sie ihm alle vertrauten. Besonders Jerom warf ihm ab und an einen äußerst skeptischen Blick zu, so als wolle er ihn prüfen.

© 2006 by M.Höfkes