Diese Geschichte ist eine reine Fanpublikation und dient keinen kommerziellen Zwecken. Alle Rechte für Star Wars liegen bei Lucasfilm Ltd.

»Dies ist nur eine kleine Reflexion von Luke, die aus dem Jahr 1994 stammt, einer in puncto Star Wars sehr kreativen Phase meines Lebens.«

Linda Budinger

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Ein Jedi


Eine Star Wars Fanfiction von Linda Budinger


»Sag, bin ich denn jetzt ein Jedi?«, fragte Luke. Sein Gegenüber war klein und verschrumpelt, sah beinahe aus wie immer. Aber Luke konnte spüren, wie das Leben aus Yoda herausfloss, so wie Luft aus einer Schleuse in das Vakuum des Weltalls gesogen wurde. »Nein, eins noch fehlt. Vader! Stellen musst du dich ihm. Danach wirst du sein ein Jedi.«

Noch hatte Luke die kraftlos gewordene Stimme seines alten Lehrmeisters im Ohr. Sich Vader zu stellen, dahin war er jetzt unterwegs. Seit Yoda ihm bestätigt hatte, dass der dunkle Lord tatsächlich sein Vater war, hatte Luke mit der Entscheidung gerungen. Auch jetzt noch fiel ihm der kleinste Schritt schwer, den er durch den dichten Wald Endors machte. Denn jeder Meter führte ihn näher zu Vader.
Aber noch musste Gutes in ihm sein, ein kostbarer Rest, ein Funke von Anakin Skywalker, der er einst gewesen war. Und so versteckt war dieses kleine Licht, dass Vader sich selbst dessen nicht bewusst sein konnte. Es war nicht Vaders gute Seite gewesen, die damals auf Bespin an Luke appelliert hatte. Vader hatte ihn nur benutzen wollen. Aber jetzt, mit der Macht vertrauter geworden, konnte Luke Vaders Gegenwart, die er oft genug verspürt hatte, genauer analysieren. Und dabei wurde ihm jene winzige kleine Strömung bewusst, die das Gute in der Aura seines Vater erzeugte.
Er seufzte. Es war schwierig gewesen, Leia all die Dinge zu enthüllen, für die er lange genug gebraucht hatte, um sie zu verstehen. Es musste auch für sie eine schwere Last sein. Doch es war nötig, dass sie die Wahrheit erfuhr. Wahrscheinlich war sie die letzte Hoffnung. Luke rechnete nicht mit der Rückkehr. Selbst wenn es ihm gelänge, die guten Seiten seines Vaters zum Leben zu erwecken, war dort immer noch der Imperator. Lukes Wunsch würde sich erfüllen, er würde ein Jedi werden. Seit Han Solos Befreiung war er vollkommen sicher: Man wurde kein Jedi, um Heldentaten zu vollbringen. Man wurde Jedi, um einer zu sein.
Nun, Luke würde seine Aufgabe erfüllen, gleich ob es ihm gelänge, seinen Vater zur Umkehr zu bewegen oder nicht. Und wahrscheinlich würde er als Jedi sterben, denn da gab es noch den Imperator, über dessen Macht sich Luke durchaus im Klaren war. Es war ihm, als wenn er in die Schlacht zog. Aber diesmal schätzte er seine Chancen geringer als sonst ein, im zerbrechlichen Cockpit eines X-Wings. Denn neben der Konfrontation mit seinem Vater hatte er noch ein weiteres Ziel. Er selbst, Luke, würde sie beide, Vader, - wenn er nicht auf seine Seite kam -, und den Imperator, beschäftigen. Er hoffte, sie ablenken zu können von seinen Freunden, von ihrem verzweifelten Versuch die tödlichste Waffe des Imperiums zu vernichten. Luke glaubte die Wahrnehmung Palpatines durch seine unmittelbare Gegenwart tören zu können. Er hatte in seinem Leben vielleicht nur eine einzige Tat als Jedi zu tun, und die wollte er ausführen.
Lukes Gedanken hielten Leias Gesicht. Es war, als berühre er ihren Kopf und berge ihn sanft zwischen den Händen. Er würde nicht einsam sterben, denn er wusste, es gab noch eine andere Skywalker. Und darum musste er seine Aufgabe vollenden: Für eine neue Chance, für die einzige Hoffnung.
Luke fühlte eine eigenartige Ruhe in sich aufsteigen. Er erinnerte sich an Bens gelöstes Gesicht, als dieser Vaders Todesstreich empfangen hatte. Sein Freund und Lehrer hatte gewusst, dass es kein Ende für ihn gab. - Eins werden mit der Macht. Als Tropfen zurückkehren in das ewige Meer. Das war der Tod eines Jedi. Zu sterben auch, damit andere leben konnten. Seine Freunde, seine Schwester. Sie würde den Funken weitertragen, sollte er nicht zurückkehren.
Ein Stück hinten im Gebüsch raschelte es. Weiße Plastikuniformen schimmerten durch das lebendige Grün des Waldes. Luke trat heraus. "Ich will mich ergeben. Bringt mich zu Lord Vader."

© 2006 by M.Höfkes