1. Kapitel: Thyvoxx

Drei X-Wing der Allianz kehrten von einem routinemäßigen Erkundungsflug durch das System zurück. Die Piloten ließen ihre Schiffe in den Orbit um Thyvoxx einschwenken, bereit das Signal für den korrekten Anflugvektor aufzufangen. Die kleinste Ungenauigkeit konnte in der sturmgepeitschten Atmosphäre des Planeten den Tod bedeuten.
»Kontrollstation, hier Rogue Eins. Melden keine besonderen Vorkommnisse. Das System ist klar.«
Leichtes statisches Rauschen begleitete die Stimme des Piloten, als die X-Wing in gefährlicher Nähe des nördlichen Ringes in die Atmosphäre eintraten.
»Hier Kontrollstation. Habe verstanden, Commander Skywalker. Übermittle jetzt das Signal für den Landeanflug.«
Die Stimme des Wachhabenden an der Kontrolle hatte einen erleichterten, aber auch leicht gelangweilten Beiklang. Seit die Allianz vor fast zwei Monaten diese Basis errichtete, war es noch zu keinerlei Zwischenfall gekommen und eine gewisse Monotonie in der Routine hatte sich eingeschlichen.
Luke konnte dem Mann keinen Vorwurf machen, er selber spürte ja, wie er langsam dem täglichen Trott verfiel. Die einzige wirkliche Abwechslung boten die Patrouillenflüge im System. Sie erforderten zumindest eine gewisse Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit.
Als die drei Raumjäger dem Signal folgten, näherten sie sich beständig der nördlichen Region des Planeten. Dort lag einer der größeren Minenkomplexe, dessen Struktur am besten erhalten war. Die Allianz konnte auf Vorhandenes zurückgreifen und ihren Bedürfnissen anpassen. Abgeflachte Kuppeln aus Transparistahl wölbten sich über den drei Gebäudeeinheiten, aus denen die Basis bestand. Unter diesen Kuppeln wurde eine künstlich mit Sauerstoff angereicherte und atembare Atmosphäre erzeugt. Außerdem wurde ein großer  Teil der von Thyvoxx Sonne produzierten Hitze von Kollektoren auf den Kuppeln eingefangen und in Energie für die Basis umgewandelt.
Der Haupthangar auf den die Jäger zuhielten, war teilweise unterirdisch angelegt. Sobald die Schiffe in Traktorreichweite waren, wurden die massiven Schotts geöffnet und die Jäger in den Hangar gezogen.


Die Meditationskammer an Bord des Supersternzerstörers Executor war in ein dämmriges Licht gehüllt. Die indirekte Beleuchtung vertiefte die Schatten und ließ die sparsame Einrichtung des Raumes nur als schemenhafte Konturen erscheinen.
Der dunkle Lord der Sith war tief in seine Meditation versunken und ließ sich von der Stille einhüllen, wie von einem Schutzschild.
Wieder und wieder hatte er den Versuch unternommen, seinen Körper durch die dunkle Seite der Macht von all seinen Verletzungen zu heilen.
Wieder und wieder hatte er versagt, wenn im entscheidenden Augenblick sein Geist das Bewußtsein seines Sohnes berührt hatte.
Solange Luke Skywalker ein Jedi war, mußte Darth Vader ohne Heilung bleiben. Es gab nur einen Weg seine Qualen zu lindern, er mußte Luke zu einem Diener der dunklen Seite machen.
Vader ließ sich tiefer in die Trance sinken und streckte die tastenden Finger seines Bewußtseins weit in den Weltraum hinaus.


Die Wände der Müllpresse rückten unaufhörlich näher. Sie würden ihn zerquetschen, seinen Körper zu einer formlosen Masse zerdrücken.
Mit aller Kraft stemmte er sich gegen das mit glitschigem Schleim bedeckte Metall.
Doch die Wände bewegten sich weiter, umschlossen ihn enger und enger. Als sie sich in die berückende Enge der Kohlenstoffgefrierkammer verwandelten schrie er auf.
Gleich würde die eisige Kälte ihn packen, ihn völlig durchdringen und taub und blind zurücklassen, für immer gefangen in der Agonie des Augenblicks.
Er wehrte sich gegen die Fesseln, die seine Hände umschlangen. Aber in dem Moment, als er sich endlich befreien konnte, strömte Eiseskälte durch seine Glieder. Er schrie erneut, riß im verzweifelten Versuch sich zu schützen die Arme hoch und die Zeit stand für ihn still.


