2.Kapitel: Always on the move

Wedge wartete unruhig darauf, dass Prinzessin Leia auf den Türsummer antwortete. Eigentlich war es noch zu früh, um sie schon zu stören. Er hoffte nur, dass er sie nicht aus dem Schlaf riss, aber er wollte das Gespräch vor Dienstbeginn hinter sich bringen.
Der Vorfall in der Kantine ließ ihm keine Ruhe, vor allem da ihm im Laufe der Nacht einige andere Begebenheiten in den letzten Wochen eingefallen waren, in denen Luke sich seltsam verhalten hatte.
Als Leia die Tür öffnete, mußte Wedge feststellen, dass sie offensichtlich noch nicht ganz auf Besucher eingestellt war. Ihre Haare fielen in losen Wellen bis auf ihre Hüften und in der einen Hand hielt sie eine Haarbürste.
»Tut mir leid, dass ich um diese Zeit störe … vielleicht sollte ich doch später wiederkommen.« Wedge spürte, wie er errötete und wandte sich zum gehen. 
Leia lächelte nur und bat ihn herein.
»Was kann ich für Sie tun, Wedge?«
Wedge wußte nicht so recht, wie er beginnen sollte: »Es geht um Luke. Er, … also, ich mache mir Sorgen um ihn.«
Leia runzelte die Stirn und führte Wedge zu einer Sitzgruppe. Auf einem kleinen Tisch stand eine Tasse mit einem dampfenden Inhalt, der einen willkommenen Geruch verströmte.
»Möchten Sie auch etwas? – Dreipeo, bring dem Captain bitte auch eine Tasse.«
Erst jetzt bemerkte Wedge den Droiden, der in einer Nische stand.
»Oh, selbstverständlich, Eure Hoheit. Einen guten Morgen wünsche ich Ihnen, Captain Antilles. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«
Wedge war erleichtert, als Leia verneinte und den Droiden aus dem Raum schickte.
»Also, was ist mit Luke?« Leias Blick ruhte mit stiller Aufmerksamkeit auf Wedge, während dieser von dem Vorfall in der Kantine berichtete.
»Luke war in den letzten Wochen öfters geistesabwesend und unaufmerksam. Er meinte, es sei Übermüdung, aber gestern Abend …,« Wedge zögerte. »Luke hat Vaders Namen geflüstert. Ich bin mir sicher, dass ich mich nicht verhört habe.«
Leia lehnte sich in die Kissen zurück und schloss kurz die Augen. Die Sorge um Luke stand ihr ins Gesicht geschrieben, als sie Wedge ansah.
»Luke war gestern Abend hier. Es muß direkt nach dem Vorfall gewesen sein.«
Wedge beugte sich gespannt vor: »Was hat er gesagt?«
Leia blickte auf ihre Hände.
»Nichts. Ich ließ ihm leider keine Zeit dazu, sondern habe stattdessen nur von meinen Problemen gesprochen.« Sie zögerte kurz, dann faßte sie sich und fuhr fort: »Han geht es nicht gut. – Ich wünschte jetzt, ich hätte Luke zugehört. Ohne wichtigen Grund wäre er so spät nicht zu mir gekommen.«
Noch während Wedge zu einer Antwort ansetzte, erklang das Schrillen des Alarms. Gleichzeitig ertönte eine Stimme aus den Lautsprechern: »Alle Mann auf Gefechtsposition! Dies ist keine Übung, ich wiederhole, dies ist keine Übung! Führungsoffiziere in die Kommandozentrale!«
Die beiden wechselten einen überraschten Blick und Leia ging zum Kom und meldete sich bei General Malicott.
»Ah, Prinzessin Leia! Ist Commander Skywalker bei Ihnen?«
»Nein, General, «Leia sah zu Wedge und als dieser bestätigend nickte, fuhr sie fort: »Aber Captain Antilles steht hier neben mir.«
»Ah, Antilles, gut. Wenigstens etwas. Kommen Sie beide sofort in die Kommandozentrale. Und falls jemand Skywalker sieht, soll er ihn gefälligst mitbringen! Malicott Ende.«
Der General unterbrach die Verbindung. Leia starrte verwirrt auf das Kom.
»Was soll das heißen, falls jemand Luke sieht? Kann mir mal jemand sagen, was überhaupt los ist?«
Wedge drehte sich zu der neuen Stimme herum. Han stand in der Tür zum angrenzenden Raum und warf Wedge einen irritierten Blick zu. Er sah übermüdet und gereizt aus.
Während Leia ihre Haare zu einem Knoten drehte, erklärte sie Han die Situation.
»Sind Imps hier aufgetaucht?«
»Wissen wir noch nicht. Wir sind auf dem Weg zu Malicott.«
»Geht schon mal vor. Ich sag Chewie, er soll den Falken klar machen, dann komm ich nach.« Han drehte sich um und verschwand in seinem Raum.
Schnell machten sich Wedge und Leia auf den Weg zur Kommandozentrale.

