Diese Geschichte ist eine reine Fanpublikation und dient keinen kommerziellen Zwecken. Alle Rechte für Star Wars liegen bei Lucasfilm Ltd.

»Noch eine ruhige Geschichte, diesmal von 1993. Wenn die Aufzeichnungen richtig sind, ist das meine erste Geschichte im Star Wars-Universum. Natürlich entstand dieser Text weit vor Episode 3.
Es gibt im Fandom eingefleischte Vader-Fans. Ich gehöre ganz sicher nicht dazu. Trotzdem ist meine erste SW-Story ironischerweise dem Mann gewidmet, mit dem alles begann.
A long time ago in a galaxy far away...«

Linda Budinger

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Königin Amidala
Mit freundlicher Genehmigung von Linda Budinger ©

Brandmale


Eine Star Wars Fanfiction von Linda Budinger


Im Thronsaal des zweiten Todessterns, vor dem Hintergrund lautlos im Weltall explodierender Schiffe, war das Duell zu einem Ende gekommen. Darth Vader hatte Hand und Laserschwert verloren. Luke Skywalker hielt seine Waffe gesenkt. Er hatte gesiegt, weniger über den Gegner als vielmehr über die Finsternis in sich.
Vader, der den Jedi durch seine Maske nur als gerasterten Schattenriss sah, traute seiner Wahrnehmung nicht. Wie ein nutzlos gewordenes Werkzeug warf Skywalker das Laserschwert fort und entsagte für immer der dunklen Seite der Macht. Diese Tat bestätigte den Eindruck des schwarzen Lords. 'Er ist noch immer nicht erwachsen geworden. - Er muss sich nach dem Tod sehnen.'
Verärgert, weil er Darth Vader geopfert hatte, ohne den jungen Skywalker zu gewinnen, nahm der Imperator die Herausforderung an. Aus seinen Fingern stob ein Gewitter auf den jungen Jedi-Ritter.
Vader war verwundet und geschlagen. Er hatte versagt, doch sein Platz blieb an der Seite des Imperators. Ungeachtet der fehlenden Hand schob er sich langsam zum Kaiser. Seine Entscheidung war lange schon gefallen. Dem Herrscher hatte er alles gegeben: das Gute und das Böse. Für niemanden sonst war etwas übrig geblieben. Nicht für sich und nicht für seine Kinder. Er war Palpatines Ratgeber geworden, seine rechte Hand - nun abgeschlagen. Aber er wusste, wohin er gehörte.
Vader dachte an den naiven Versuch Skywalkers, ihn zur Umkehr zu bewegen. 'Yoda hat ihn zum Jedi gemacht und er steckt voller Kraft. Aber klüger ist er nicht geworden und wird nun den Preis bezahlen.'
Teilnahmslos verfolgte er mittels der Sensoren, wie Luke mühevoll die gleißenden Strahlen abwehrte.
'Du hast dich getäuscht, in Obi-Wan und auch in mir. Er war schwach wie alle Jedi-Ritter und du bist es auch. Die dunkle Seite ist zu mächtig!'
Ein Laut kam elektronisch verzerrt durch die Maske. Ein Schrei. Der schwarze Lord drehte den Kopf.
Die Kräfte des jungen Jedi hatten deutlich nachgelassen. Er vermochte den Angriff nicht länger zu parieren. Vereinzelte Blitze trafen seinen ungeschützten Körper. Vader spürte, wie Skywalkers Aura sich veränderte. Neben dem verfremdeten Abbild, das sein Sichtgerät ihm bot, trug er Lukes Präsens in seinem Geist. Die innere Erscheinung erbebte. Vader wandte sich ab.
'Beinahe bedauere ich dich, Junge. Du verlierst nicht nur dein Leben, sondern wirst mit dem Wissen sterben, deine eigene Schwester verraten zu haben. Eure Freunde sind beinahe vernichtet. Auch du bist gescheitert auf deinem Weg, wie ich und sie.'