Ein lauter Schrei riß Leia aus dem Schlaf. Vor Müdigkeit benommen brauchte sie einen Moment, um sich zu orientieren.
Dann hörte sie Hans gequältes Stöhnen und war schlagartig wach. Sie sprang aus dem Bett und lief in Hans Quartier hinüber. Sie eilte an seine Seite und wollte ihn gerade wecken, als er mit einem erneuten Aufschrei hochfuhr. Er sah sich mit wildem Blick um und es stand einen solche Angst und Qual in seinem Gesicht geschrieben, daß es Leia schier das Herz zerriß.
Seit sie Han aus dem Karbonit befreit hatten, waren zwei Monate verstrichen. Und jede Nacht peinigte ihn der gleiche Alptraum. Tiefe Ringe lagen unter seinen Augen und ständig wirkte sein Blick gehetzt, fast panisch.
Aber sie konnte ihm nicht mehr helfen, als sie es bereits tat. Sie war für ihn da, hielt ihn, wenn die Erinnerungen übermächtig wurden und er zitternd zusammenbrach, aber letztendlich mußte er das Trauma der Karbonisierung selbst überwinden.
Leia zweifelte nicht daran, daß er es schaffen würde, aber langsam belasteten seine Qualen sie mehr, als gut für sie war. Sie bemühte sich, Han durch ihre Gegenwart Trost zu spenden und ihm dadurch über die schlimmsten Anfälle hinweg zu helfen.

Han schloß ermattet die Augen und ließ sich in die Kissen zurücksinken. Er wollte Leias betroffenen Gesichtsausdruck nicht sehen und die Qual über seine Schwäche nicht in ihren Augen lesen. Als sie ihn in die Arme nahm, lehnte er sich dankbar gegen sie, beruhigt durch die Nähe und Wärme ihres Körpers.
Schon vor der Karbonisierung hatte er sich eingestanden, daß der die eigensinnige und resolute Prinzessin von Alderaan liebte. Aber erst jetzt wurde er sich darüber klar, daß sie der Dreh- und Angelpunkt seines Lebens geworden war. Sie gab ihm die Kraft gegen die plötzlichen Anfälle zu kämpfen, die ihn in ein zitterndes Häufchen Elend verwandelten.
Die MD-5 Droiden hatten seinen Körper in einem Bactatank geheilt, aber die Erinnerungen lagen wie ein lähmender Schatten über seinem Leben.


Das Verdeck des X-Wing öffnete sich und Luke kletterte behände aus dem Cockpit. Aus den beiden anderen Raumjägern stiegen Wedge Antilles und Craig Dimson und gesellten sich zu ihm.
Die drei Piloten machten sich auf den Weg zur Kommandozentrale, um General Malicott Bericht zu erstatten. Sie trotteten die Korridore entlang, als Luke plötzlich ein eisiger Hauch über seinen Rücken strich. Er geriet kurz ins Stolpern, was ihm einen erstaunten Blick von Wedge und Dimson einbrachte.
»Alles in Ordnung, bin nur gestolpert.« Mit einem müden Blick versuchte er die Sache als unwichtig abzutun. »Vielleicht brauche ich einfach nur etwas Schlaf.«
Die beiden anderen zuckten mit den Schultern und setzten ihren Weg fort. Luke folgte ihnen etwas langsamer, in Gedanken versunken.
Das war nicht das erste Mal, daß er ein solches Erlebnis hatte, irgendetwas war ganz und gar nicht in Ordnung.


