Diese Geschichte ist eine reine Fanpublikation und dient keinen kommerziellen Zwecken. Alle Rechte für Star Wars liegen bei Lucasfilm Ltd.

»Die Neue Republik« begann ich zu schreiben, kurz nachdem ich Star Wars das erste mal gesehen hatte, das war 1989. Ich wollte eine Fortsetzung haben, etwas, das die Zeit nach Episode VI beschrieb.
Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine der Fortsetzungen, die Thrawn-Trilogie eingeschlossen.
Vier Jahre später, 1993 geriet mir der erste Band »Heir to the Empire« in die Hände und ich war ziemlich schockiert, als ich feststellte, das Timothy Zahn einige meiner Ideen geklaut hatte... ^^
Das letzte Mal habe ich um 1997 an dem Text geschrieben, danach folgten noch einige Korrekturen und Überarbeitungen. Aber irgendwann sah ich dann ein, daß die Geschichte an einigen Stellen zwar ganz nett war, aber mehr auch nicht. Seither liegt der Text ad acta und so wird es auch bleiben.

Monica Höfkes, Juni 2005
Für Kommentare und Hinweise web@heliogabalusine.de



Die Neue Republik


Eine Star Wars Fanfiction von Monica Höfkes.


Prolog

Die Zwillingssonnen waren wie zwei gelbe Augen, die ihr brennendes Licht auf den Planeten gerichtet hatten. Sie dörrten die Oberfläche Tatooines zu einer kargen Wüstenlandschaft, die jedem Leben feindlich gesonnen zu sein schien. Stürme tobten über den Sand und schliffen im Laufe der Jahrhunderte Gebirge zu seltsamen Felsformationen. Von Zeit zu Zeit bildeten sich Bodennebel, von denen einige Wissenschaftler behaupteten, sie würden durch unterirdische Wasserkavernen hervorgerufen, doch reichten diese nicht, um auch nur spärlichen Bewuchs zu ermöglichen. Das konnten nur die Siedler mit Anlagen zur künstlichen Bewässerung erreichen.
Im Lauf der Zeit hatte es Abenteuerlustige nach Tatooine getrieben, die sich den Herausforderungen eines Wüstenplaneten stellten. Das Imperium hatte sogar Belohnungen ausgesetzt, um eine Besiedelung zu fördern. Heute lebten nur noch die ganz Zähen und Alteingesessenen auf den Gehöften, alle anderen hatte es in die größeren Ansiedlungen vertrieben, die nicht ganz so trost- und ereignislos waren.
Seit dem Ende des Imperiums hatte man versucht, aus Tatooine einen etwas freundlicheren Planeten zu machen. Begonnen wurde dies mit einer grundlegenden Sanierung der Städte, besonders Mos Eisley mit seinem Raumhafen hatte eine Renovierung dringend nötig. Mittlerweile herrschte im Orbit ein reges Kommen und Gehen der verschiedensten Schiffe. Besonders die Ankunft eines Schiffes wurde mit großer Aufregung und Spannung erwartet.