Vaders künstliche Gliedmaßen trugen ihn näher zum Imperator, der noch immer Strahlen versprühte. Luke krümmte sich im hellen, tobenden Inferno.
Sein Vater vernahm die Qual in Lukes Stimme. Ein seltsamer Impuls erreichte Vaders Geist. Mit ihm kam die Erinnerung an seinen Sturz.-
 Weißglühende Schmelze. Hitze, Schmerz und Dunkelheit. Der letzte Anblick war die Gestalt Obi-Wans oben auf dem Steg. Dann zerstörte das flüssige Metall seinen Körper, und mit ihm die Überreste seines früheren Lebens. Leere, danach eine Präsenz funkelnder Schwärze. Anakin Skywalker überließ sich völlig dieser Kraft und mit Hilfe der dunklen Seite der Macht erhob sich Darth Vader aus der Glut.
Jemand rief nach ihm. Er kehrte in die Gegenwart zurück, doch die schmerzvolle Empfindung blieb. Wie erhitzte Drähte zuckten Energien durch seinen Körper. Es war eigentlich unmöglich, denn er besaß einen kybernetischen Organismus. In seinem Geist bildete sich eine Gestalt. Sie sah ihm, nein dem jungen Anakin, ähnlich. Das Bild war unscharf und schien in Flammen zu stehen: die Ränder zerflossen, die Farben wurden zunehmend schwächer...
Überdeutlich drangen nun Lukes Schreie an sein Ohr. Die klare Verbindung zu dem jungen Jedi verwirrte den schwarzen Lord. Er erblickte seine schmerzentstellten Züge vor sich.
»Hilf mir Vater, bitte.« Die Stimme seines Sohnes gelangte ungefiltert in Vaders Bewusstsein. Dann sackte Luke zusammen. Für einen Moment stoppte der Angriff.
Lächelnd betrachtete der Imperator den reglosen Jedi. Palpatine sammelte sich einen Moment. Meterlange, gefaserte Blitze strömten aus seinen Fingern und woben ein grelles Netz um Luke. Nun würde Skywalker sterben.
Vader brach unvermittelt in die Knie und drohte zu versinken. Flammenhauch hüllte ihn ein, Leid und Angst fluteten seinen Geist. Sein Sohn lag im Sterben, seine Tochter schwebte in größter Gefahr. Luke hatte sich um seinetwillen ausgeliefert! Schwach spürte er Lukes Vertrauen noch in tiefer Not, wie eine sanfte Berührung. Ein langvergessenes Gefühl erwachte in der Tiefe, Verbundenheit mit dem lichten Aspekt der Macht. -
Abermals schien er in helles, fließendes Feuer zu stürzen. Oben stand aber diesmal der Imperator und bog sich in schallendem Gelächter. Vergangenheit und die Fesseln der dunklen Seite vergingen in weißer Glut.
Anakin war ein freier Mann, der sich jederzeit neu entscheiden konnte. Anakin Skywalker, innerlich verbrannt und geläutert. Er hatte verloren und doch gewonnen. Das Bild in seiner Seele gab ihm Kraft. Er erkannte, dass es Luke zeigte, - oder Anakin, wie er einst gewesen war.
Der Mann im schwarzen Umhang stemmte sich hoch. Mit einem Schritt war er hinter Palpatine und riss ihn fort. Nun trank sein Körper die Blitzenergie, beschädigt wurde aber nur Elektronik. Unbeirrt stolperte er vorwärts und stieß den Imperator schließlich den Zentralschacht hinab. Es war vorbei.
Nun blieb nur noch eines zu tun. Seine Schuld drückte ihn nieder, das vorwurfsfreie Nichts erwartete ihn. Bevor er selber in die Tiefe springen konnte, war plötzlich Luke neben ihm. Obwohl die Sichtanlage des Helmes gestört war, konnte er seinen Sohn jetzt deutlich erkennen. Er war nicht mehr auf das Gerät angewiesen. Luke schüttelte den Kopf und zog ihn fort vom Abgrund.

© 2006 by M.Höfkes