Mit einem wohligen Seufzen lehnte Wedge sich zurück und griff nach seinem Glas. Er ließ seinen Blick durch die Kantine schweifen und versuchte sich einzureden, er sei in einer Bar auf Corellia und würde ein gutes Ale genießen. Er hatte viel Phantasie... Ein beständiges Quietschen und Knarren störte diese angenehme Vorstellung. Irritiert stellte Wedge fest, daß Dimson schon wieder mit seinem Stuhl wippte. Irgendwann würde er unsanft auf dem Boden landen und es vorher schaffen, Wedges Nerven völlig zu zerfetzen.
»Meine Güte Junge, hast du Feuerfliegen im Hintern?«
Mit einem schuldbewußten Grinsen stellte Dimson den Stuhl wieder auf alle vier Füße.
»Ich warte einfach darauf, daß mal was Interessantes passiert.«
Wedge verdrehte die Augen. So etwas konnte sich nur jemand wünschen, der noch grün hinter den Ohren war.
»Keine Sorge, Junge, es wird noch früh genug etwas passieren und dann wirst du dich nach diesen ruhigen Zeiten sehnen. Hab ich Recht, Luke?  -  Luke??«
Erst jetzt fiel Wedge auf, daß Luke während des ganzen Essens sehr schweigsam gewesen war und offensichtlich vom letzten Wortwechsel absolut nichts mitbekommen hatte.
Er versuchte mit einem leichten Stupsen gegen das Stuhlbein Lukes Aufmerksamkeit zu erringen. Dieser schreckte sichtlich zusammen und blickte Wedge irritiert an.
»Sag mal, träumst du? Vielleicht solltest du dich wirklich hinlegen, wenn du schon beim Essen einschläfst.«
In Wedges Spötteln mischte sich eine Spur Besorgnis. Luke war seit einiger Zeit des Öfteren abwesend, ohne das es einen für Wedge ersichtlichen Grund gab.
Man konnte schließlich nicht behaupten, daß ihr Dienst in den letzten Wochen übermäßig anstrengend war.
»Du hast wahrscheinlich Recht, ich werde mich aufs Ohr hauen.« Luke schob den Stuhl zurück und machte Anstalten aufzustehen, als er plötzlich wie erstarrt auf einen Punkt irgendwo hinter Wedge blickte. Verwundert blickte Wedge sich um, konnte aber nichts wirklich Beunruhigendes an der Wand entdecken.