als sie die Zentrale betraten, herrschte dort schon das geordnete Chaos, das so bezeichnend für eine Alarmsituation war. Leia ging zum Holoprojektor, neben dem Malicott die Berichte entgegennahm.
»Irgendwelche Anzeichen für imperiale Aktivitäten?« Malicotts Stimme war beherrscht und sein Gesichtsausdruck gelassen, aber Leia konnte an seiner Körperhaltung die Anspannung erkennen.
»Nein, Sir,« antwortete einer der Offiziere. »Die Sensoren zeigen nichts an. Sollen wir den Alarm beenden?«
Nach einem Augenblick schüttelte Malicott den Kopf: »Nein, die Evakuierung läuft weiter nach Plan. Lassen Sie die Rogues starten und die Anflugschneisen patrouillieren. Sollten Imps auftauchen, wollen wir ihnen schließlich einen passenden Empfang bereiten.«
»Sir, bitte um Erlaubnis zu meiner Einheit stoßen zu dürfen.«
Erst nach dem Wedge sich so zu Wort gemeldet hatte, wandte sich Malicott ihm und Leia zu: »Einverstanden, Captain. Bringen Sie die Rogues in Stellung.«
»Was ist mit Commander Skywalker?«
»Sie haben im Moment das Kommando, Captain.« Wedges Gesicht zeigte die Überraschung die Leia in diesem Moment fühlte, aber er wandte sich wortlos ab und verließ den Raum.
»Leia, kommen Sie bitte in mein Büro. « Gerade als sie das Büro betraten, kam Han in die Zentrale und blickte sich um. Malicott winkte ihn herein und schloss dann die Tür. Er ließ sich hinter seinem Schreibtisch nieder und trommelte mit den Fingern auf der Platte.
»Was ist passiert?« Hans Stimme brach die Stille, die sich über den Raum gesenkt hatte.
»Das wüsste ich auch gerne!» Malicotts Stimme ließ keinen Zweifel an seinem Unmut: »Ich bin es nicht gewohnt, das einer meiner Commander eine Evakuierung befiehlt, ohne einen Grund anzugeben. Noch dazu, wenn besagter Commander danach nicht auffindbar ist!«
»Luke hat sich noch nicht gemeldet? « Leia fühlte, wie der kalte Knoten in ihrer Magengrube, der sich während der letzten Minuten gebildet hatte, noch größer wurde.
»Nein, er…« Das Signal des Koms unterbrach Malicott: »Ja?«
»General, Commander Skywalker hat den Stützpunkt verlassen. Der wachhabende Offizier meldet, er sei gleich nach Beginn des Alarms mit seinem X-Wing rausgeflogen. Der Offizier nahm an, er würde auf Patrouille gehen, aber die Scans zeigen, dass Commander Skywalker direkt in den Hyperraum gegangen ist.«
»Ziel?« Malicotts Finger lagen jetzt ruhig auf der Tischplatte, so täuschend ruhig wie der Klang seiner Stimme.
»Unbekannt, Sir.«

Leia stand in Lukes Raum und versuchte zu begreifen, was vorgefallen war. Obwohl Luke nicht all seine Sachen mitgenommen hatte, spürte Leia, dass er fortgegangen war, vielleicht für immer. 
Sie erinnerte sich, wie Malicott sie in seinem Büro angeschaut hatte und zögernd sagte: »Ich weiß, dass Luke seit seiner … Auszeit nach Hoth über besondere Fähigkeiten verfügt. Kann dies damit zusammenhängen?«
Sie hatte ihm nur antworten können, dass das wahrscheinlich der Grund für Lukes Verhalten war. Luke hatte ja schon vor Bespin Warnungen durch die Macht erhalten. Aber wie erklärte man die Macht? Sie verstand es ja selbst nicht.
Es war für den praktischen Malicott keine befriedigende Antwort, aber es war die einzige Erklärung die Leia anzubieten hatte. Wenn Leia nur nicht das nagende Gefühl hätte, das da noch mehr im Verborgenen lag. Ihr ging nicht aus dem Kopf, was Wedge ihr erzählt hatte. Vader! Bei dem Gedanken an ihn durchfuhr sie ein eisiger Schauer. Was genau war nur zwischen Luke und Vader auf Bespin vorgefallen? Luke hatte nie über den Vorfall gesprochen, nur die notwendigsten Fakten berichtet, die sie sowieso schon kannte. Er und Vader hatten gekämpft und Luke verlor seine Hand, aber Leia war sicher, dass noch mehr passiert war. Und was Lukes "Auszeit" nach Hoth anging - keiner wusste, wo Luke in dieser Zeit gewesen war. Er hatte ihr gegenüber lediglich angedeutet, dass jemand ihn den Umgang mit der Macht lehrte.
Die Veränderungen, die er in und seit dieser Zeit durchlaufen hatte, waren allerdings offensichtlich. Mit einem Lächeln erinnerte sich Leia an den enthusiastischen Jungen, der sie aus der Zelle des Todessterns gerettet hatte und verglich ihn mit dem selbstsicheren, beherrschten und ernsten Mann von heute.
Das war es: Lukes Ernst. Leia konnte sich kaum noch erinnern, wann sie Luke das letzte Mal hatte Lächeln sehen, geschweige denn Lachen. Irgendetwas nagte an ihm und sie befürchtete, dass es mehr war als nur eine Warnung durch die Macht.
»Leia, wir sollten uns auch langsam auf den Weg machen. « Hans Stimme riss Leia aus ihren Gedanken. Sie hatte ihn nicht mal hereinkommen hören.
»Ich wollte nur Lukes restliche Sachen einpacken. Er wird sie brauchen, wenn wir auf dem neuen Stützpunkt sind.«
Luke würde da sein. Leia unterdrückte die kleine Stimme in sich, die das Gegenteil behauptete.


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