Jerom betrat den Passagierraum der 'Traiton' und blickte sich suchend um. Schließlich entdeckte er an einem der Fenster eine vertraute Gestalt. Er durchquerte mit dem federnden Schritt des geübten Raumfahrers die kurze Distanz und tippte der jungen Frau auf die Schulter.
»Wir werden bald landen, Thera. Ich habe schon Anweisungen für unsere Sachen gegeben.«
»Danke Jerom, ich hätte sicher nicht mehr daran gedacht.«
Sie drehte sich langsam zu ihm um, und er bemerkte mit Kummer ihren abgehetzten Blick.
»Geht es dir gut? Du wirkst so müde. Vielleicht hättest du nicht so lange hier am Fenster stehen sollen. Und etwas mehr essen würde dir auch gut tun.«
Bei der offensichtlichen Besorgnis in Jeroms Stimme mußte Thera Lächeln. Sie fühlte sich etwas besser, seit sie an Bord der 'Traiton' waren, aber er hatte recht. Sie brauchte unbedingt Ruhe. Vielleicht später...
»Also, welche Laus ist dir über die Leber gekrochen?« Jerom runzelte in gespieltem Ernst die Stirn, als er sprach. »Hast du wieder mal die Sorgen der Galaxis getragen?«
»Nein, es ist nur ... ich habe ein ungutes Gefühl.« Sie runzelte die Stirn, nach Worten suchend, die ihre Empfindungen beschreiben konnten. »Ich glaube, es wird etwas passieren, etwas wichtiges, und unerwartetes.«
»Aha, und was soll das genau sein? Sicherlich nichts, was nicht warten kann, bis wir gelandet sind, und wieder Boden unter den Füßen haben, oder?« Jerom grinste und hoffte innerlich, das Thera diese düstere Stimmung bald abschütteln konnte. Er fühlte sich immer unbehaglich, wenn sie solche Befürchtungen äußerte. Zu oft schon hatten sie sich bewahrheitet.
Glücklicherweise erklang in diesem Augenblick die Stimme des Captains aus den Lautsprechern: »Sehr geehrte Fluggäste, ich bitte Sie, mir Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. In etwa zehn Minuten werden wir den Raumhafen Mos Eisley erreichen. Bitte bereiten Sie sich auf die Landung vor. Vielen Dank und einen guten Aufenthalt auf Tatooine. Auf Wiedersehen bis zum nächsten Flug.«
Nach dieser Ankündigung sah man in fast allen Gesichtern eine freudige Erwartung, denn obwohl der Flug nur fünf Tage gedauert hatte, waren doch alle froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Die meisten der Passagiere besuchten Verwandte, aber einige wollten lediglich den Zwischenstop nutzen, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen oder vor dem Weiterflug den Basar in Mos Eisley anzusehen.
Doch gerade als alle sich zu den Sicherheitssitzen begaben, ging ein heftiger Ruck durch das gesamte Schiff.
»Was war denn das?« - »Das Schiff wird angegriffen!« - »Ja, von deiner Phantasie.«
Die Passagiere machten ihrem Schrecken Luft, wurden aber nicht lange im Unklaren gelassen, denn die Stimme des Captains erklang wieder aus den Lautsprechern: »Bitte bewahren Sie Ruhe, verehrte Fluggäste. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, wir haben lediglich den Außenschirm des Planeten durchflogen. Er schützt Tatooine vor der doppelten Sonneneinstrahlung. Wir landen in wenigen Minuten, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.«
»Tatsächlich«, sagte Thera, »an den Außenschirm habe ich gar nicht mehr gedacht. Für einen Moment war ich richtig in Panik.«
»Ja, das glaube ich gern, mir ging es nämlich nicht anders.« Jerom grinste schief, als er weitersprach: »Ich denke, wir haben uns unseren Urlaub nach all den Mühen, die wir durchzustehen hatten, redlich verdient.«
»Tja, es wird wohl trotzdem nicht sehr erholsam werden.«
»Ja, ja, ich weiß, wir sind aus einem bestimmten Grund hier. Aber eines will ich dir sagen - selbst nach den Bemühungen der neuen Regierung ist Tatooine eine Schmutzkugel, und es wird sich wohl auch nicht sehr viel daran ändern. - Hoffentlich gibt es diesen Jedi-Ritter überhaupt, ich wäre nicht gerne wegen eines Phantoms durch etliche Systeme gehetzt.«
»Es gibt ihn, ich fühle es.«
»Na gut, dann hoffe ich für dich, daß dein Gefühl dich nicht täuscht.«
Thera warf einen dankbaren Blick auf Jerom, sagte aber nichts. Mittlerweile kam der Raumhafen mit seinen renovierten Landebuchten in Sicht.
Alle Gebäude waren mit modernsten Doppel-Isowänden verkleidet, zwischen denen Kühlflüssigkeit strömte, um die Temperaturen wenigstens einigermaßen erträglich zu machen. Die Doppelsonnen Tatoo1 und Tatoo2 sandten eine so intensive Hitze aus, daß es fast unmöglich war, sich in einem ungekühlten Gebäude aufzuhalten. Schlimmer noch sah es natürlich in der Wüste aus. Lediglich den auf Tatooine beheimateten Tusken schien die Hitze nichts auszumachen. Sie verteidigten eifersüchtig jeden Quadratzentimeter des Sandes, und griffen tollkühn selbst die zahlenmäßig und waffentechnisch weit überlegenen Siedler an, sobald diese den Fehler machten, Sandräuberterritorium zu betreten.

Nachdenklich sah Thera vor sich hin. Es erschien alles so vertraut, und doch - eine böse Ahnung beschlich sie, und sie nahm sich vor, der Menschenmenge beim Ausstieg mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Einen unangenehmen Zwischenfall wollte sie nicht unbedingt erleben. Ein erneutes Rucken des Schiffes, als es zu Landung ansetzte, unterbrach ihren Gedankengang.