Während er mit halbem Ohr der Unterhaltung zwischen Wedge und Dimson lauschte, kreisten Lukes Gedanken immer wieder um den Vorfall im Korridor. Schon einige Male hatte er solche Aussetzer gehabt, in denen ein plötzliches Gefühl von Unheil ihn ergriff und wie gelähmt zurückließ.
Ein plötzlicher Tritt gegen seinen Stuhl ließ Luke zusammenzucken. Er wurde abrupt aus seinen Gedanken gerissen und hatte einen Moment Mühe, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
Auf Wedges spöttische Bemerkung hin beschloß er, sein Quartier aufzusuchen und sich hinzulegen. Wenn seine Träume ihm einen erholsamen Schlaf erlauben würden...
Er hatte sich schon halb von seinem Stuhl erhoben, als erneut eine kalte Hand nach ihm griff. Eine wirbelnde Dunkelheit schien ihn einzuhüllen und Besitz von ihm zu ergreifen. Mühsam rang Luke nach Atem während er gegen die tastenden Finger in seinem Bewußtsein ankämpfte.
Irritiert blickte Wedge wieder zu Luke zurück und stellte fest, dass dieser ganz bleich geworden war. Plötzlich wisperte er etwas und schwankte. Es sah aus, als würde er jeden Moment zusammenbrechen. Wedge sprang auf, um Luke wenn nötig zu stützen, und auch Dimson, jetzt endlich aufmerksam geworden, beugte sich besorgt vor. Da schien sich Luke wieder etwas zu fangen und sackte in dem Stuhl hinter sich zusammen. Erschöpft und flach atmend saß er einen Moment mit geschlossenen Augen da, aber offensichtlich war der seltsame Anfall vorbei.
»Bei allen Sternen, Luke, was war denn das? Du…«
Wedge war unfähig, noch mehr zu sagen. Während er noch nach Worten suchte, wandte sich Dimson Luke zu: »Sie sollten auf die Krankenstation gehen, Commander. Vielleicht haben Sie sich irgendwas eingefangen.«
Er zögerte und schien noch mehr sagen zu wollen, überlegte es sich aber nach einem Blick in Wedges Richtung anders.
Wedge konnte sehen, wie sich Lukes Gesicht verschloss, während er seine Fassung wiedergewann.
»Das wird wohl nicht nötig sein, Dimson. Wie Wedge schon sagte, brauche ich wohl einfach etwas Schlaf. Wenn ich mich morgen nicht besser fühle, kann ich immer noch zur Krankenstation gehen.«
Ohne Wedge anzublicken, erhob sich Luke und strebte dann dem Ausgang entgegen. Obwohl er es zu überspielen versuchte, konnte Wedge sehen, dass Luke nicht wirklich sicher auf den Beinen war.
Dimson blickte verunsichert in Wedges Richtung: »Er sah nicht gut aus. Ich hoffe, er hat sich nicht an irgendeinem Virus oder so was angesteckt. Was meinst du, Wedge? Wedge?«
»Hast du auch gehört, was er gesagt hat?« Wedge setzte sich langsam wieder hin, starrte dabei aber immer noch auf die Tür, durch die sein Freund gerade verschwunden war.
»Ich fürchte, ich verstehe nicht. Was gehört?«
Wedge reagierte nicht. Er war sicher, sich nicht verhört zu haben. Luke hatte den Namen Vader geflüstert in diesem seltsamen Moment. Nachdenklich lehnte Wedge sich zurück. Es schien, als läge auch vor ihm eine unruhige Nacht. Jetzt war er wirklich besorgt um Luke. Die Allianz konnte sich keinen Führungsoffizier leisten, der unter Stress zusammenbrach und wenn das der Fall war, musste Malicott davon erfahren. Aber vielleicht sollte er erst mal mit Leia darüber reden.
Und Luke? Als sich Wedge an dessen undurchdringliche Miene nach dem Vorfall erinnerte, bezweifelte er, dass Luke bereit war, über sein Problem zu reden.


Luke fühlte Wedges Blick im Rücken, während er auf die Tür zusteuerte. Dessen Frage hallte in seinem Kopf wieder: Was war das gerade? Schaudernd erinnerte er sich an den Moment, in dem die Realität um ihn herum versunken war unter der übermächtigen Präsenz, die er zuvor erst einmal gespürt hatte. Vader! Es gab keinen Zweifel, genau wie auf Bespin hatte Luke die Stimme Vaders förmlich hören können, lockend, suchend, seinen Namen rufend… Eine Einbildung? Eine Halluzination, hervorgerufen durch zuwenig Schlaf? Ein solcher Blackout während eines Kampfes würde nicht nur sein Leben gefährden sondern auch das aller um ihn herum, Menschen, die ihm vertrauten. Eine Krankheit? Luke wünschte, es wäre so einfach. Denn wenn es das war, was er befürchtete, dann war die Gefahr für sein Umfeld viel größer.
Was, wenn wirklich eine Verbindung zwischen ihm und Vader existierte? Was bedeutete das für ihn, was für die Allianz? Wie weit konnten sie ihm noch vertrauen? – Wie weit konnte er sich selbst noch vertrauen? 
Luke erinnerte sich nur zu gut daran, wie nah er auf Bespin daran gewesen war, aufzugeben, sich einer dunklen Wolke aus Verzweiflung, Trauer und Wut zu ergeben. Wenn Leia nicht gewesen wäre, wenn sie, Lando und Chewie ihn nicht gerettet hätten,… dann hätte er die Allianz verraten. 
Luke fühlte plötzlich eine tiefe Sehnsucht danach, Leia zu sehen und mit ihr zu sprechen. Vielleicht konnte sie ihm helfen. Sie war auf Bespin dabei gewesen, sie kannte ihn besser als alle anderen und sie hatte, obwohl nicht trainiert, ein instinktives Verständnis für die Macht. Voller Hoffnung bog Luke in den Korridor, der zu Leias und Hans Räumen führte.


