Diese Geschichte ist eine reine Fanpublikation und dient keinen kommerziellen Zwecken.
Alle Rechte für Star Wars liegen bei Lucasfilm Ltd.
»Die Geschichte entstand 1994, weit von der Veröffentlichung von Episode 1 – 3. Das nur zur
Erklärung, wieso sie nicht in allen Punkten mit dem offiziellen Kanon übereinstimmt. Ich habe die
Geschichte damals geschrieben, weil mir aufgefallen ist, dass man 'Onkel Owen' im Film eigentlich nur
aus Lukes Sicht als Spaßbremse erlebt. Ich wollte daher mal die andere Seite dieses Menschen
ausleuchten.
Auch Owen Lars war mal jung und er war bestimmt ein außergewöhnlicher Mensch, denn er war bereit,
sich um den Waisenjungen zu kümmern, obwohl er wissen musste, dass das eine gefährliche Sache sein
konnte.
Erinnern wir uns also an die letzte Szene von Episode 3, wo Obi Wan dem jungen Owen das Bündel mit
seinem Neffen Luke übergibt. Und springen dann vor zum Anfang von Star Wars VI...«
Linda Budinger
Für Kommentare und Hinweise:
linda@menhir.de
Schlaflos
Eine Star Wars Fanfiction von Linda Budinger
Unruhig drehte sich Owen Lars auf die andere Seite seines Bettes. Nicht, dass ihm zu heiß war. Das
Schlafzimmer lag unterirdisch und war angenehm kühl. - Nein, den Feuchtfarmer quälten Gedanken und
seine Sorgen um Luke ließen ihn nicht schlafen. Es war, wie Beru schon beim Essen festgestellt hatte:
Luke besaß einfach zu viel von seinem Vater!
Owen fragte sich, ob seine ganze Erziehung vergebens gewesen war. Er hatte Luke zu einem ordentlichen
Menschen machen wollen, jemanden, der arbeitete und sich sein Brot mit den eigenen Händen verdiente.
Und so schlecht stand es jetzt gar nicht mehr mit der Farm, nachdem sie einige Jahre lang geschuftet
hatten. Nun besaßen sie auch zwei neue Droiden, die sich nützlich machen konnten. Hier auf Tatooine
konnte der Junge ein ehrlicher Mensch bleiben, ganz ohne undurchsichtige Fähigkeiten. Natürlich würde
er nicht die Abenteuer erleben, von denen er in jeder freien Sekunde und auch bei der Arbeit träumte.
Aber er würde am Leben bleiben, im Gegensatz zu Lukes Vater und Nhorya.
Owens erste Liebe Nhorya hatte ebenfalls über die Macht, diese seltsamen Kräfte, verfügt. Owen
schluckte bei dem Gedanken an die Vergangenheit. Nhorya war so lebensfroh gewesen, so voller Energie.
Sein Halbbruder Ben hatte die junge Frau eines Tages mit auf die Feuchtfarm ihres gemeinsamen Vaters
gebracht. Für Ben war es nur eine Schülerin, für Owen aber war es die Frau seines Lebens. Auch sie
mochte ihn, obwohl er nicht viel verstand von dieser Macht, der sie ihr Leben widmen wollte.
Ben musste diese besonderen Fähigkeiten von seiner Mutter geerbt haben, denn sonst kamen sie in der
Familie nicht vor. Owen waren diese Kräfte nie ganz geheuer gewesen. Aber er war bereit, Nhorya mit
der Macht zu teilen.
Die Frau war oft unterwegs und erst nach erreichtem Ziel, sich zu einer Jedi ausbilden zu lassen,
wollten sie und Owen heiraten. Doch dazu sollte es nicht kommen. Auf ungeklärte Weise explodierte das
Schiff, auf dem sie eine der vielen Reisen unternommen hatte.