Am Eingang zur Dockbucht Nummer 2/A drängten sich einige Siedler, um die Ankömmlinge abzuholen. Zweien der Gestalten wurde respektvoll Platz gemacht, als sie an die Schranke traten.
Han Solo wartete ungeduldig darauf, daß das Passagierschiff endlich landete.
»Hoffentlich hat Lando uns keinen Bären aufgebunden, als er sagte, Thera und Jerom wären an Bord der 'Traiton'. Ich möchte mir nicht umsonst die Beine in den Bauch gestanden haben.«
Die Antwort seines Freundes wäre für die meisten Menschen nur ein gutturales Röhren gewesen, aber Han Solo war nun lange genug in der Gesellschaft des Wookies, um jedes Wort zu verstehen.
Die Aufmerksamkeit der beiden Freunde wurde dann aber von dem einschwebenden Schiff vollends in Anspruch genommen.
»Sieh dir das Schiff gut an, Chewie, so etwas bekommst du so schnell nicht wieder zu Gesicht. Die 'Traiton' hat den neuen Hyperantrieb mit Doppler-Effekt. Damit ist sie beinahe dreimal so schnell wie jedes andere Schiff.«
Chewbacca schien denn auch sehr beeindruckt von der 'Traiton' zu sein. Noch während Han sprach hatte, sich der Ausstieg des Schiffes geöffnet und eine Flut von Menschen und Fremdwesen ergoß s ich aus seinem Inneren.
Zwei dieser Passagiere entlockten Chewie ein erfreutes Grunzen. Auch Han entdeckte schließlich die beiden, auf die sie gewartet hatten. Er winkte ihnen zu und begann sich durch die Menge zu arbeiten, wobei er ziemlich rücksichtslos von seinen Ellenbogen Gebrauch machte.
»Thera, Jerom, hier drüben sind wir!«
Die Angerufenen entdeckten Han und kamen auf ihn zu. Die alten Freunde fielen sich um den Hals und redeten aufgeregt durcheinander. Es kam ihnen dann aber doch in den Sinn, daß es vielleicht besser wäre, den Raumhafen zu verlassen, denn schließlich hatten sie sich eine Menge zu erzählen.
»Han, alter Kumpel. Es ist gut dich zu sehen. Wirklich, wir beide haben nicht damit gerechnet, dich nach unserem letzten Erlebnis noch einmal in dieser Galaxis anzutreffen.«
»Vielen Dank für die Blumen.« Han mußte lachen, als er an ihre letzte Begegnung dachte. Damals waren ihnen Imperiale Agenten dicht auf den Fersen gewesen, und nur eine Trennung hatte sie vor Gefangenschaft oder schlimmerem bewahrt.
»Ich würde sagen, wir fahren jetzt zum Hof, sonst kommen wir nicht mehr vor der Dunkelheit dort an. Chewie, würdest du bitte den Gleiter holen?«
Chewie gab einen Laut von sich, der wie »Wrrfhh« klang und wohl eine Zustimmung war, und machte sich auf den Weg.
Die anderen folgten ihm, doch gerade als sie das Gebäude verließen zerriß ein Lichtblitz die heiße Luft. Han warf sich mit Thera und Jerom in einem plötzlichen Reflex zu Boden und sah dann vorsichtig auf. Im grellen Sonnenlicht fiel es ihm aber schwer, genaueres auszumachen. Der unsichtbare Schütze konnte überall sein, auf jedem Dach und hinter jeder Wand.
»Wir müssen hier weg, sonst sind wir nicht mehr als Zielscheiben! Chewie müßte langsam mal mit dem Gleiter kommen. - Chewie, wo steckst du?!«
Die letzten Worte hatte Han laut geschrien, und sie verfehlten ihre Wirkung nicht - beim Schützen.
Aber glücklicherweise traf er nicht, da Jerom geistesgegenwärtig mit Thera zurückgewichen war und auch Han in den Schutz des Gebäudeeingangs gesprungen war. Im letzten Augenblick kam Chewie mit dem Gleiter heran, und die Freunde beeilten sich einzusteigen.
»Drück' drauf, Chewie, hier will uns einer grillen!« Chewie beeilte sich, der Aufforderung Hans nachzukommen, und innerhalb von Sekunden waren sie der Gefahr entronnen.
»Puh, das war knapp,« Han ließ sich erleichtert in den Sitz zurückfallen. »Noch eine Sekunde länger und wir hätten ganz schönen Ärger bekommen.« »Ehrlich gesagt, es war etwas zu knapp für meinen Geschmack.« Thera sah sich um, war aber auch nicht in der Lage, im Gedränge vor dem Raumhafen eine einzelne Person, die vielleicht ein Attentäter war, herauszufinden. »Ich wüßte gerne, wer das eigentlich war.«
Jerom nickte zustimmend und meinte »Ja, ich auch.«
Han fuhr sich nachdenklich mit der Hand durchs zerzauste Haar, seine Augen blickten kalt zur Stadt zurück. Es war nicht das erste Mal, daß so etwas geschah, aber er beschloß den Mund zu halten und abzuwarten. Es würde sich noch eine Gelegenheit bieten, mit Jerom zu sprechen.

© 2006 by M.Höfkes