»Du bist besiegt«, sagte der schwarze Lord. »Es ist zwecklos, sich zu wehren.«
Luke riß in einem verzweifelten Versuch die Klinge von Vaders Lichtschwert abzuwehren seine eigene Waffe hoch und keuchte schmerzerfüllt, als der Aufprall ihm den Griff der Waffe beinahe aus der Hand prellte. Er ging rückwärts, bemüht seinen Gegner im Auge zu behalten und das Gleichgewicht auf dem schmalen Ausleger zu wahren. Heulender Wind jagte die Wände des Reaktorschachtes entlang und riß an den beiden winzigen Gestalten, die hoch oben auf einem schmalen Steg fochten.
Unerbittlich trieb die schwarze Gestalt Vaders Luke über den Ausleger. Der junge Jedi suchte Deckung hinter einer Instrumententafel, bemüht sich aus der Reichweite von Vaders Schwert zu bringen. Die tiefrote Klinge kam in einem wuchtigen Hieb herunter und durchschnitt die Anschlüsse der Anlage, die vom Wind erfaßt und in den Schacht gerissen wurde.
Unwillkürlich schaute Luke der davonwirbelnden Tafel hinterher. Diesen Augenblick der Ablenkung nutzte Vader, um blitzschnell vorzuspringen und Lukes Hand abzutrennen.
Qualvoller, sengender Schmerz raste durch Lukes Arm und ließ ihn in die Knie gehen. Halb kriechend wich er bis auf den äußersten Rand des Steges zurück, den Unterarm eng an den Körper gepreßt um den Schmerz ertragen zu können. Vaders schwarze Gestalt folgte ihm und ragte unheilvoll über ihm auf. Der Wind im Schacht verstummte, die einzigen Geräusche waren Vaders mühevolles Atmen und Lukes schmerzerfülltes Keuchen, als er vor dem Sith Lord kauerte. Hinter Luke gähnte der Abgrund und er erkannte, daß er am Ende seines Weges angekommen war.
»Es gibt kein Entkommen. Zwing mich nicht, dich zu töten. – Schließ dich mir an, laß mich deine Ausbildung beenden.«
»Niemals, ich werde mich Ihnen nie anschließen!« Luke versuchte trotz seiner Schwäche gegen Vaders Verlockungen anzugehen.
»Wenn du nur eine Vorstellung von der Macht der dunklen Seite hättest,« fuhr Vader fort. »Obi-Wan hat dir nie erzählt, was wirklich mit deinem Vater geschehen ist, nicht wahr?«
Wut stieg in Luke auf, als er Vader von seinen Vater sprechen hörte.
»Er hat mir genug gesagt!« schrie er. »Er hat mir gesagt, daß Sie ihn getötet haben!«
»Nein, Luke. Ich bin dein Vater.« Triumph schwang in Vaders Stimme mit, als er diese Offenbarung aussprach.
Luke starrte Vader einen Moment ungläubig an, wie betäubt von dem, was er gehört hatte, dann zuckte er zurück.
»Nein, nein! Das ist nicht wahr...« stammelte Luke, der nicht glauben wollte, was Vader ausgesprochen hatte. »Das ist unmöglich...«
»Erforsche deine Gefühle«, sagte Vader. »Du wirst wissen, daß es wahr ist.« Mit diesen Worten schaltete Vader sein Lichtschwert aus und streckte dem jungen Mann, seinem Sohn, die Hand hin.
»Nein! Nein!« schrie Luke auf, verwirrt und entsetzt von Vaders Worten.
»Luke, du kannst den Imperator vernichten«, fuhr Vader fort. »Er hat das vorausgesehen. Es ist deine Bestimmung. Schließ dich mir an, und wir können gemeinsam der Galaxis Frieden und Ordnung wiederbringen. – Komm mit mir. Es ist der einzige Weg.«
Schwindel erfaßte Luke. Seine Welt schien in sich zusammenzubrechen wie ein Kartenhaus. Alles, was er gelernt hatte, wurde plötzlich in Frage gestellt. In Frage gestellt durch eine Lüge Obi-Wan’s, dem er vertraut hatte! Er wollte Vader nicht glauben, wollte hinausschreien, daß der schwarze Lord log – aber er spürte die Wahrheit hinter dessen Worten. Warum nur hatte Ben ihn angelogen? Warum?
Seine Gedanken rasten, er spürte, wie seine Kräfte ihn verließen. Er blickte auf und sah Vaders ausgestreckte Hand, die ihm Sicherheit bot, - vielleicht auch Wärme und die Liebe eines Vaters.
Er streckte zitternd seine Rechte aus, eine Hand die merkwürdig kalt war. Als sein Blick darauf fiel, weiteten sich seine Augen vor Schrecken. Statt seiner eigenen Hand sah er eine metallene Prothese, deren Fingerglieder klickten, als er sie bewegte. Aber Vader griff ohne Zögern mit seiner behandschuhten Rechten danach und zog ihn zu sich hoch.
»Nun, mein Sohn, werde ich dir den wahren Weg zur Macht zeigen.«