Owen war untröstlich gewesen. Mit seinem Bruder vermochte er darüber auch nicht mehr zu reden, denn
in dem Maße, wie sich Nhorya auf Tatooine heimisch gefühlt hatte, hatte es Ben immer weiter fort
gezogen. Er kam kaum noch zu Besuch und erzählte nur noch von Krieg und Politik. Irgendwann stritten
sie sich wegen seines ruhelosen Lebens. Owen warf Ben Nhoryas Tod vor. Danach ließ Ben sich dann
überhaupt nicht mehr blicken, schickte auch keine Nachricht.
Inzwischen hatte der junge Farmer eine Frau in Anchorhead kennen gelernt. Ruhig war sie und still und
hatte keine Erfahrungen mit dem Leben auf einer Feuchtfarm. Aber da sie sich genauso einsam wie Owen
fühlte, heirateten Beru und Owen Lars schon bald nachdem sie sich getroffen hatten. Es war eine
anstrengende Aufgabe gewesen, die heruntergewirtschaftete Farm wieder aufzubauen, aber sie hatten
sich geliebt.
Owens Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, als er an Beru dachte. Ihr fehlte die tiefe Leidenschaft
von Nhorya. Aber auch wenn sie auch nicht die größte Liebe seines Lebens ersetzen konnte, Beru war
doch die beste Frau die er sich vorzustellen vermochte. Nur eines trübte nach wie vor ihr Glück: Sie
hatten keine eigenen Kinder.
Dann waren eines Tages überraschende Dinge geschehen. Es war spät am Abend gewesen, so erinnerte sich
Owen.
Der Wind strich schon kühl über die Wogen des Sandes. Die beiden Sonnen am Himmel verstrahlten mit
letzter Kraft ihre Wärme, bevor sie sich für die Nacht hinter den Horizont zurückzogen.
Owen Lars befand sich gerade in seiner Werkstatt, bemüht, einen alten Droiden wieder funktionsfähig
zu machen. Gebraucht bekam man sie oft billiger von den Jawas, dafür mussten dann aber noch kleinere
Reparaturen durchgeführt werden. Klirrend rollte ein Werkzeug über den Boden. Aber da erklang noch
ein anderes Geräusch. Ein Angriff der Tusken-Räuber?
Der Feuchtfarmer griff sein Gewehr und eilte nach draußen. Dunkel gegen den Sonnenuntergang erkannte
er eine einsame, humanoide Gestalt. Der Wind zog an ihren weiten Gewändern. Wenn auch ähnlich
gekleidet, war das doch kein Tuske. Owen ließ den Fremden herankommen, blieb aber in Deckung der
Gebäude. Der Mann schien unbewaffnet und trug ein Bündel in der Armbeuge. Es musste etwas Kostbares
enthalten, schloss Owen aus der Art wie der Unbekannte das Paket behandelte.
Als der Mann näher herbeigekommen war, erkannte Owen nach einen kurzen Blick das scharfgeschnittenes
Gesicht unter der Kapuze. Es war sein Bruder. Dann bemerkte er, was der Wanderer auf den Armen trug.
Es war ein Kind, erst wenige Wochen alt.
»Sein Name ist Luke Skywalker«, stellte er den Säugling schließlich vor. Owen Lars nickte.
»Sein Vater, mein Schüler, wurde von einem dunklen Jedi namens Darth Vader verraten und
getötet«, endete Ben. Er musste nichts weiter sagen, sein ganzes Wesen drückte die Trauer über
diesen Verlust aus. Dann reichte er Owen Lars das Kind.
»Das ist Luke, Anakins Sohn. Der Junge hat jetzt niemanden mehr. Ich hörte, dass du geheiratet
hast. Wollt ihr beide euch um Luke kümmern und ihn aufziehen? Ich bin für so etwas nicht der
Richtige!« Der Lehrer klang erschüttert, so als wäre es sein Vater gewesen, den man dort
umgebracht hatte. Unwillkürlich nahm Owen das Kind. »Luke«, flüsterte er leise.