Mit einem Gefühl des kalten Entsetzens schrak Luke aus dem Schlaf hoch. Erneut hatte er diesen Alptraum gehabt, in dem er sich Vader auf Bespin anschloß.
Vader – seinem Vater... Luke vergrub den Kopf in den Händen und zwang sich, die Bilder zu vertreiben, die ihn seit Wochen immer wieder quälten.
Er stand auf und begann, unruhig in seinem Raum auf und ab zu gehen. Luke versuchte sich zu erinnern, wann er das erste Mal die eisige Regung in der Macht gespürt hatte, die ihn mit Vader verband. Bewußt war ihm kein Vorfall, der länger als eine Woche zurück lag.
Er setzte sich mit überkreuzten Beinen auf den Boden und versenkte sich in sein Bewußtsein. Ein Gefühl von Ruhe und Frieden erfüllte ihn, als er sich von der Macht durchströmen und leiten ließ. Er richtete seine Konzentration auf die Geschehnisse der letzten Wochen, um die Quelle seiner Ahnungen zu ergründen.


Das Shuttle näherte sich Carida und schwenkte in die Umlaufbahn ein. Während er den Planeten betrachtete, ging Vader in Gedanken noch einmal die Punkte durch, die er mit dem Leiter der imperialen Akademie besprechen wollte. Einige der neuen Offiziere entsprachen nicht ganz seinen Vorstellungen.
Gerade hatte er ein Argument gefunden, das Furgan sicherlich beeindrucken würde, als er plötzlich das Gefühl hatte, nicht mehr allein zu sein.
Er sah sich um, doch die Kabine war bis auf ihn leer. Verwirrt wandte er sich wieder der Aussicht zu, als er eine geistige Berührung spürte.
»Luke...«
»Verzeihung, Lord Vader, habt Ihr etwas gesagt?«
Der Pilot sah Vader fragend an, doch als er keine Antwort erhielt, wandte er sich schnell wieder der Shuttlekontrolle zu.
Vader konzentrierte sich auf die Regung der Macht und folgte ihr bis er den Ursprung entdeckt hatte.
»Lieutenant, bringen Sie uns zur Executor zurück und informieren Sie Admiral Piett, daß wir Carida verlassen, sobald ich an Bord bin.«
»Sir?«
»Sie haben meinen Befehl gehört, befolgen Sie ihn!«
Der Pilot hing an seinem Leben. Er flog das Shuttle zum Schiff zurück.
Kurze Zeit später verließ der Supersternzerstörer den Orbit des Planeten und sprang in den Hyperraum.


Luke riß die Augen auf und schnappte nach Luft. Er hatte den Grund für seine Alpträume entdeckt, aber nun wurden seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt.
»Vader…«
Wenn Vader ihn nach Thyvoxx zurückverfolgen konnte… 
Luke sprang auf und begann hektisch einige Sachen in eine Tasche zu packen. Er konnte nicht hier bleiben!

© 2006 by M.Höfkes