Eine Böe peitschte eine Hand voll Sandkörner hoch und die beiden Männer drehten sich gegen den Wind.
Wieder begann der Jedi: »Ich suche eine einsame Stelle hier in der Gegend, um mich dort
niederzulassen. Vielleicht kennst du ja einen geeigneten Ort, Owen. Keine Sorge, ich werde dich nicht
behelligen.«
Immer noch wie betäubt zog der Farmer das Kind schützend an seine Brust. »Die Jundland-Wüste
gehört niemandem «, sagte er und zeigte vage in eine Richtung.
Ben dankte mit einem Kopfnicken. Zum Schutz vor der Witterung zog er die Kapuze tiefer ins Gesicht
und machte Anstalten zu gehen.
»Wieso musste er sterben?«, fragte Owen. Ben überlegte kurz.
»Weil er ein Jedi war.«
Nhorya war auch Jedischülerin gewesen. Owen fragte sich, ob das ihr Untergang gewesen war.
»Aber ...«, warf er ein.
Ben schien seine Gedanken zu lesen. »Ich weiß, du kanntest Nhorya gut. Sie war meine begabteste
Schülerin und aus diesem Grund wurde sie von Vader getötet, der einen Unfall inszinierte. Er hat alle
meine Lehrlinge vernichtet! Darth Vader wird auch Luke töten wollen, wenn er von seiner Existenz
erfährt. - Fürchte Vader, fliehe ihn. Dunkle Zeiten werden über die Galaxis kommen, dank ihm und
anderen.«
Ohne weiteren Gruß drehte er sich um und verschwand zwischen den Dünen. Zwischen den Männern waren
damals Worte gefallen, die beide nicht vergessen konnten. Hier war kein Raum für Versöhnung.
Zwei mächtige Gefühle kämpften in Owens Brust miteinander. Da war das kleine, hilflose Kind, zu dem
er bereits starke Zuneigung empfand. Da war der Schmerz über den endgültigen Verlust seines Bruders.
Zu verschieden waren sie, er wusste es. Und es wuchs der Hass auf die seltsamen Jedikräfte, die ihn
von ihm entfernt und Nhorya vernichtet hatten.
Wäre sein Bruder hier geblieben, hätten sie gemeinsam in Frieden leben können. Und Nhorya! Warum
musste auch sie diese Fähigkeiten besitzen, die sie immer wieder forttrieben hatten von ihm? Tränen
schossen in Owens Augen. Er blickte wieder auf das Kind. Eines wusste der Farmer: Er würde Luke vor
dem Schicksal seines Vaters bewahren. Hätte Owen Nhorya geheiratet, so wäre der kleine Luke
vielleicht sogar ihr Sohn...
»Owen, was ist los. Wer ist dort?« Beru rief. Zärtlich strich Owen mit einem Finger über
das winzige Gesicht des Jungen. Dann trat er aus dem Nachtwind in den geschützten Hof des
Kuppelgebäudes. Er würde Luke erziehen wie sein eigenes Kind.
Owen Lars unterdrückte ein leichtes, trockenes Husten und kehrte in die Gegenwart zurück. Vielleicht
machte er sich unnötig Sorgen. Der Junge befand sich in einer rebellischen Phase, das war in seinem
Alter ganz normal. Und schließlich hatte Luke ja auch eingesehen, dass ihm die Akademie nicht
davonlief und er auch im nächsten Jahr dorthin gehen und seinem Freund Biggs nachfolgen konnte.
Morgen würde er sich den Jungen vornehmen und mit ihm über seine Zukunft reden. Sie sprachen zu
selten miteinander in letzter Zeit. Wenn sie gemeinsam auf der Farm arbeiteten, würde es sicherlich
Gelegenheit zu einem Gespräch ergeben. Er würde Luke nicht an mysteriöse Kräfte verlieren.
Endlich schlief der Farmer ein.